Selbst Liegestütze machen Spaß

Training für Flüchtlinge beim KSV ist willkommene Abwechslung

Verständigung mit Zeichensprache: Trainer Karl-Heinz „Ede“ Wolf gibt den Flüchtlingen Anweisungen. Foto:  Hedler

Kassel. Seit Ende August bietet der KSV Hessen Training für jugendliche Flüchtlinge an. Er kommt damit einer Anfrage der Stadt Kassel nach. Und das Angebot wird immer beliebter.

Kaum zu glauben, dass Liegestütze so viel Spaß machen können. Doch immer wieder drücken 24 Fußballer die Arme durch und den Körper nach oben. Gelächter und gegenseitige Anfeuerung kommen auf.

Offensichtlich ist die Freude, mit der sich die Flüchtlinge auf dem Kunstrasenplatz an den Giesewiesen in die von Trainer Karl-Heinz Wolf angesagten Kraft- und Konditionsübungen stürzen. Auch wenn sie viel lieber mit dem Ball arbeiten würden. Was sie im folgenden Spiel aber ausgiebig tun können.

Seit Ende August bietet der KSV Hessen Training für jugendliche Flüchtlinge an. Er kommt damit einer Anfrage der Stadt Kassel nach. „Diese galt es umzusetzen. Wir sehen das als gesellschaftliche Aufgabe, die wir auch stellvertretend für andere Klubs, die das ebenfalls gern machen würden, erfüllen“, erläutert Wolf.

Der große Zuspruch gibt den Initiatoren recht. Waren es anfangs sechs Fußballer, die kamen, so tummelten sich gestern zwei Dutzend Kicker auf dem Feld. Womit der KSV an Grenzen stößt. „Es wird eng auf dem Platz. Und wir können nicht täglich Training anbieten“, sagt Wolf.

Seine Trainerlaufbahn hatte der 64-Jährige im Sommer beendet. Dass er als Leiter des Nachwuchsbereiches der Löwen doch wieder ein bisschen als Trainer tätig ist, mag er nicht überbewerten. „Es geht hier um Anderes. Ich sehe mich als Mittler zwischen Sport und gesellschaftlicher Anforderung“, betont er.

„Chef sagt kommen.“

Aus Äthiopien: Der 19-jährige Ibrahim Roba.

Mit ein wenig Englisch und ein wenig Zeichensprache klappt die Verständigung. Mehr braucht es anscheinend nicht, um auf dem Platz zu kommunizieren. „Mein Leben ist Fußball“, erklärt der 15-Jährige, aus Afghanistan stammende Hadi Jafari in korrektem Deutsch. Holpriger antwortet Ibrahim Roba, 19, aus Äthiopien, auf die Frage, wie er vom Training erfahren habe. „Chef sagt kommen“, berichtet er von der Info, die er und auch Jafari in der Unterkunft in Niederzwehren erhielten. Nur zu gern nahmen sie das Angebot an. „It’s very nice here, fantastic“, sagt Roba weiter. Seit drei Monaten sind beide in Deutschland, und die Gelegenheit zum Kicken kommt ihnen angesichts der sonstigen Eintönigkeit im Wohnheim wie gerufen. „Deutschkurs, Fußball“, fasst Jafari die wenigen Aktivitäten zusammen.

Ein paar Probleme bereitet nur die Ausrüstung. Fast alles, was die Spieler tragen, stammt aus der vom KSV angestoßenen Sammelaktion. Was fehlt, sind die passenden Schuhe für den nassen Kunstrasen. Doch auch wenn oft der Stand fehlt und eine Rutschpartie folgt, lassen sich die Jungs nicht verdrießen. Sie wollen doch nur spielen, und das tun sie diszipliniert, begeistert und engagiert.

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