Handball-WM 2017

Sieg gegen Chile: So sorgte Gensheimer für „Gänsehaut“

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Handball WM · Chile - Deutschland

Rouen - Uwe Gensheimers Schicksal berührt die Handball-Welt: Die Mitspieler verneigten sich vor ihrem Kapitän, der trotz des plötzlichen Todes seines Vaters zum WM-Auftakt groß auftrumpfte.

Uwe Gensheimers Schicksal berührt die Handball-Welt: Die Mitspieler verneigten sich vor ihrem Kapitän, der trotz des plötzlichen Todes seines Vaters zum WM-Auftakt groß auftrumpfte.

Er hätte sich gebührend feiern lassen können, doch Uwe Gensheimer bevorzugte nach seiner Auftakt-Gala die Stille. Während seine Teamkollegen bestens gelaunt über die nächsten WM-Aufgaben parlierten, suchte der Kapitän am Wochenende immer wieder die Abgeschiedenheit seines Hotelzimmers.

Der plötzliche Tod seines Vaters, die Last-Minute-Anreise nach Rouen, dann der imponierende 13-Tore-Auftritt gegen Ungarn: Nach emotionalen Tagen brauchte Gensheimer Zeit für sich. "Er hat eine unheimlich schwere Woche hinter sich und hat das überragend gemacht", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson dem SID und zollte seinem Leader höchsten Respekt: "Einfach ohne Worte, wie er das schafft."

Team verneigt sich vor Gensheimer

Und auch die Mannschaft verneigte sich vor ihrem Kapitän. "Wahnsinn, dass er imstande war, so eine Leistung abzurufen", sagte Julius Kühn. Der Rückraumspieler hatte "auf dem Spielfeld eine Gänsehaut verspürt", als Gensheimer das deutsche Team wenige Tage nach dem persönlichen Schicksalsschlag zum 27:23-Auftaktsieg gegen Ungarn führte. "Solche Geschichten schreibt nur der Sport", sagte Kühn. Steffen Fäth gab zu, "auch sehr mitgenommen" zu sein. "Viele Spieler wären nicht einmal zu so einem Turnier angereist. Dass er das so gemacht hat, ist einfach überragend, Weltklasse", sagte der Spielmacher.

In der wahrscheinlich schwersten Partie seines Lebens hatte Gensheimer am Freitagabend eines seiner besten Länderspiele gezeigt. Keine 24 Stunden vor dem Anpfiff angereist, bewies der Star von Paris St. Germain bei acht verwandelten Siebenmetern Nervenstärke und traf immer dann, wenn es eng zu werden drohte. Die Gedanken an seine Familie, bei der er die letzten Tage vor dem Turnier verbracht hatte, schienen ihn zu beflügeln.

Kapitän wurde weitgehend geschont

Beim lockeren 34:14-Kantersieg am Sonntag gegen Chile wurde Gensheimer weitgehend geschont und kam nur für vier Siebenmeter aufs Spielfeld. Die verwandelte der 30-Jährige gewohnt sicher und schraubte seine Wurfquote bei der WM damit auf sagenhafte 17 Treffer bei 19 Versuchen.

Noch vor dem Auftaktspiel hatte Gensheimer die Mannschaft um sich geschart und eine emotionale Rede gehalten. "Er hat gefordert, dass man ganz normal mit ihm umgeht. Und das haben wir auch gemacht", sagte Kühn. Keeper Andreas Wolf sprach von einer "großartigen Ansage", die Gensheimers "Charakter unterstreicht".

Gensheimer steht in diesen Tagen vor einem schwierigen Spagat. Mit seinen Gedanken bei seinen engsten Vertrauten und dem am vergangenen Wochenende unerwartet verstorbenen Vater, soll er das deutsche Team in Frankreich zum Erfolg führen. Und als wenn diese sportliche Mission nicht schon schwierig genug wäre, wird er in den kommenden Tagen zur Beerdigung noch einmal nach Deutschland fahren.

Wird es Gensheimers Turnier?

Trotz der schwierigen Ausgangssituation könnte die WM in Frankreich das Turnier des Uwe Gensheimer werden. Beim EM-Triumph von Polen wegen einer Fußverletzung nicht dabei, brennt der "Mann mit dem Gummiarm", wie Gensheimer aufgrund seines schier unerschöpflichen Wurf-Repertoires genannt wird, auf die Spiele an der Seine. Der WM-Titel in seiner Wahlheimat Paris - mehr Motivation geht nicht.

"Das Größte wäre natürlich, den Titel zu holen und an die Erfolge anzuknüpfen, die wir 2016 hatten", sagte der Kapitän der deutschen Handballer Anfang des Jahres im SID-Interview. Dann starb sein Vater. Doch der Gedanke an einen möglichen Triumph am 29. Januar treibt Gensheimer an. Trotz des Trauerfalls entschied er sich bewusst für die Teilnahme an der WM: "Das hätte mein Vater so gewollt."

SID

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