Emma Buchholz war mit fast ihrer gesamten Familie Mitglied bei den Turnern

Die ACT als zweite Heimat

Emma

KASSEL. Die tägliche Lektüre der HNA ist für Emma Buchholz Pflicht, und das Bild der ACT-Jungen vor der Kasseler Stadthalle erregte ihre Aufmerksamkeit. Es wurde am 17. November 1935 anlässlich des Schauturnens der Älteren Casseler Turngemeinde gemacht und erschien im Rahmen der Serie der Historischen Sportbilder in dieser Zeitung. „Meinen Bruder Henner Heine habe ich sofort erkannt“, erzählt die rüstige Seniorin, der man ihre 97 Jahre nicht ansieht.

Fritz Kieselbach hatte RegioWiki das Bild zur Verfügung gestellt. Sein in Russland vermisster Cousin Wolfgang Kieselbach war bei den ACT-Turnern. „Das gleiche Bild gibt es auch mit uns Mädchen“, sagt Emma Buchholz, die alle, die sie kennen, „Emmel“ rufen.

Und sie hat in ihrem Album noch mehr Bilder aus der alten Zeit der ACT: „Unser Haus an der Ysenburgstraße war beim Bombenangriff auf Kassel 1943 nicht abgebrannt, deswegen habe ich dieses Kleinod retten können.“

Emma Buchholz schwärmt noch heute, wenn sie an die vielen Stunden denkt, die sie im Verein verbracht hat. „Die ACT war wie eine zweite Heimat für uns“, sagt sie. „Wir waren sieben Geschwister, und fast die gesamte Familie war im Verein.“ Besonders bei den drei „Kleinen“, Emma, Karl und Henner seien die Eltern immer beruhigt gewesen, wenn die mit der ACT unterwegs waren. „Wir gehörten da einfach hin, und das sahen unsere Eltern genauso“, erinnert sich „Emmel“ Buchholz.

Turnfeste wurden besucht, viele Wanderungen gemacht, oder es gab Ferienaufenthalte zum Beispiel auf Gut Beberbeck, wo die ACT im früheren Jugendheim Ferienräume gemietet hatte. Oder es waren die ganz normalen Turnstunden in der Halle an der Wimmelstraße. „Es hat alles Spaß gemacht“, sagt die 97-Jährige, die bis zum 90. Lebensjahr noch einen eigenen Haushalt hatte. Inzwischen fühlt sie sich im Haus am Stiftsheim in Wilhelmshöhe wohl.

Ihren verstorbenen Mann Hans, den sie 1943 heiratete, lernte sie durch die gemeinsame Arbeitsstelle bei der Deutschen Bank kennen. Er kam erst im September 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Mit ihm ging Emma Buchholz aus beruflichen Gründen für 39 Jahre nach Neu-Isenburg, „aber ich habe immer Heimweh nach Kassel gehabt, deswegen sind wir auch wieder zurückgekommen“. Ihr Sohn Karl-Heinz lebt ebenfalls hier, die beiden Enkel sind nicht mehr vor Ort.

Emma Buchholz hat der Sport in der Jugend viel gegeben und heute erinnert sie sich gern an die schöne Zeit in der ACT. Vor allem dann, wenn sie im alten Fotoalbum blättert. Foto: fri

Von Peter Fritschler

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