Weltcup-Skispringen in Willingen

Weltcup-Skispringen in Willingen: Bundestrainer Horngacher im Interview über deutsche Chancen

Der neue Abwinker im DSV-Team: Stefan Horngacher übernahm im April 2019 die deutsche Mannschaft von Werner Schuster. Das polnische Team, das er zuvor betreute, holte unter ihm zwei WM-Titel und einen Olympiasieg. 
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Der neue Abwinker im DSV-Team: Stefan Horngacher übernahm im April 2019 die deutsche Mannschaft von Werner Schuster. Das polnische Team, das er zuvor betreute, holte unter ihm zwei WM-Titel und einen Olympiasieg. 

Das Weltcup-Skispringen startet in Willingen. Wir haben vorab mit dem neuen Bundestrainer gesprochen. Die Freude auf den Heim-Weltcup in Willingen ist groß.

  • In Willingen im Kreis Waldeck-Frankenberg (Nordhessen) startet der Weltcup im Skispringen.
  • Der neue Bundestrainer Stefan Horngacher hat ein komplett neues Trainer- und Betreuerteam um sich.
  • Er hat mit Stefan Leyhe bereits im Nachwuchsbereich gearbeitet und will ihn an der Weltspitze etablieren. 

Frühere arbeitete er unter Werner Schuster, seit April 2019 hat er dessen Stelle inne: Stefan Horngacher. Der neue Bundestrainer hat mit einigen deutschen Skispringern wie Stephan Leyhe bereits im Nachwuchsbereich gearbeitet. 

Willingen: Weltcup-Skispringen auf der Mühlenkopfschanze ist Tradition

Nun ist der Österreicher, der ein komplett neues Trainer- und Betreuerteam um sich hat, dabei, sie in der Weltspitze zu etablieren. Da ist die Freude auf den Heim-Weltcup in Willingen groß. 

„Das Springen dort hat Tradition, ist auch von der Organisation, vom Fanatismus der Menschen her ein Highlight“, sagt Horngacher im Interview.

Herr Horngacher, welcher Typ „neuer Besen“ sind Sie: Der, der alles, was vorher war, beiseite kehrt?

In den drei Jahren, in denen ich weg war, haben sich die Springer schon weiterentwickelt. Ich habe also schon erst einmal in alle reinhören müssen und alle Daten aufnehmen müssen: Wie läuft es im normalen Leben? Bei welcher Behörde sind die? Wie und wo trainieren die? 

Es braucht etwas Zeit, um den Athleten zu lesen und ihm dann das Richtige mit auf den Weg zu geben. Unsere Vorbereitung war etwas zu kurz. Aber wir haben aufgeholt, sind auf dem richtigen Weg.

Weltcup-Skispringen in Willingen: Skisprungnationen unterscheiden sich

Als Österreicher mit Trainerstationen in Polen und Deutschland kennen Sie drei führende Skisprungnationen. Sind Rahmenbedingungen, Trainingsarbeit und Stellenwert des Sports in allen drei Ländern gleich groß?

Es gibt länderübergreifende Unterschiede – etwa in der Mentalität und der Struktur des Skiverbandes. Zum Beispiel gibt es in Polen keine berufliche Absicherung für die Athleten. 

In Deutschland gibt es die Behördenplätze für die Athleten, also bei Polizei, Bundeswehr oder Zoll. In Polen gibt es so etwas gar nicht. Da lebt jeder Springer auch finanziell nur von der Leistung, die er auf der Schanze bringt. 

Das sorgt für sehr großen Ansporn, aber ist ein großer Nachteil für den Nachwuchs und für die Springer, bei denen es nicht so läuft.

Die deutsche Mannschaft muss ohne Andreas Wellinger und Severin Freund auskommen. Fehlt ihr ein Führungsspringer?

Mein Ziel ist es immer, ein Team aufzubauen, dass insgesamt ein hohes Niveau hat. Und daraus kommt einer, der Topleistungen bringt. Da brauche ich keinen, der vorne weggeht, sondern eine geschlossene, sehr starke Teamleistung als Basis.

Skispringen in Willingen: Deutschland hat extrem aufgeholt

Diesbezüglich sieht es ja gut aus. In Zakopane hat Deutschland das Teamspringen gewonnen. Haben wir derzeit die beste Mannschaft im Weltcup?

Wir haben extrem aufgeholt und Zakopane hat gezeigt, was wir leisten können. Aber da geht noch einiges, wenn das Team komplett ist.

Ist Stephan Leyhe jemand, dem sie eine Führungsrolle zutrauen. Hat er das Zeug, um beständig der stärkste deutsche Springer zu sein?

Stephan ist auf dem besten Weg dahin. Er hat bei den letzten drei Weltcupstationen sehr, sehr gute Ergebnisse gebracht. Leider ist ihm ein Weltcupsieg verwehrt geblieben, daran muss er noch arbeiten. 

Da fehlt noch ein bisserl was an Selbstverständnis, das dann durchzuziehen. Ich denke, es wird nicht mehr lange dauern, dann wird der Stephan ganz oben stehen.

Muss er dafür mental noch zulegen?

Das Gewinnen zu lernen, ist auch ein Schritt, den man einmal gehen muss. Man gewinnt nicht einfach so. Wenn man es gelernt hat, ist es leichter, es öfter zu schaffen. Meist ist der Schritt-für-Schritt-Weg der bessere. Und den macht Stephan gut.

Weltcup-Skispringen in Willingen: "Stephan hat mittlerweile sehr viel Erfahrung gesammelt"

Aber jetzt kommt das Heimspringen in Willingen, da hat es bisher nicht gut geklappt. Können Sie als Trainer steuern, dass sich Stephan nicht zu sehr von all dem beeinflussen lässt, was in Willingen auf ihn einprasselt?

Das ist schon schwierig für ihn, das verstehe ich. Man kann mit Gesprächen auf den Athleten einwirken. Wir werden mit ihm so normal weiterarbeiten wie bisher und versuchen, möglichst viel von ihm fernzuhalten in Willingen. 

Aber letztlich sitzt er alleine oben. Ich glaube aber, Stephan hat mittlerweile sehr viel Erfahrung gesammelt, und er performt sehr gut. Ich sehe nicht das Problem, dass ihn der Trubel aus seiner guten Form bringt.

Bisher war fast immer irgendeiner einen Tick besser als der Beste Ihres Teams. Fürs Wochenende versprechen Sie uns aber einen Heimsieg oder?

Wenn das so leicht wäre, würde ich es machen. Aber das Niveau ganz vorn ist momentan extrem hoch. Das sieht man zum Beispiel an Kamil Stoch, der lange hat kämpfen müssen, bis er mal gewinnt. Dann gibt es einen Stefan Kraft, einen Kobayashi, einen Kubacki und noch ein paar Norweger. Es wird brutal schwer werden, zu gewinnen.

25 Jahre gibt es nun Weltcups im Upland. Ein gewisser Stefan Horngacher hat einen Teamsieg mit Österreich 2003 in der Statistik stehen. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Wettkampf in Willingen?

Ich habe positive Erinnerungen, auch wenn ich nie sehr gut war. Ich war einmal Dritter nach dem ersten Durchgang, aber habe dann in der Windlotterie verloren. Die Schanze ist cool zum Springen, und bei dem ganzen Umfeld fühlt man sich wohl.

Skispringen in Willingen: Bundestrainer Stefan Horngacher - Zur Person

Stefan Horngacher (50) wurde im österreichischen Wörgl geboren und lebt heute in Titisee-Neustadt. Er arbeitete ab 2006 als Nachwuchstrainer in Österreich, als B-Kader-Trainer und Co-Trainer von Werner Schuster in Deutschland. 2016 wurde er polnischer Nationalcoach. 

Als aktiver Springer hat der zweifache Vater zwei Siege im Weltcup-Skispringen (1988 - 2002), zwei olympische Bronzemedaillen (Team) und zwei WM-Titel im Team geholt.

Vor dem Weltcup-Skispringen in Willingen: Exklusiv-Interview mit Karl Geiger

Die Qualifikation für das Weltcup-Skispringen in Willingen wurde vorverlegt. Das sind die neuen Zeiten für das Springen auf der Mühlenkopfschanze am Freitag.

Vor dem Weltcup-Skispringen in Willingen hat die HNA exklusiv mit Karl Geiger gesprochen. Im Interview erzählt der deutsche Skispringer, was ihm Gänsehaut bereitet.

Video zum Skispringen in Willingen: Melsunger bauen Schanze nach

Maria und Ursula Vockeroth aus Melsungen haben die Mühlenkopfschanze aus Willingen nachgebaut - mit Pappmaché und Playmobil.

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