Frauen in der Überzahl

"Jeder Mann kann Yoga": Lehrer Lars Tabert über die Minderheit beim HNA-Yogasommer

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Ein Mann, der für Yoga steht und Yoga lebt: Lehrer Lars Tabert vom Barfußtempel in Kassel.

Kassel. Es ist ein Phänomen. Der HNA-Yogasommer bewegt Woche für Woche hunderte Yogis – die große Mehrzahl der Teilnehmer aber ist weiblich.

Zwar steigt die Zahl der männlichen Yogis, doch sie sind immer noch die Minderheit. Über Männer und Yoga sprechen Trainer Lars Tabert vom Barfußtempel in Kassel - das männliche Gesicht des HNA-Yogasommers - und (weiter unten im Artikel) einige Teilnehmer.

Herr Tabert, fühlen Sie sich im Yogasommer wie ein Exot?

Lars Tabert:Nein, ganz und gar nicht. Immer mehr Männer finden den Weg zum Yoga. Und immer mehr Männer wissen den Sinn und Zweck des Yoga zu schätzen im Sinne von Kraft, Flexibilität und Gesundheit.

Ist Yoga eine Frauensportart?

Tabert: Anfangs war es das mal, aber jetzt ist es das nicht mehr. Anfangs, ja, da war ich der angesprochene Exot, mittlerweile bin ich es nicht mehr. Yoga ist keine Frauendomäne, außerhalb von Deutschland ist der Männeranteil beim Yoga auch viel höher als bei uns.

Warum tun sich Männer mit Yoga so schwer?

Tabert: Yoga ist mit dem Vorurteil belastet, dass es ein Frauending ist. Ich glaube aber, dass ein Mann, sobald er mit Yoga zu tun hatte, seine Meinung schnell ändert. Denn viele Männer entdecken dann persönlich die Intensität des Yogas und das Körperbewusstsein, um das es auch geht.

Drehen wir den Spieß mal um: Warum sollten gerade Männer Yoga machen?

Tabert: Yoga hat für Männer einen großen Wert. Denn gerade sie, die viel muskulöser sind als die Damen, bekommen durch Yoga ein ganz anderes Körpergefühl. Von der Körperlichkeit her ist es gesünder, weil Yoga mehr ist als nur Dehnen. Viele kommen aus der Intensität und Routine des Alltags raus und spüren mal etwas anderes als nur Kraft und Ausdauer.

Welche Yoga-Übungen empfehlen Sie für Männer, vielleicht auch mit Blick auf Problemzonen?

Tabert: Die größten Problemzonen bei Männern sind denen der Frauen ganz ähnlich: Auch Männer kämpfen mit Hüfte, Bein-Rückseite, der Schulterpartie und dem Rücken. Man kann Hilfe gegen die Problemzonen nicht an einer Haltung, an einem Asana, festmachen. Es hängt davon ab, wie groß der Mann ist, welche Probleme er genau hat. Aber: Für jedes Problem gibt es spezielle Yogahaltungen.

Für welche Männer empfiehlt sich Yoga besonders?

Tabert: Ganz einfach: Für alle, die atmen können, ist Yoga geeignet.

Richten Sie doch mal einen Appell an Ihre Geschlechtsgenossen.

Tabert: Kommen Sie einfach mal auf die Matte. Trauen Sie sich, um danach sagen zu können: Super oder totaler Mist. Man sollte alles ausprobieren. Denn erst dann kann man sagen: Es ist etwas für mich oder nicht. Und da gibt’s doch kaum eine bessere Gelegenheit als den Yogasommer.

Das sagen unsere männlichen Yogis

Berührungsängste mit Yoga? Haben die männlichen Teilnehmer beim Yogasommer keine. Ganz unterschiedlich ist aber ihre Motivation. Und wie auch bei Frauen gilt: Yogi ist keine Frage des Alters.

Ab in den Krieger: Christof Landau (links) und Ole Schütz machen zum ersten Mal Yoga.

Christof Landau (53) und Ole Schütz (36) aus Kassel: „Wir machen Yoga zum ersten Mal. Wir machen viel anderen Sport und waren neugierig. Je älter man wird, desto schwerer werden manche Bewegungen. Auch als Mann kennt man Hüfte, Beine, Po“, sagt Landau. „Wir machen Taiki-Do, eine Kampfkunst. Da ist Yoga nicht so weit entfernt. Die Bewegungsformen zur Kräftigung und Mobilisierung und meditativen Elemente ähneln sich“, ergänzt Schütz, der aber auch zugibt: „Zu zweit fällt es einem leichter zu kommen.“ Landau hat keinerlei Berührungsängste: Er scherzt: „Ich habe im Urlaub mal einen Aerobic-Kurs für Fortgeschrittene mit 20 Damen gemacht. Da habe ich im Yogasommer kein Problem.“ Beide wollen wiederkommen.

Fit mit 70: Der Kasseler Jürgen Voss ist gern beim Yogasommer.

Jürgen Voss (70) aus Kassel: „Ich bin richtig begeistert vom HNA-Yogasommer. Eine solche Atmosphäre hat man im Verein nicht. Die Möglichkeit, mit so vielen Menschen unter freiem Himmel etwas machen zu können, ist klasse. Ich habe teilgenommen, weil ich etwas Neues ausprobieren wollte. Ich gebe zu, ich hatte gewisse Vorurteile im Kopf, aber die sind alle widerlegt. Ich schätze auch, dass wir Gelegenheit haben, so viele verschiedene Trainer kennenzulernen.“

Im Baum: Yoga-Novize Tobias Pitz.

Tobias Pitz (37), Kassel: „Ich habe in den Yogasommer reingeschnuppert und bin geblieben. Und ich kann jedem nur raten: Öfter mal was Neues ausprobieren und sich darauf einlassen. Ich habe es nicht bereut. Für mich ist Yoga die perfekte Mischung aus Beweglichkeit, Kraft und Entspannung, dem wichtigsten Teil. Beim Yoga bekomme ich den Kopf total gut frei. Das Schöne: Ich muss kein Könner sein, kann jede Übung so machen, wie ich es kann und muss es nicht perfektionieren. Jeder macht Yoga für sich und ist doch mit anderen Menschen zusammen. Das ist wunderbar.“

Namaste: Stefan Diegler ist seit vier Jahren ein Yogi.

Stefan Diegler (55) aus Baunatal: „Ich habe vor vier Jahren auf Empfehlung hin einen Kurs an der Volkshochschule belegt und bin so zum Yoga gekommen. Ich bin dabei geblieben. Ich bin mental zur Ruhe gekommen, mag die Mischung aus Konzentration und dem Fokus, die Übungen durchzustehen. Dabei ist es egal, wie es aussieht. Du guckst nicht auf den Anderen, sondern konzentrierst dich einfach auf dich selbst.“

Alles zum Yogasommer lesen Sie in unserem Themenspezial.

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