Interview über seine Ziele für Willingen und Sotschi

Skispringer Marinus Kraus: „Ich bin etwas tollpatschig“

Vom Nordischen Kombinierer zum Skispringer: Marinus Kraus. Foto: Schachtschneider

Willingen. Er war zu Beginn der Wintersaison die Überraschung im deutschen Team: Marinus Kraus. Er überzeugte direkt mit den Plätzen acht und zwei im Weltcup. „Ich bin meinen Weg gegangen und habe jahrelang hart gearbeitet. Ich hoffe, dass die Erfolge bleiben“, sagt der 22-Jährige:

Im Interview spricht er über Tollpatschigkeit und seine Ziele für Willingen und Sotschi.

Herr Kraus, Werner Schuster hat über Sie gesagt: „Der fürchtet weder Tod noch Teufel“. Sind Sie ein Draufgänger?

Marinus Kraus: Abseits der Schanze bin ich eher bodenständig. Aber sobald ich auf der Schanze bin, kenne ich keine Angst. Mir ist ziemlich egal, wie der Wind kommt oder welche Schanze ich herunterspringe. Ich habe da Vertrauen in mich und meine Trainer und dann wird angegriffen, egal wie die äußeren Bedingungen sind.

Aber Sie sollen vergesslich sein, haben Sie zumindest selbst behauptet ...

Kraus: Ich beschreibe das mal so: Ich bin ein sehr nachdenklicher Sportler, vergesse allerdings manchmal meinen Kopf. Ich bin manchmal beinahe etwas tollpatschig.

Hand aufs Herz: Was haben Sie für Willingen vergessen einzupacken?

Kraus: Meine Schuhtasche, aber nur die Tasche, nicht das, was rein gehört. Das macht aber nichts, man kann ja auch nicht immer an alles denken. Meine Schuhe habe ich dabei.

2009 waren Sie noch Nordischer Kombinierer, dann haben Sie sich nur noch auf das Springen konzentriert. Eine gute Entscheidung, oder?

Kraus: Ich war schon immer ein besserer Springer als Läufer, und mir hat das Springen auch immer mehr Spaß gemacht. Deswegen war die Entscheidung gut. Ich hoffe, dass es so gut weitergeht wie bisher.

Waren Sie etwa zu faul zum Laufen?

Kraus: Nein, gar nicht. Auch das Laufen hat mir gefallen, und ich war auch engagiert im Training, aber im Springen war ich eben stärker.

Und jetzt gelten Sie als Deutschlands neue Skisprunghoffnung. Würden Sie das so unterschreiben?

Kraus: Es ist zumindest schön, das zu hören. Ich bin meinen Weg gegangen, habe jahrelang hart gearbeitet und ich hoffe, dass die Erfolge bleiben. Dann würde ich die Aussage unterschreiben.

Übt das Druck auf Sie aus?

Kraus: Nein. Ich bin bisher die ganze Saison im Weltcup dabei und habe noch keinen Druck verspürt. Ich denke immer, dass man sich den Druck nur selbst macht, das mache ich nicht.

Derzeit liegen Sie auf dem zwölften Platz der Weltcup-Gesamtwertung. Wo werden Sie am Ende der Saison stehen?

Kraus: Ich traue mir viel zu. Ich weiß, dass ich sehr gute Sprünge machen kann. Das habe ich auch schon öfters gezeigt. Ich hoffe, dass es noch ein paar Plätze nach vorne geht, dann wäre ich zufrieden.

Also wollen Sie schon unter die Top Ten?

Kraus: Das wäre der Optimalfall. Wenn es nicht klappt, bin ich trotzdem zufrieden. Dann gehöre ich immer noch zu den besten 15 der Welt.

An diesem Wochenende geben Sie Ihr Debüt in Willingen. Schon aufgeregt?

Kraus: Ein bisschen auf jeden Fall. Ich bin aber vor jedem Wettkampf etwas aufgeregt, das gehört, glaube ich, dazu. Aber natürlich überwiegt in Willingen die Freude. Meine Teamkollegen haben schon berichtet, dass die Schanze schön ist und die Leute der Wahnsinn sein sollen, also super Stimmung machen und mit einer Begeisterung dahinter stehen, die einen riesen Spaß macht.

Beim letzten Weltcup sind Sie auf Rang vier gesprungen. Was können wir in Willingen von Ihnen erwarten?

Kraus: Für jeden Wettkampf muss man voll konzentriert sein und die Sachen beieinander haben, um Topsprünge zu zeigen. Vor Willingen waren wir drei Tage in Oberstdorf, und ich gehe mit einem sehr guten Gefühl in den letzten Wettkampf vor Sotschi.

Sotschi sind Ihre ersten Olympischen Spiele. Kribbelt’s schon?

Kraus: Das ist noch zu weit weg. Ich habe das auch noch gar nicht richtig realisiert. Das kommt dann, wenn ich die Einkleidung anhabe und wir von Frankfurt nach Sotschi fliegen. Spätestens dann kribbelt’s extrem.

Bisher haben Sie auf Ihrem Konto noch keinen Weltcup-Sieg verbuchen können. Heben Sie sich den für Willingen oder Sotschi auf?

Kraus: Mir wäre beides Recht. Ich versuche mein Bestes, und wenn ich meine besten Sprünge zeige, dann kann ich auch insgesamt der Beste sein.

Von Friederike Göbel

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