„Training mit Lob und Belohnungen“ - Reiterin Marion Loew über das Dressurreiten

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Behauptete die Führung: Nach dem Auftritt von Isabell Wert führen die deutschen Dressurreiter in der Teamwertung knapp vor den Niederlanden und Großbritannien.

Kassel. Bei der Reit-Europameisterschaft in Aachen liegt die deutsche Dressur-Equipe auf Platz eins, heute greift Wunderpferd Totilas mit Reiter Matthias Rath in den Wettbewerb ein. Im Interview erklärt die Göttinger Reiterin Marion Loew, warum die Dressur deutlich anstrengender ist, als viele denken.

Frau Loew, für Außenstehende mag Dressurreiten eher wie eine Vorstellung im Zirkus aussehen. Warum ist es dennoch ein Sport? 

Marion Loew: Auf einem Pferd zu sitzen ist körperlich anstrengend. Wer schon mal geritten ist, weiß das. Außerdem muss man viel trainieren, fünf Einheiten pro Woche sollte es schon sein. Man kann sich nicht einfach auf ein Pferd setzen und dann gut sein. Es ist eine Herausforderung, sich mit dem Tier als Sportpartner zu arrangieren. Außerdem will man sich als Dressurreiter ja messen, an Wettkämpfen teilnehmen. Wer einfach reiten will, kann das auch einfacher haben.

Wie viel Leistung kommt denn beim Dressurreiten beim Pferd, wie viel vom Reiter? 

Loew: Klar ist, dass man auf jeden Fall einen Reiter braucht. Das Tier würde die Lektionen kaum von alleine ausführen. Prozentual aufteilen lässt sich die Arbeit beim Dressurreiten aber nicht. Im Idealfall herrscht zwischen Reiter und Pferd eine harmonische Verbindung. Natürlich muss man sein Pferd auch ein wenig untersützen, beispielsweise, wenn man es mit Hilfe der Unterschenkel in eine Richtung treibt.

Wie schafft man es denn, einem Pferd die Aufgaben beim Dressurreiten beizubringen? 

Loew: Zunächst kann man sagen, dass ein Tier mehr lernt, je älter es wird. Stück für Stück kommen neue Aufgaben hinzu, für die Dressurausbildung gibt es auch Richtlinien. Ansonsten passiert viel durch Training. Man bringt dem Pferd einen Bewegungsablauf bei, und wenn es diesen schon kann, baut man darauf auf. Wenn man das Tier dann lobt, wenn es etwas richtig gemacht hat und ihm dafür auch eine Belohnung gibt, wiederholt es die Aufgaben gerne.

Eignen sich manche Pferde besser für die Dressur als andere? 

Loew: Bei den Tieren gibt es auf jeden Fall Unterschiede. Dennoch bin ich der Meinung, dass jedes Pferd eine grundlegende Dressurausbildung bekommen sollte. Das bedeutet: lenken, bremsen, anhalten. Sonst besteht auch für den Reiter ein Sicherheitsrisiko. Wenn man beim Dressurreiten ehrgeizige Ziele verfolgt, muss das Pferd aber auch eine gewisse Veranlagung mitbringen. Lernen können die meisten Tiere ziemlich viel, beim Bewegungstalent unterscheiden sie sich aber.

Für die Tiere bedeutet Dressurreiten also viel Arbeit. Sind sie der Meinung, dass die Pferde Spaß daran haben?

Loew: Da gehen die Meinungen natürlich weit auseinander. Viele Leute sagen, dass allein schon das Reiten mit Sattel nicht gut für die Tiere ist. Ich habe aber das Gefühl, dass die Pferde schon Spaß an der Dressur haben. Sie merken, wenn sie gelobt werden und freuen sich, wenn sie etwas gut gemacht haben. Aber bei uns Menschen ist es ja auch nicht anders: nicht jeder hat immer Spaß an der Arbeit.

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