Der Kasseler Bernd Jacob war 1965 der schnellste Nachwuchssprinter Europas

Das Zielfoto musste entscheiden

Die siegreiche Sprintstaffel des KSV Hessen Kassel 1965 in Bremerhaven mit (von links) Otto Kastl, Bernd Jacob, Trainer Paul Wachsmuth, Rainer Gau und Klaus Ehlert. Fotos. nh

KASSEL. Bernd Jacob war einmal der schnellste Nachwuchssprinter Europas. Am 24. und 25. September 1966 bei den ersten europäischen Juniorenspielen der Leichtathleten in Odessa am Schwarzen Meer, damals in der Sowjetunion, heute gehört die Millionenstadt zur Ukraine.

Logisch, dass Jacob da auch schnellster Sprinter der Region oder Hessens war. Nur bei den deutschen Meisterschaften der Junioren vierzehn Tage vor Odessa in Essen musste der Leichtathlet des KSV Hessen Kassel dem Höchster Jochen Eigenherr (10,8) den Sieg überlassen und wurde hinter diesem sowie Karl-Peter Schmidtke (Hannover, 10,8) in 10,9 Sekunden Dritter. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften Ende Juli 1966 in Ulm hieß der Titelträger allerdings Bernd Jacob (10,5).

Doch zurück nach Odessa. Da war der Zieleinlauf denkbar knapp, sodass erst noch Jochen Eigenherr, der zweite Starter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes im Finale, als Sieger ausgerufen wurde. Erst das Zielfoto gab Aufschluss: Sieger Bernd Jacob.

„Schon vor dem Abflug von Frankfurt Richtung Odessa gab es Aufregung“, erinnert sich der 62-jährige Jacob. „Die sowjetische Chartermaschine bekam keine Landeerlaubnis und wir mussten 13 Stunden warten.“ In Odessa waren sämtliche Mannschaften auf einem früheren deutschen Passagierschiff, welches als Hotel eingerichtet war, auf einem Deck untergebracht.

Jacobs Vater Hans-Karl hat die Erfolge seines Sohnes in einem Album festgehalten. So gibt es dort Bilder vom Start beim Staffellauf Wilhelmshöhe - Kassel, den ersten Sprintversuchen, dem Sieg in Ulm oder der Reise nach Odessa.

Die Bestzeiten des früheren Bankdirektors können sich noch heute sehen lassen: 10,4 Sekunden über 100 m, 21,1 über 200 m und 48,7 über 400 m. Und ein Weltrekord steht ebenfalls in den Annalen. Bei den deutschen Hallenmeisterschaften am 2. März 1968 in Stuttgart lief Jacob die 200 Meter in 21,6 Sekunden.

Am 1. August 1965 wurde die Jugendstaffel des KSV in 42,5 Sekunden mit Landesrekord in Bremerhaven deutscher Meister. Neben Jacob liefen Otto Kastl, später Vertragsfußballer, Rainer Gau, später Regionalliga-Handballer, und Klaus Ehlert, Trainer war Paul Wachsmuth.

1969 stoppte ein Muskelfaserriss die sportliche Laufbahn Jacobs. Der kam zwar nach einem Jahr Pause wieder und wurde hessischer Hallenmeister über 50 Meter, doch als die beruflichen Anforderungen größer wurden, musste der Sport zurückstehen.

Jetzt freut sich Bernd Jacob nicht nur auf die nationalen Titelkämpfe am 23. und 24. August im Kasseler Auestadion, sondern auch auf das Treffen mit „alten“ Leichtathleten des KSV Hessen Kassel am 22. Juli ab 17 Uhr im Düsseldorfer Hof in Kassel. (fri)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.