Radprofis und Ehemalige äußern sich zu Sagan-Ausschluss

Nach Rempler bei Tour de France: "Die Jury hat den Falschen ausgeschlossen"

Kassel. Peter Sagan muss die Tour de France verlassen. Die Diskussion um dessen Rempler geht weiter. Die Mehrheit findet den Ausschluss des Slowaken zu hart.

Die Tour de France 2017 hat ihren ersten Skandal, und es dreht sich ausnahmsweise nicht um Doping. Schon verrückt: Unmittelbar nach der vierten Etappe am Dienstag und dem folgenschweren Ellenbogencheck von Peter Sagan gegen Mark Cavendish war die Empörung groß. Tags darauf beruhigten sich die Gemüter. Mehr noch. Fast alle finden das Urteil, den Slowaken nach Hause zu schicken, zu hart. Selbst Cavendish. Der Brite muss wegen eines Bruchs des Schulterblatts aufgeben und nennt die Entscheidung mutig. Was sonst zur Disqualifikation gesagt wird:

• André Greipel: Bestes Beispiel für den Sinneswandel ist der deutsche Profi aus dem Lotto-Team. Kurz nach dem Vorfall hatte der 34 Jahre alte Sprinter noch gegen Sagan gewettert: Nur weil er das Weltmeister-Trikot anhat, könne er sich nicht alles erlauben. Vor der gestrigen Etappe twitterte der Rostocker dann, dass er den Ausschluss bedauere, und „ich denke, dass die Entscheidung zu hart ist“.

• Patrik Sinkewitz: Falsch findet der frühere Fuldaer Radprofi Patrik Sinkewitz die Entscheidung. „Das war ganz bestimmt keine Absicht, denn Peter Sagan ist ein sehr fairer Fahrer. Im Gegensatz zu Mark Cavendish, der mal wieder in eine Lücke reinfahren wollte, wo keine war“, sagt der 36-Jährige, der 2004 mit dem Gesamtsieg bei der Deutschland Tour seinen größten Erfolg feierte. Sinkewitz spricht auch von „einem ganz normalen Rennunfall“ und sagt zudem: „Sie haben den Falschen ausgeschlossen.“

• Viktor Slawik: Die Kasseler Radsport-Legende hat sich die TV-Bilder mehrfach angesehen und seine Meinung geändert. Zunächst war Slawik der Meinung, dass die Strafe sei berechtigt, aber nun sagt der 53-Jährige: „Ich hätte Sagan die Gelbe Karte gezeigt, denn der Angriff ging von Cavendish aus, dessen Kopf an Sagans Hüfte gedrückt hat. Dagegen hat sich Sagan gewehrt.“ Slawik weist auch darauf hin, dass es bei Spurts üblich ist, nicht immer brav geradeaus zu fahren.

• Olaf Ludwig: Der Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour 1990 spricht von einem klaren Fehlurteil. Es sei ein hartes Manöver gewesen, aber für ihn sei es nie und nimmer eine Berechtigung, ihn dafür zu disqualifizieren, sagt der 57-Jährige.

• Marcel Wüst: Der ehemalige Radprofi und Tour-Etappensieger zieht einen Vergleich: „Das wäre dasselbe, wenn sie einen Bundesligaprofi für ein grobes Foul die komplette Saison sperren würden.“ Wer einmal mit 60 oder 70 km/h einen Sprint angefahren habe und von hinten eine Berührung spüre, sagt der 49-Jährige, „fährt automatisch den Ellenbogen aus“.

• Christina Kapp: Die Pressesprecherin des Bundes Deutscher Radfahrer gibt sich zurückhaltend, erklärt aber die Regularien: „In einem solchen Sprint darf die Fahrlinie nicht verlassen werden. Die Bewertung der Aktion ist im Endeffekt eine Tatsachenentscheidung, vergleichbar mit der im Fußball. Ein Urteil werden wir als Dachverband allerdings nicht zu dem Vorfall abgeben.“

Rubriklistenbild: © afp

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