Florettfechterinnen WM-Vierte

Trotz 13-Treffer-Führung: Hartung erlebt Säbel-Waterloo

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Säbelfechter Max Hartung konnte einen deutschen 40:27-Vorsprung nicht verteidigen. Foto: Jan Woitas

Damit hat nun wirklich niemand gerechnet. Dass ein deutsches Herrensäbelteam bei der Heim-WM in die Trostrunde um die Plätze ab Rang neun muss, ist eine einzige Enttäuschung. Die Florettfechterinnen machten es besser.

Leipzig (dpa) - Max Hartungs persönliches Fecht-Waterloo ließ die erfolgsverwöhnten deutschen Säbel-Asse bei der WM in Leipzig abstürzen. "Das war die Hölle für uns", kommentierte Sportdirektor Sven Ressel den Blackout des Einzel-Europameisters.

"Das hat sehr weh getan", meinte Bundestrainer Vilmos Szabo. Hartung selbst konnte sich das Geschehen kaum erklären: "Nicht so richtig. Irgendwie kam und kam der Treffer nicht. Es tut mir leid für meine Teamkameraden."

Viel besser lief es für die Tauberbischofsheimer Florettdamen Carolin Golubytskyi, Eva Hampel, Leonie Ebert und Anne Sauer. "Die Mädels machen das super. Das war beeindruckend", meinte Ressel zum Auftritt des Quartetts. Der EM-Dritte zog mit 45:22 gegen Hongkong und 45:40 gegen den Olympia-Vierten Frankreich in das Halbfinale ein. Dort war Olympiasieger Italien beim 34:45 zu stark. Gegen Russland als Team-Weltmeister von 2016 gab es im Kampf um Bronze ein 29:45.

Im denkwürdigen Achtelfinale gegen Frankreich übernahm Hartung eine 40:27-Führung, bekam dann aber gegen Vincent Anstett einen regelrechten Eisenarm. "Das Ding war meines Erachtens durch. Dann kam das ominöse letzte Gefecht", bemerkte Ressel. Und als es nach Hartungs 4:18-Serie 44:45 stand, fiel der 27-Jährige entnervt auf den Hosenboden.

Er musste von seinen Dormagener Teamkollegen Matyas Szabo, Benedikt Wagner und Richard Hübers hochgezogen und getröstet werden. Fassungslos schlug Hartung die rechte Hand vors Gesicht, schien den Tränen nah. Und Szabo trat im Frust so wuchtig gegen eine Bande, dass sie sich aus ihrer Verankerung löste.

"Das ist brutal für ihn - aber kein Vorwurf an Max", bilanzierte Ressel nach den Trostrundensiegen mit 45:32 gegen Kanada, 45:33 gegen Weißrussland und 45:28 gegen die Ukraine. Das bedeutete für den Weltmeister von 2014 und Europameister von 2015 Platz neun. Ressel: "Max und die Mannschaft stehen wieder auf."

Bundestrainer Szabo hatte das Unnormale kommen sehen. Immer wieder brüllte er Hartung Tipps zu, forderte seinen Besten dazu auf, das drohende Unheil doch bitte noch abzuwenden. Es half alles nichts. "Da kannst du nichts machen. Außer ein Bier zu trinken", sagte Szabo.

Den Blackout Hartungs deutete Szabo so: "Du bist in Panik. Du verlierst den Kopf." Aber auf Hartungs fechterischem Niveau passiere so etwas normalerweise nicht. Der Fechter selbst war von einem extrem überzeugt: "Wenn ich nicht diesen Aussetzer gehabt hätte, hätten wir Frankreich weggeputzt."

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