WM-Siebenkampf in Peking

Weltmeisterin Sabine Braun: „Schäfer hat Medaillenchancen“

+
Setzt sie heute an zum großen Wurf? Die Nordhessin Carolin Schäfer startet im Siebenkampf.

Kassel. Für Carolin Schäfer geht es an diesem Wochenende um Medaillen. Im Interview spricht die zweifache Weltmeisterin Sabine Braun über die Bad Wildungerin und den WM-Siebenkampf.

Mit der Weltrekordlerin Jackie Joyner-Kersee (USA) lieferte sie sich einst packende Wettkämpfe. Bis heute sind ihre 6985 Punkte deutscher Rekord im Siebenkampf: Im Interview spricht die zweifache Weltmeisterin Sabine Braun, was sie der Bad Wildungerin Carolin Schäfer (23) im WM-Siebenkampf zutraut.

Frau Braun, welche Chancen hat Carolin Schäfer bei der WM? 

Sabine Braun: Ich denke, dass sie durchaus Medaillenchancen hat. Sie steht als Zweite ja sehr gut in der Weltjahresbestenliste da und kann optimistisch in den Wettkampf gehen. Möglich ist alles.

Auch Platz eins? 

Braun: Wenn bei der Weltjahresbesten Brianne Theisen-Eaton mal was nicht so rund läuft, warum soll Carolin dann nicht sogar gewinnen können!?

Was sind ihre Qualitäten? 

Braun: Sie ist eine sehr gute Wettkämpferin. Sie kann sich zu ihren Trainingsleistungen noch deutlich steigern und weiß, wie der Siebenkampf funktioniert: Dass es auch mal nicht so gut laufen kann und man sich trotzdem weiter reinhängen muss. Eine richtige Schwäche hat sie nicht.

Und das, obwohl sie gerade einmal 23 Jahre alt ist. 

Braun: Auch mit 23 kann man in allen Disziplinen gut ausgereift sein, ohne schon seinen Leistungshöhepunkt erreicht zu haben. Wichtig ist, dass man keine großen Schwächen hat. Eine Siebenkämpferin, die den Speer nur 40 Meter wirft, wird in der Weltspitze nicht viel mitreden können. Es sei denn, sie läuft 22 Sekunden über 200 Meter und springt 6,80 Meter weit.

Carolin Schäfer hat in Götzis ihre Bestleistung aufgestellt. Was ist nun in Peking anders? 

Siebenkampf im TV

Heute, ZDF, ab 12.20 Uhr Sonntag, ARD, ab 5.30 Uhr

Braun: Es geht um viel mehr. Eine WM ist der Saisonhöhepunkt. Der Druck ist viel höher. Der Zeitplan erstreckt sich meist von frühmorgens bis spätabends und es gibt lange Phasen, die die Athletinnen überbrücken müssen. Es gibt oft längere Wege vom Einlaufplatz zur Wettkampfstätte, was nicht unbedingt eine optimale Wettkampfvorbereitung ist. Bei Meetings wie in Götzis und Ratingen hingegen wird alles für die Athleten getan, um ihnen optimale Leistungen zu ermöglichen. Vielleicht wird der Weitsprung nochmal verlegt, weil gerade der Wind ungünstig ist. Das ist bei einer WM nicht möglich. Nichtsdestotrotz ist auch dort eine Saisonbestleistung möglich.

Der Siebenkampf erstreckt sich über zwei Tage. Wie halten die Athletinnen die Spannung? 

Braun: Das geht gar nicht. Den ganzen Tag unter Spannung zu sein, würde viel zu viel Energie kosten. Man muss sich zwischen den Disziplinen runterfahren und entspannen, um fokussiert die nächste Disziplin angehen zu können.

Hilft es da, auch miteinander zu sprechen? Mehrkämpfer gelten ja als große Familie. 

Braun: Das ist typabhängig. Ich habe mich eher zurückgezogen, versucht zu schlafen, wenn die Pause lang genug war. Andere sind hibbeliger, können das nicht, suchen Ablenkung.

Welche Punktzahl wird nötig sein, um bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitreden zu können? 

Braun: Ich denke, dass man um 6500 Punkte machen muss. Es gibt einige Athletinnen, die zwischen 6450 und 6550 Punkten auf der Rangliste haben. Und 50 Punkte sind schnell mal gemacht. Deshalb gehe ich davon aus, dass es relativ eng wird. Wenn die Weltjahresbeste keinen allzu schlechten Tag erwischt, dürfte sie vorn sein. Aber auf Silber und Bronze wird es einige Anwärterinnen geben.

Schäfers Bestleistung liegt bei 6547 Punkten - Ihr Deutscher Rekord aus dem Jahr 1992 bei 6985 Punkten. Da könnten Sie ja jetzt noch bei der Medaillenvergabe ein Wort mitreden. 

Braun: Wenn ich die Punktzahl machen würde, würde ich auch gewinnen. Die Mädels sind noch ein wenig davon entfernt. Aber irgendwann kommt auch eine deutsche Athletin, die diese Bestmarke brechen wird. Denn dazu sind Rekorde ja da - um gebrochen zu werden.

Sind Sie überrascht, dass die Marke so lange Bestand hat? 

Braun: Nein. Das ist schon eine ziemlich gute Punktzahl. So knapp an die 7000 sind nicht viele Athletinnen gekommen. Ich hatte mir schon gedacht, dass der Rekord ein paar Jahre halten wird.

Trauen Sie Carolin Schäfer zu, Ihren Rekord zu brechen? 

Braun: Ja, warum nicht?

Welchen Ratschlag geben Sie ihr mit? 

Braun: Sie sollte sich auf die Disziplinen konzentrieren und möglichst locker bleiben, sich in den Pausen entspannen, nicht allzu viel Energie auf äußere Faktoren verschwenden, und versuchen, 100 Prozent zu geben.

Wie wichtig wäre es für den deutschen Mehrkampf, dass eine Athletin aufs Podest käme? 

Braun: Ganz ehrlich: Sehr wichtig. Das, was zählt, sind Medaillen. Gute Endkampfplatzierungen sind natürlich auch schön für den Verband. Aber jeder möchte eine Medaille um den Hals baumeln haben. Das ist nicht nur Motivation für die nächsten Jahre. Es wäre auch Bestätigung für den Trainer, für den Verband, für die Freunde, die die Athletin unterstützen und letztlich für sie selbst. Es wäre eine Belohnung für Quälerei und hartes Training.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.