Schnellcheck: Bayern nach Aufholjagd im Viertelfinale der Königsklasse

Die entscheidende Szene, die dem Spiel die Wendung gab: Thomas Müller (Mitte, in Rot) kann zum Kopfball ansetzen. Turins Torwart Gianluigi Buffon kommt zu spät. Foto: dpa

Kassel. Sie waren fast schon ausgeschieden und haben sich noch zurückgekämpft: Der FC Bayern steht zum fünften Mal in Folge im Viertelfinale der Champions League. Die Münchner drehten ein 0:2 in der heimischen Allianz-Arena gegen Juventus Turin und siegten am Ende 4:2 nach Verlängerung. Doch bitte, was war das für ein Spiel. Unser Schnellcheck.

Gab’s Bayern-Dominanz oder Drama?

Nun sage noch mal einer, der FC Bayern könnte kein Drama. Der ist seit gestern Abend eines Besseren belehrt. Denn dominierten die Münchner Juventus im Hinspiel fast eine Stunde lang nach Belieben, machten sie es diesmal extrem spannend. Hätte Schiedsrichter Jonas Erikson nur sechs Sekunden nachspielen lassen, die Münchner wären ausgeschieden gewesen. Doch weil die Nachspielzeit ganze drei Minuten dauerte und weil die Münchner ja Thomas Müller haben, schieden sie dann doch nicht aus, sondern erzwangen die Verlängerung. Das ging so: Kingsley Coman flankt auf Müller. Der steigt hoch. Köpft. 2:2 (90. +1).

Ging noch mehr Drama?

Aber hallo. Es geht ja schließlich in die Verlängerung. Und endlich, endlich legen die Bayern vor. Diesmal per Fuß. Erst spielt der eingewechselte Thiago Doppelpass mit Müller im Juve-Strafraum und trifft zum 3:2 . Da läuft die 108. Minute. Dann kommt die 110.: Coman versenkt den Ball von halbrechts. 4:2. Endlich aufatmen. Achtelfinal-Aus abgewendet. Aufholjagd gekrönt.

Doch warum gab’s das Drama überhaupt?

Weil es nämlich so losging: Schon nach sechs Minuten passierte das, was die Bayern so tunlichst hatten vermeiden wollen. Sie gerieten in Rückstand. Erst blieb David Alaba viel zu passiv, dann verpasste Manuel Neuer den Ball. Nutznießer: Paul Pogba, der zum 1:0 traf. Doch es kam noch schlimmer. Weil Außenverteidiger Alaba auch mal in der Sturmspitze auftauchte, fehlte er hinten. Wie in der 28. Minute, als die Münchner den Ball am Strafraum der Turnier verloren. Alvaro Morata legt einen beeindruckenden 50-Meter-Sprint übers halbe Spielfeld hin, ohne dass ihn auch nur ein Bayern-Spieler ansatzweise aufhielt. Die Einzelleistung krönte Juan Cuadrado, der erst Lahm aussteigen ließ, dann den Abschluss im kurzen Winkel suchte. 0:2.

Und wie reagierten die Bayern?

Zunächst kaum. Ihnen fehlten Spritzigkeit, Schnelligkeit, schlicht die Ideen. Sinnbildlich: Erst in der 42. Minute hatten die Münchner ihre erste richtige Torchance - und selbst da war ein wenig der Zufall mit im Spiel. Erst verpasste Thomas Müller, dann wurde Robert Lewandowski angeschossen. Doch der Abpraller ging knapp am Pfosten vorbei. Doch weil Lewandowski besser ist, wenn er den Ball richtig kontrolliert, machte er es später besser: Costa flankt. Lewandowski steigt hoch. Köpft. 1:2 (73.). Und siehe da: Plötzlich sind die Bayern wieder die alten Bayern. Wach, schnell, druckvoll.

Hatte es Überraschungen gegeben?

Ja. Franck Ribéry begann für Arjen Robben. Erst hieß es, der Niederländer habe eine Erkältung. Dann klärte Sportvorstand Matthias Sammer auf: Adduktorenprobleme. Pause, auch in der Bundesliga. Gut möglich, dass Robben mit Sprints und Emotionen das Bayern-Spiel viel früher belebt und die Partie weniger dramatisch verlaufen wäre.

Was war das TV-Thema des Abends?

An der ZDF-Übertragung gab es nichts zu rütteln . Oliver Schmidt kommentierte gewohnt angenehm. Die Fernsehmeldung des Tages aber hatte sich vorher verbreitet: Franz Beckenbauer (70) sagt Servus. Nicht als Ehrenpräsident bei seinen Bayern, sondern als TV-Experte beim Bezahlsender Sky. Nach 25 Jahren. Auf eigenen Wunsch. Nun: Zumindest durfte er noch einmal einen packenden Auftritt der Bayern analysieren.

Von Michaela Streuff

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