Tischtennisspieler aus Westuffeln wird Fünfter bei der Para-WM

 Rüddenklau auf dem Weg nach Tokio

Nordhesse im Nationaltrikot: Yannik Rüddenklau war ertmals im Einzel bei einer Para-WM für behinderte Tischtennisspieler dabei. Der Spieler aus Westuffeln, dem sein linker Unterschenkel als Kind amputiert wurde, kam sensationell auf den Fünften Platz und machte damit einen weiteren großen Schritt zu seinem Ziel: Den Paralympics in zwei Jahren in Tokio. Foto: Hannes Doesseler / nh

Westuffeln. Mit der Weltelite des Behindertensports bekam es der Westuffelner Yannik Rüddenklau bei der Para-WM in Slowenien zu tun. Und er schlug sich hervorragend.

Erst im Viertelfinale schied er aus – gegen die Nummer zwei der Weltrangliste. Der 21-Jährige wurde Fünfter und das „war deutlich mehr als ich erwartet hatte.“ Mit dem guten Ergebnis hat er einen weiteren Schritt zu seinem großen Ziel gemacht: Die Paralympics in zwei Jahren in Tokio. Wir haben Fragen und Antworten zum Thema Para-WM und Paralympics zusammengestellt.

? Wie qualifizieren sich Sportler für die Paralympics?

!Natürlich durch Leistung. Eingeladen werden die Kontinentalmeister sowie die besten der Weltrangliste. Platz elf oder zwölf der Weltrangliste müsste für die Paralympic-Teilnahme reichen, schätzt Rüddenklau. Einen genauen Rang kann man nicht sagen, da es davon abhängt, ob die Kontinentalmeister unter den Top Zwölf sind.

? Welchen Platz nimmt Rüddenklau auf der Weltrangliste ein?

!Er fuhrt als 22. der Liste ins slwoenische Celje, das etwa eine Stunde von Lublijana entferrnt ist. Durch sein grandioses Abschneiden macht er einen Sprung nach vorne. Die Platzierung ist noch nicht veröffentlicht, er rechnet aber damit, dass er auf Platz 18 oder 19 stehen wird. Um unter die Top-Zwölf zu kommen, will er deshalb nächstes Jahr an einigen Weltcup-Turnieren teilnehmen. Zudem gibt es noch die Para-EM, wo er Punkte sammeln kann.

? Wie lief in der Gruppenphase das Turnier in Slowenien für den Tischtennisspieler aus Westuffeln?

!Hervorragend. In seinem ersten Gruppenspiel traf er gleich auf die Nummer fünf der Weltrangliste, den Schweden Daniel Gustafsson. Der ungesetzte Rüddenklau gewann mit 3:1 und setzte ein erstes Ausrufezeichen. Der Sieg sicherte ihm nicht nur Punkte für die Weltrangliste, sondern auch die Teilnahme am Achtelfinale. Dass er das zweite Gruppenspiel verlor, war da von untergeordneter Bedeutung. „Ich bin als ungesetzter Spieler weitergekommen. Das ist klasse“, freut sich Rüddenklau.

? Wie waren die K.o-Spiele für Rüddenklaus?

!Das erste konnte er für sich entscheiden. Seinen Gegner aus Malaysia konnte er mit 3:1 besiegen. Dann kam der Russe Juri Nozdrunov. Und der ist die Nummer zwei der Welt. Den ersten Satz gewann Rüddenklau klar. Die nächsten beiden verlor ich knapp jeweils in der Verlängerung“, erzählt er. Satz vier ging wieder an ihn, ehe er sich im fünften geschlagen geben musste. Mit dem Ergebnis „kann ich leben und es war mein bestes Tischtennis, das ich bisher gespielt habe“, ließ der Nordhesse auch nach dem Ausscheiden aus dem Turnier den Kopf nicht hängen. Und das aus gutem Grund: Mit diesem Abschneiden hatte im Vorfeld niemand gerechnet.

? Welche Einteilung gibt es beim Tischtennissport für Behinderte?

!Je nach Behindertengrad werden die Sportler eingeteilt in Klassen zwischen 1 und 10, wobei in der Klasse eins die Sportler mit der stärksten Behinderung spielen. Rüddenklau tritt in der Klasse neun. Wegen einer Krebserkrankung verlor er mit 1,5 Jahren den linken Unterschenkel. „Du bist ein typischer Neuner“, wurde ihm bei der Klassifizierung vor einigen Jahren gesagt und Rüddenklau fühlt sich in der Klasse auch gut aufgehoben. Zusätzlich gibt es noch eine Klasse elf für Menschen mit geistigem Handicap.

? Bei welchem Verein spielt Rüddenklau während der Saison?

!Beim TTC Hofgeismar. Mit neun Jahren begann er in Calden an die Platte zu gehen. Dann wechselte er nach Immenhausen. Nach dem Abitur, das er in Hofgeismar machte, wechselte er nach Düsseldorf. Dort ist das deutsche TT-Leistungszentrum. Doch Nordhessen ließ ihn nicht los. „In Düsseldorf hatte ich wenig Regenerationsphasen“, sagt Rüddenklau und so verschlug es ihn zurück zu Familie, Freunden und (ebenfalls Tischtennis spielender) Freundin Anna-Lena Rost nach Westuffeln. Zwei bis dreimal pro Woche fährt Rüddenklau, der in Kassel Wirtschaftswissenschaft studiert, ins Leistungszentrum nach Düsseldorf. „Das Training ist einfach super und wird genau auf uns zugeschnitten. Das ist sicher auch ein Grund für das tolle Abschneiden in Slowenien.“

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