Vor 40 Jahren wurde „Gold-Rosi“ zum Star, vor 80 Jahren begann Olympia-Märchen

Rückblick in sportliche Geschichtsbuch: "Gold-Rosi" und Winterspiele

+
Ein Duo, das Sportgeschichte schrieb: Vor 40 Jahren gewann Rosi Mittermaier  Olympia-Gold in der Abfahrt von Innsbruck. Vor 80 Jahren war Eiskunstläuferin Sonja Henie (Foto im Artikel) aus Norwegen der Star der Winterspiele von Garmisch-Partenkirchen.

Kassel. 2016 – 1976 – 1936 – drei Jahreszahlen, acht Jahrzehnte und viele olympische Erinnerungen für Sport-Fans. 40 Jahre ist es her, dass Rosi Mittermaier am 8. Februar ’76 in Innsbruck Gold in der Abfahrt holte, 80 Jahre sind vergangen seit der Eröffnung der einzigen Olympischen Winterspiele in Deutschland am 7. Februar ’36 in Garmisch-Partenkirchen. Rückblicke ins Geschichtsbuch:

VOR 40 JAHREN

Als aus Rosa Katharina Mittermaier von der Winklmoosalm über Reit im Winkl auf der Abfahrtspiste Hoadl die „Gold-Rosi“ wurde, wurde aus der 26 Jahre alten Hotelfachfrau ein Star. Als dann erst Gold im Slalom und später später Silber im Riesenslalom hinzukamen, hatte das Land ein neues Idol.

„Dass daraus solch ein Hype entsteht ...“ Nein, das hatte sie nicht erwartet. Im Januar ist die Rosi, inzwischen 65, zum dritten Mal erstwieder dort gewesen. Vor 20 Jahren war sie Ski fahren da, 2010, an ihrem 60. Geburtstag mit Cathy Kreiner (Kanada), die ihr im Riesenslalom einst das dritte Gold weggeschnappt hatte. „Im Sommer war’s“, so Mittermaier, „da haben Kühe die Piste abgegrast.“

Bescheiden ist sie geblieben bis heute. In Talkshows gern gesehen, weil authentisch und gerade heraus. Natürlich und Teil einer Vorzeigeehe mit Christian Neureuther. Allüren? Nie. Kult? Für die Fans. „Die Leut erwähnen einen halt. Oder erzählen, wo sie waren, als es passiert ist“, sagt sie. Dass sie auf ewig die „Gold-Rosi“ bleiben wird, „das stört mich nicht. Pech-Marie wäre schlechter.“ Weil sie aber die Glückliche war, flatterten daheim 40 000 Briefe ins Haus. „Drumherum ist kein Gras mehr gewachsen, so sind die Leut’ da rumgetrampelt.“

VOR 80 JAHREN

1931 bekam Deutschland den Zuschlag für die Winterspiele 1936 – gegen Montreal und St. Moritz. Prompt vereinten die Nazis zwei Nachbarorte zur Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen – eine umstrittene Maßname. Gauleiter Adolf Wagner drohte Bürgermeistern und Ratsvertretern, die nicht mitziehen wollten, kurzerhand mit der Einweisung ins Konzentrationslager Dachau.

Wenige Tage vor der Eröffnung war alles braun und grün im Werdenfelser Land nach tagelangem Dauerregen. Ein Fiasko drohte. Doch als es gerade noch rechtzeitig zu Schneien begann, wurden die Spiele zum Wintermärchen, das auch propagandistisch Maßstäbe setzte.

Mehr als eine halbe Million Zuschauer kamen, ein 1964 in Innsbruck erst geknackter Rekord. 150 000 erlebten das Skispringen, 70 000 den Herrenslalom beim Olympiadebüt der Alpinen. Christl Cranz (21) büßte in der Abfahrt bei einem Sturz 19 Sekunden auf Laila Schou Nilsen (Norwegen) ein, machte das im Slalom aber wett.

Deutschlands erstes Eiskunstlauf-Traumpaar Ernst Baier (30) und Maxi Herber (15) holte Gold. Heiraten durften sie erst sechs Jahre später, als Maxi volljährig wurde. Sonja Henie (24), das gefeierte „Häseken“ aus Norwegen, verabschiedete sich nach dem dritten Gold in Serie zur Eisrevue und nach Hollywood. Dass sie nach den Spielen auf dem Obersalzberg mit Hitler einen Kaffee trank und sein handsigniertes Porträt mit nach Norwegen nahm, hat sie bis zu ihrem Tod 1969 stets verschwiegen. (sam/sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.