Kandidatenturnier ab Samstag

Schach-Duell der Großmeister: Berlin sucht den Herausforderer des Weltmeisters

+

Berlin wird von Samstag an für über zwei Wochen zum Mekka des Weltschachs. Gesucht wird der Herausforderer des Weltmeisters Magnus Carlsen aus Norwegen.

Berlin, Berlin, wir denken in Berlin.“ In der deutschen Hauptstadt wird eines der am stärksten besetzten Turniere der jüngeren Schachgeschichte im „Kühlhaus“ stattfinden - einem zur Veranstaltungshalle umgebauten ehemaligen Lebensmittellager im Stadtteil Kreuzberg. 

Acht internationale Großmeister werden sich in 14 Runden duellieren (jeder tritt gegen jeden mit weiß und schwarz an; nach jeweils drei Runden gibt es einen Ruhetag).

Der Sieger dieses Kandidatenturniers darf den Weltmeister, den Norweger Magnus Carlsen, im November herausfordern. Für Berlin haben sich qualifiziert: Sergej Karjakin (Russland/Verlierer des letzten WM-Kampfes), Levon Aronian (Armenien), Ding Liren (China), Schachrijar Mamedjarow (Aserbaidschan), Alexander Grischuk (Russland), Fabiano Caruana, Wesley So (beide USA) und Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik (Russland).

Schach-Weltrangliste

Fünf der Kandidaten gehören zu den Top 10 der Weltrangliste: Mamedjarow (Platz 2), Kramnik (3), So (4), Aronian (5) und Caruana (7). Die anderen drei liegen knapp dahinter: Ding (11), Grischuk (12) und Karjakin (13). Mit Ding Liren ist erstmals in der Geschichte des Schachs ein Chinese Kandidat einer Weltmeisterschaft.

Einen Top-Favoriten gibt es nicht. Einen kleinen Heimvorteil genießt der Armenier Lewon Aronjan, dessen Verwandte in Berlin leben und der hier noch ein Haus besitzen soll. Zudem spielte er einst in der Bundesliga für den Klub Berliner Schachfreunde, wo er auch Freunde fürs Leben fand. Auch Carlsen spielte in jungen Jahren für diesen Klub. Sollte es zum WM-Finale im Herbst zwischen den beiden kommen, wäre es also eine Art Berliner Endspiel.

Aronian gilt im Kandidatenfeld an guten Tagen als der kreativste Spieler, scheitert zuweilen aber an seinen Nerven. Er steht unter großem Erwartungsdruck: In Armenien ist Schach neben Fußball die Volkssportart Nummer eins. Auch dem Russen Kramnik, der den WM-Titel mehrmals verteidigte, wird zugetraut, wieder um den Sieg zu kämpfen.

Schach-Weltmeister Carlsen hat einen Tipp

Carlsen, der sich die Kandidaten aus der Ferne anschauen kann, tippt auf Fabiano Caruana als Herausforderer. Der Italo-Amerikaner hat in den vergangenen Jahren eine atemberaubende Karriere hingelegt, ist durch unermüdliche Arbeit an seinem Eröffnungsrepertoire in die Top-Ten und damit ans große Preisgeld gelangt. Der Preisfonds in Berlin beträgt insgesamt 420.000 Euro, der Sieger erhält 95.000 Euro.

Der Deutsche Schachbund, der seit langem ein Mauerblümchendasein im Schatten anderer Sportverbände fristet, ist stolz, ein derart starkes Turnier unter dem Dach des Weltschachbundes Fide ausrichten zu können. Auch die sehr lebendige Berliner Schachszene (49 Vereine mit etwa 2500 Mitgliedern) spürt prickelnde Vorfreude. Arno Nickel etwa, Berliner Fernschachgroßmeister, prophezeite in einem Interview: „Berlin wird zu einer hippen Schachstadt.“

Das berühmte Cafe Einstein in der Kurfürstenstraße im Stadtteil Schöneberg soll sogar eine Schachecke einrichten. Auch Kaffeehausspieler denken in Berlin.

  • Turnierort: Kühlhaus Berlin, Luckenwalder Str. 3, nähe
S-Bahn Gleisdreieck. Beginn: jeweils 15 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.