„Wir treffen uns in der Mitte“

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Der einzige Deutsche in der internationelen Traningsgruppe: Jonah Spang aus Bergisch Gladbach arbeitet an seiner Geschwindigkeit.

Sportler aus mehreren Nationen treffen sich in Nordhessen

30 000 Kilometer fährt Marcel Spang im Jahr mit dem Auto. Wie viele sein Sohn Jonah auf dem BMX-Rad beisteuert, weiß er nicht genau. Wahrscheinlich kommen in einer anderthalbstündigen Trainingseinheit um die 15 Kilometer zusammen. Und davon absolviert der Neunjährige viele. Am Wochenende drehte er seine Runden in der BMX-Arena in Ahnatal.

Das Trainingslager

Martin van der Velden hat zum Trainingslager geladen. Der Holländer arbeitet hauptberuflich als BMX-Trainer. 30 Schützlinge seines „1step2 win“-Teams sind an diesem Wochenende nach Ahnatal gekommen, um bei ihm zu trainieren. Der jüngste Teilnehmer ist gerade mal sieben, der älteste sechszehn. Sechs Weltmeister sind unter ihnen, neun Europameister. Etwa die 14-jährige Lissi van Schijndel aus Holland, die seit zehn Jahren BMX fährt. Ein kleines Schild am Lenker verweist auf ihren höchsten Titel: „W1“ ist darauf zu lesen. Normalerweise kommt van Schijndel zu Wettkämpfen nach Ahnatal. „Wegen der Corona-Pandemie finden derzeit keine Wettkämpfe statt, deswegen sind wir froh, dass wir auf dieser tollen Anlage trainieren können“, sagt sie und zieht ihren Helm wieder auf den Kopf, bevor es zurück auf die Bahn geht.

Trotz Corona

„Nachdem unser internationales Rennen Anfang April ausfallen musste, ist dieses Trainingslager nun die erste größere Veranstaltung seit der Pandemie“, sagt Carsten Rövenstrunk vom gastgebenden Rad-Sport-Club Weimar-Ahnatal. Während des Lockdowns haben die 110 Mitglieder der BMX-Sparte die Bahn hergerichtet. 170 Tonnen Belag wurden aufgetragen.

Jetzt ist die Ahnataler Anlage, eine von nur fünf Stück dieser Qualität in Deutschland, wasserfester und robuster als zuvor. Küchencontainer, Umkleiden, Schutzhütten – Rövenstrunk und sein Team haben überall Schilder mit den Hygiene- und Abstandsregeln angebracht. Nur fünf Personen dürfen sich gleichzeitig in der Umkleide aufhalten. „Alles läuft sehr diszipliniert“, ist Rövenstrunk froh. Er hat sich im Vorfeld des Trainingslagers mit Ordnungs- und Gesundheitsamt genauestens abgestimmt.

Fünf Nationen

Die Sportlerinnen und Sportler kommen aus fünf Ländern: Holland, Belgien, der Schweiz, Dänemark und Deutschland. Die Flaggen an der Anlage sieht man schon von Weitem. „Ahnatal ist der perfekte Ort für uns: Schweizer oder Dänen dürften nach den aktuellen Corona-Bestimmungen nicht nach Holland einreisen. Deswegen treffen wir uns in der Mitte“, erklärt van der Velden, der die Kinder nicht nur trainiert, sondern sich auch um technische Details an den Rädern, Essenspläne und Abstimmungen mit den Schulen kümmert.

Zwar müssen sonst übliche Aktivitäten wie gemeinsame Grillabende an diesem Wochenende ausfallen, aber die Stimmung ist trotzdem gut. Die Eltern sitzen in zwei Meter Abstand auf weißen Plastikstühlen und verfolgen das Training.

Die Übungen

Jonah Spang mag am liebsten die Startübungen am Startgatter. „Da tritt jeder so schnell er kann in die Pedale und will Erster sein“, sagt der Neunjährige aus Bergisch Gladbach. Er ist der einzige Deutsche in der internationalen Trainingsgruppe von van Velden. Da ist es hilfreich, dass er zweisprachig aufgewachsen ist und die Anweisungen auch auf Englisch sofort umsetzen kann. „Da Jonah aber auch dreimal in der Woche in Holland trainiert, kann er inzwischen auch die wichtigsten BMX-Begriffe auf Niederländisch“, erklärt Vater Marcel. Die ganze Familie ist nach Ahnatal gekommen.

Während Mutter Denise wandern geht, begleitet Marcel seinen Sohn durch die Trainingseinheiten. „Eigentlich wären wir nun bald zur Weltmeisterschaft nach Housten geflogen“, erzählt er. „Jetzt freuen wir uns, dass zumindest wieder Training stattfinden kann.“ Nach der Einheit ist Jonah erschöpft. „Heute mache ich einen Mittagsschlaf“ grinst er mit verschwitzten Haaren. Schließlich steht nachmittags die zweite Einheit auf dem Programm. Kurve, Sprung, Double, Triple, Table – es gibt viel zu tun – neben den technischen Details geht es für den Neunjährigen vor allem darum, seine Geschwindigkeit zu verbessern. Die gefahrenen Kilometer sind ihm egal.

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