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Tennis-Trainerikone Nick Bollettieri gestorben - Er machte aus Talenten echte Stars

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Von: Björn Mahr

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Training in der Akademie in Bradenton/Florida: Nick Bollettieri (rechts) mit dem deutschen Tennisspieler Tommy Haas.
Training in der Akademie in Bradenton/Florida: Nick Bollettieri (rechts) mit dem deutschen Tennisspieler Tommy Haas. © Imago Images/Thomas Exler

Die Tennis-Trainerikone Nick Bollettieri ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Auch aus der Region arbeitete ein Spieler intensiv unter dem Coach.

Kassel - Sein Name ist untrennbar mit großen Tennis-Karrieren verbunden. Der US-Amerikaner Nick Bollettieri machte als Trainer und Inhaber der gleichnamigen Tennis-Akademie in Bradenton/Florida aus unzähligen Talenten absolute Tennisstars. Die Ex-Profis Boris Becker und Tommy Haas sind die bekanntesten deutschen Spielern, die auf ihren Wegen von Bollettieri begleitet wurden. Am Sonntag starb die Trainerikone im Alter von 91 Jahren.

Vom Wissen Bollettieris haben viele Tennisspieler profitiert. Monica Seles und Andre Agassi wurden unter seiner Führung zu Weltklassespielern. Auch der frühere Weltranglistenerste Jim Courier, die Williams-Schwestern Venus und Serena sowie die Russin Maria Sharapowa arbeiteten mit ihm. Teilweise waren die Grand-Slam-Turnierfelder zu einem großen Prozentsatz mit Bollettieri-Schülern besetzt.

Tommy Haas schrieb bei Instagram: „Vielen Dank für Deine Zeit, Dein Wissen, Deine Hingabe, Deine Expertise, Deinen Willen, Dein Können zu teilen, Dein persönliches Interesse, mein Mentor zu sein und mir die Chance zu geben, meine Träume zu verfolgen.“

Alexander Bose Trainierte bei Bollettieri
Alexander Bose trainierte bei Bollettieri. © privat

Aus dieser Region schaffte es auch ein großes Tennistalent in Bollettieris Akademie: Der Bad Hersfelder Alexander Bose bekam 1991 ein Stipendium und ging als 15-Jähriger nach Florida, um die nächsten Schritte in seiner Laufbahn zu machen. Dank der Unterstützung von Bollettieri gelang es Bose, einige beachtliche Erfolge zu landen. Er gewann Titel bei Challenger- und Satellite-Turnieren und nahm beispielsweise mit Haas an den Gerry-Weber-Open in Halle teil. Zumindest kurzzeitig versuchte auch der frühere Bad Wildunger Hasan Soysal sein Glück in der renommierten Akademie in Bradenton.

„Du warst ein Träumer und ein Macher – und ein Pionier in unserem Sport“, schrieb Haas weiter. Dem kann Alexander Orlob, Tennistrainer in dieser Region und mit Bose befreundet, nur zustimmen. Er hat den Sohn italienischer Einwanderer nicht nur in Wimbledon und bei den US Open in New York getroffen, sondern sich von ihm auch inspirieren lassen. „Er hat Wert auf große Trainingsumfänge gelegt und interessante Methoden genutzt“, sagt Orlob.

Damit spielt er darauf an, dass der bekannte Tenniscoach seine Talente regelmäßig Basketball spielen lassen hat. Dass bei Bollettieri Athletik- und Krafttraining immer schon einen beachtlichen Raum eingenommen haben. Dass er Boxen auf die Plätze mitbrachte, damit seine Schützlinge im Rhythmus zur Musik die Bälle schlugen. Und – nicht zuletzt – dass er früh den Einsatz einer beidhändigen Rückhand förderte. Seles, die US-Amerikaner Agassi, Courier und Aaron Krickstein sowie die Deutsche Sabine Lisicki, die ebenfalls bei Bollettieri ins Training ging, spielten allesamt die Rückhand beidhändig.

Alexander Orlob Von Bollettieri inspiriert
Alexander Orlob, nordhessischer Tennistrainer. © Privat

Agassi übte später Kritik an seinem einstigen Coach, beschrieb in seiner Autobiographie das Leben in der Akademie als „besseres Gefangenenlager“. Dass die Bollettieri-Schüler hart arbeiten mussten, ist kein Geheimnis. Schon vor Beginn der Schule zitierte er die Talente zu einer Übungsarbeit. Bis zu sieben Stunden standen sie im Verlauf eines Tages auf dem Feld. „Heute trainieren die Spieler nicht mehr so hart“, erklärt Orlob. „Dadurch verlassen sie auch nicht mehr so leicht ihre Komfortzone.“ (Björn Mahr)

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