Senouci Allam wird Fußball-Jugendkoordinator in Fulda

Viktoria Fulda will professioneller werden

Wird Jugendkoordinator in Fulda: Trainer Senouci Allam.
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Wird Jugendkoordinator in Fulda: Trainer Senouci Allam.

Der Kirchheimer Senouci Allam, der auch für die SG Haunetal in der Kreisoberliga kickt, übernimmt im Zuge der Umstrukturierung beim größten Fußball-Nachwuchsverein der Region, dem JFV Viktoria Fulda, einen neuen Job.

Kirchheim/Fulda – Trainer der U 15 in der Hessenliga war er bisher - nun wird er Koordinator der U 14 bis U 17.

Sie werden Jugendkoordinator. Wie kam es dazu?

Gute Frage. Im Gespräch mit Thomas Dreifürst, dem JFV-Vorstand, haben wir uns das Ziel gesetzt, uns zukünftig professioneller aufstellen zu wollen. Wir besetzen eine Schnittstelle unserer Nachwuchsförderung.

Mit welchen Aufgaben?

Kaderplanung, Spieler-Entwicklung und Perspektive der jungen Kicker. Ich bin quasi Bindeglied zwischen Vorstand und den Trainern von der U 14 bis zur U 17. Gerade bei den C-Junioren ist die Kaderplanung ein Thema - hier führst du alleine dafür mal locker 100 bis 150 Gespräche.

Zuletzt waren Sie Trainer der U 15 in der Hessenliga. Übernehmen Sie nun einen neuen Job, heißt das doch, dass Positionen neu besetzt werden?

Ja. Bastian Stumpf, der noch für den Verbandsligisten Ehrenberg kickt, geht mit der U 14, die er bisher trainierte, hoch. Mit Pascal Röhnke haben wir einen neuen Coach für die U 14.

Heißt das für Sie, dass Sie als Coach nicht mehr an der Seitenlinie stehen?

Ich habe das selbst gemerkt, dass du, wenn viermal in der Woche trainierst, keine Zeit mehr hast, dir mal die U 14 anzuschauen. Das wäre aber meine Aufgabe gewesen. Ich nehme eine andere Rolle ein - so, dass alle ein gutes Gefühl hatten. Aber dass man mich gar nicht mehr an der Linie sehen wird, möchte ich nicht sagen - fürs nächste Jahr ist das schon so.

Beeinflussten berufliche Gründe Ihre Entscheidung?

Das war auch ein Grund. Ich habe mich beruflich nochmal anders aufgestellt und ein zweites Unternehmen gegründet., das eine digitale Lern-App für IHK-Ausbildungsberufe erstellt. Das erste ist eine Unternehmensberatung für Start Ups und mittelständische Unternehmen.

Was macht die Aufgabe so reizvoll?

Ich bin jetzt noch mehr in der gesamten Verantwortung. Dass die Mannschaften kadertechnisch so aufgestellt sind, dass sie den Anforderungen gerecht werden können. U 17 und U 15 spielen in der Hessenliga, U 16 in der Verbandsliga und die U 14 in der Gruppenliga.

Wie sehen Sie Ihren neuen Job?

Du lernst den Fußball anders kennen. Aus anderem Blickwinkel. Mit anderen Facetten. Bisher war ich Trainer, jetzt sehe ich eher das Kollektive. Apropos Trainer: Die Jugend-Elite-Lizenz hab’ ich, jetzt steht die A-Lizenz an. Die Zeiten dafür könnte ich mir dann besser einteilen.

Was hat Ihnen die Hessenliga-Zeit mit der U 15 gebracht - oder: Welche Erfahrungen haben Sie sammeln können?

Oh, darüber könnte ich ein Buch schreiben. Enthalten waren Glücksgefühle, einfach geile Momente. Auch solche, in denen wir niedergeschlagen nach Hause gefahren sind. Es ist eine Aufgabe, die dich ein Leben lang prägt und begleitet. Du fragst dich morgens beim Kaffeetrinken schon, wie du die Mannschaft aufstellst, welchen Matchplan du ihr mitgibst oder welches Video du ihr zeigst. Ich habe viel gelernt im Umgang mit den Jugendlichen und die verschiedenen Spielertypen zu verstehen. Zum Beispiel haben wir in Kassel binnen Minuten ein Spiel gedreht – da kamst du dir vor wie am Betzenberg in Kaiserslautern.

Sehen wir Sie noch als Spieler der SG Haunetal?

Ein bisschen bewegen muss ich mich noch. Ich hab schon die eine oder andere Bemerkung einstecken müssen von meiner Freundin. Wenn ich mal etwas früher heimkomme, werde ich schon zum Training hingeschubst. Auch für mich persönlich ist das wichtig. Einige Trainingseinheiten und Einsätze im Spiel will ich schon noch haben.

Was halten Sie vom noch nicht abgesegneten, aber vom DFB angedachten „Projekt Zukunft“ im Nachwuchsbereich?

Schwierige Frage. Ich bin nicht der Freund davon, den Amateursport vom Profisport abzunabeln - schon gar nicht im Jugendbereich. Wenn wir zu sehr Eliteförderung betreiben und die Nachwuchsleistungszentren ausgliedern aus dem Spielbetrieb, laufen wir Gefahr, den Kontakt zur Basis zu verlieren. Wir verlieren Rohdiamanten aus den Augen. Und für kleinere Vereine gehen die Vergleiche gegen größere verloren. Das wäre schade. Ein Beispiel: Wir haben bei Viktoria letztes Jahr im 2005er-Jahrgang, zu dem auch der Ex-Hohe Lufter Max Lindemann und der von vielen Bundesligisten umworbene Moritz Eckstein gehören, fünf Spieler für die Hessenauswahl abgestellt. » HINTERGRUND

Walter Kell

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