Kassel

Zweitliga-Debüt mit 82: Kegler Licht unverwüstlich

Zweitliga-Debüt mit 82: Kegler Hans-Georg Lichte von der KSG Kassel.
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Zweitliga-Debüt mit 82: Kegler Hans-Georg Lichte von der KSG Kassel. ARCHIVFoto: ANDREAS FISCHER/NH

Seit 1954 treibt der Kasseler Hans-Georg Lichte Sport, seit 1983 ist er Sportkegler. Und jetzt hat er sein Debüt gegeben in der zweiten Bundesliga. Im Alter von 82 Jahren. 

Sein Debüt in der zweiten Bundesliga kam völlig unerwartet. Gewiss, Hans-Georg Lichte hatte schon auf Landesebene und sogar bei Deutschen Meisterschaften Titel und Medaillen geholt. Aber ein Einsatz auf diesem Niveau in einem Heimspiel seiner KSG Kassel, in dem es gegen Neheim um wichtige Punkte gegen den Abstieg geht? Im Alter von 82 Jahren?

„Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet“, gesteht der Kegler zwei Tage später ein. „Das beschäftigt mich noch heute, weil es so ein tolles Erlebnis war.“ In der Tat war „Hanni“ Lichtes Einsatz in der Ersten nicht geplant. Der Oldie sollte zeitgleich mit der zweiten KSG-Mannschaft in Herfa ein Verbandsligaspiel bestreiten. Wegen eines privaten Termins aber wollte der Kasseler die Reise vermeiden. „Kein Problem“, sagt Walter Ullrich, der Vorsitzende. „Im Kegeln wird nur selten ausgewechselt. Das war bei uns zuletzt vor zwei Jahren nötig.“

Also wurde Lichte als Ersatz in der ersten eingeplant, die jüngeren Gunter Pick und Stefan Knierim stärkten zeitgleich die zweite Mannschaft.

Dann aber passierte in Kassel das völlig unerwartete. Ausgerechnet Sebastian Klöpfel, sonst eine sichere Bank, erwischte einen rabenschwarzen Tag. „So schwarz, wie ich es seit 55 Jahren in diesem Sport selten erlebt habe“, sagt Ullrich. „Und das auf der Heimbahn.“ Der 26-jährige Zweitliga-Akteur Klöpfel, der eine Woche zuvor noch einen tollen Auftritt mit einem ebenso perfekten wie seltenen Abräumspiel gekrönt hatte (15 Würfe, 15 Neuner), verpatzte einen Schub nach dem anderen. Als keine Besserung in Sicht war, handelten die Kasseler und wechselten aus. Oldie Lichte kam nach 60 von 120 Würfen für Klöpfel.

„Ich wusste, dass er immer noch gute Ergebnisse werfen kann“, erklärte Kapitän Uwe Schlitzberger. Und Lichte gab sein Bestes, den Punktverlust der Kasseler gegen Neheim aber konnte er nicht mehr abwenden, da auch die Mitstreiter nicht ihr Optimum erreichten. Trotz eines ungefährdeten 2:1-Gesamtsieges mit 310 Holz Vorsprung.

„Wenn man kalt und ohne Probewurf einsteigt, dann ist es ganz schwer“, berichtete Joker Lichte später. 379 Zähler bekam er mit seinen 60 Würfen noch zusammen, immerhin 22 mehr als zuvor Klöpfel in der ersten Hälfte. Aber der Oldie hatte Pech beim ersten Abräumen mit einem Durchläufer und vier Würfen auf ein Bild. „Unter normalen Umständen hätte ich die nötigen 413 Zähler geschafft und wir hätten eben keinen Punkt abgegeben“, sagt Lichte, der bis 1983 bis zur Verbandsliga bei der FSK Lohfelden Tischtennis gespielt hatte und dann erst zum Kegeln gekommen war.

Nun also hat er einen Einsatz in der zweiten Bundesliga in seiner 1954 begonnenen Sportler-Vita stehen. „Und eine Ermahnung vom Schiedsrichter gab es auch, weil ich einen Schuh außerhalb der Bahn neu gebunden habe“, sagt Lichte lachend.

„Die gesamte Sache ist komplett blöd gelaufen“, bilanzierte derweil Walter Ullrich. Der Altinternationale ist 71, aber wie Lichte auch eine tragende Säule der zweiten Mannschaft und ebenfalls fit für einen Feuerwehr-Einsatz in der ersten. „Durch die Fusion der beiden Klubs Windstärke 10 und KSG im Sommer hatten wir eigentlich genügend junge Leute für die Zweitliga-Truppe.“

Nun aber müssen die Kasseler Kegler nach drei Jahren in der Aufstiegsrunde der vier Topteams fürchten, in die Abstiegsrunde abzurutschen. Trotz eines unverwüstlichen Oldies wie Hans-Georg Lichte.

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