Derzeit weltbestes Team

Der Star-Trainer: Stefan Horngacher macht die Polen immer besser

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Er trainiert jetzt die Polen: Stefan Horngacher.

Willingen. Er ist kein Pole, wohnt nicht in Polen, spricht kaum polnisch, findet Dolmetscher unnötig, aber Polens Skispringer hat Trainer Stefan Horngacher (47) innerhalb von nur acht Monaten zum derzeit weltbesten Team geformt.

Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch gewinnt jetzt wieder in Serie, weil der neue Übungsleiter ihm geholfen hat, „seinen großen Ehrgeiz besser zu kanalisieren“. Auch Maciej Kot und Piotr Zyla sind Topten-Athleten. So gehören die Polen beim heutigen Teamwettbewerb auch zu den Favoriten in Willingen. 

„Dass wir schon heuer so erfolgreich sind, war nicht geplant, da ist irgendwas aus dem Ruder gelaufen“, sagt der in Deutschland wohnende Österreicher mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen. Ein typischer Humor für jemanden, der die Ruhe selbst ausstrahlt, aber recht wortkarg wirkt. Trocken, aber freundlich.

Für Horngacher kam dieser Erfolg aber nicht überraschend. „Wir sind mit klaren Konzepten nach Polen gegangen und haben sie auch kompromisslos durchgezogen.“ Diese stehen auf drei Säulen: der physiologische Weg, genaue Vorstellungen wie im Kraft- und Schnellkraftbereich trainiert wird, eine klare Ansage zum Material und ein genaues Bild von der Technik auf der Schanze.

Stefan Horngacher hat seine Arbeitsweise in Stein gemeißelt. „Man darf nicht von seinem Weg abgehen, gerade wenn es mal nicht so gut läuft, muss man konsequent an seinen Konzepten festhalten“, sagt er.

Der Coach gibt aber auch zu, dass dieser schnelle Erfolg auch an seine Zeit als polnischer Nachwuchscoach (2002-2004) gekoppelt ist. Damals hat er schon den kleinen Stoch und Zyla betreut. „Wir mussten uns nicht lange beschnuppern, hatten immer guten Kontakt.“

Doch er sieht noch einen weiteren Grund, warum es derzeit so gut läuft: die Mentalität des polnischen Skispringers. Er bringe möglicherweise über die Eltern eine andere Sozialisation mit, als der österreichische oder deutsche Skispringer. „Die Polen denken wirklich nicht viel über das nach, was man ihnen sagt, sondern sie machen es einfach. Österreichische und deutsche Athleten bauen sich selbst mehr dazu.“

Diese Stillhaltemethode vereinfache natürlich seine Arbeit, gesteht der Österreicher. Die wird allerdings durch einen anderen Aspekt erschwert, denn für die Polen hat Skispringen einen Stellenwert wie die Fußball-Bundesliga für die Deutschen. „Die Leute sind dort sehr fanatisch. Wer in Polen das Fernsehen oder Radio einschaltet, der sieht und hört Skispringen.“ Auch die Zeitungen seien voll davon.

Woher diese Liebe zu den fliegenden Männern rührt, weiß der Coach nicht. Er vermutet aber, dass vor allem Adam Malysz diesen Hype ausgelöst hat. Der Olympiasieger hat diese Sportart in Polen groß werden lassen. Malysz ist mittlerweile Sportdirektor und „er hilft uns, wo er nur kann“.

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