Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro

Schmiergeldzahlung vor Olympia-Wahl von Rio - IOC ernsthaft besorgt

Paris - Hat Rio de Janeiro die IOC-Wahl zur Ausrichterstadt für die Olympischen Spiele 2016 durch Bestechung gewonnen? Neue Vorwürfe schrecken nun das IOK auf.

Das Internationale Olympische Komitees ist aufgeschreckt und besorgt über „ernsthafte Vorwürfe“ zu einer Manipulation der Wahl von Rio de Janeiro zur Olympia-Stadt von 2016. „Das IOC wird mit der französischen Justiz erneut Kontakt aufnehmen, um Informationen zu erhalten, auf denen ein Artikel von Le Monde basiert“, hieß es in einer IOC-Erklärung am Freitag. Die französische Zeitung „Le Monde“ hatte über eine Schmiergeldzahlung von 1,5 Millionen Dollar (derzeit 1,41 Millionen Euro) berichtet, mit der die Wahl von Rio beeinflusst worden sein soll.

Papa Massata Diack steht im Verdacht, an einer Manipulation der Wahl von Rio de Janeiro zur Olympia-Stadt 2016 beteiligt gewesen zu sein.

Wie das Blatt berichtete, habe ein brasilianischer Geschäftsmann an den Sohn des früheren Leichtathletik-Weltpräsidenten und ehemaligen Mitgliedes des Internationalen Olympischen Komitees, Lamine Diack, diese Summe gezahlt. Die französische Justiz habe Informationen, die die korrekte Vergabe der Olympischen Spiele durch das IOC in Frage stelle. Gegen den Senegalesen Lamine Diack wird in Frankreich wegen Geldwäsche und Korruption ermittelt. Er steht in Paris unter Hausarrest. Sein Sohn Papa Massata, einst Marketing-Konsultant des Weltverbandes IAAF, wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

„Das IOC fühlt sich verpflichtet, die Sache in Kooperation mit den Ermittlern aufzuklären“, hieß es weiter in der Stellungnahme. Diese Zusammenarbeit habe dazu geführt, dass Lamine Diack, der einst zum IOC-Ehrenmitglied ernannt worden war, eben dieser Titel vom IOC im November 2015 aberkannt wurde.

Rio hatte auf der IOC-Session am 9. Oktober 2009 in Kopenhagen als erstes südamerikanisches Land den Zuschlag für die Ausrichtung von Olympischen Spielen erhalten. Mitbewerber waren Madrid, Tokio und Chicago.

Drei Tage vor der Wahl soll laut „Le Monde“ bei einer Firma des Diack-Sohnes eine Zahlung von 1,5 Millionen Dollar eingegangen sein. Auf Anfrage der Zeitung bei Papa Massata antwortete dieser: „Viele Glück mit dem Artikel.“ Der ebenfalls um eine Stellungnahme gebetene Sprecher von Rio 2016, Mario Andrada, erklärte: „Die Wahlen waren sauber. Rio hat mit 66:32 Stimmen gewonnen. Es war ein klarer Sieg.“

Auch IOC-Mitglied Frankie Fredericks könnte involviert sein

Auch zu Mutmaßungen, dass IOC-Mitglied Frankie Fredericks in die Rio-Affäre involviert sein könnte, nahm das IOC Stellung. „Was Mr. Fredericks betrifft: Er hat das IOC über die Anschuldigung informiert, die Sache erklärt und seine Unschuld beteuert - unmittelbar nach der Kontaktaufnahme durch den Journalisten“, erklärt das IOC. Fredericks habe zudem selbst die IOC-Ethikkommission angerufen, den Anschuldigungen gegen ihn nachzugehen und den Fall vollständig aufzuklären.

„Le Monde“ berichtete auf Grundlage von Dokumenten der amerikanischen Steuerbehörde, dass Papa Massata Diack am 2. Oktober 2009 den Betrag von 299 300 Dollar an eine auf den Seychellen ansässige Offshore-Firma überwiesen habe. Dabei soll eine Verbindung zu Fredericks entdeckt worden sein. Der frühere Sprinter aus Namibia war Wahlprüfer bei der IOC-Session in Kopenhagen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.