Nico Polychronidis

Weltcup kurios: Teilnehmer kommt aus Land, in dem es keine Schanze gibt

Willingen. Nico – wer? Beim SC Willingen staunte man nicht schlecht, als vom Griechischen Skiverband die Meldung für Nico Polychronidis einging, der beim Weltcup vom 8. bis 10. Februar starten will. Ein Grieche beim Skispringen? Das gab’s noch nie – in Griechenland gibt’s schließlich nicht mal eine Schanze.

Allerdings ist Polychronidis in der Skisprung-Szene nicht ganz unbekannt: Bereits mit sieben Jahren fing er an zu springen, startete für den SC Oberstdorf. Seinen größten Erfolg verbuchte er 2009 mit einem dritten Platz beim Continental-Cup, der zweiten Liga der Springer.

Man muss wissen, dass Polychronidis schon in Deutschland geboren ist. Seine Mama ist Deutsche, der Papa ist Grieche – er hat die doppelte Staatsbürgerschaft. Deswegen ist das mit dem Skispringen auch gar nicht so abwegig.

Nico Polychronidis

Seit diesem Winter startet der Oberstdorfer erstmals für den Skiclub Drama, eine kleine Stadt in Nordgriechenland. „Im Sommer hatte ich noch keine Erlaubnis. Der Wechsel hat sich über ein Jahr hingezogen.“ Doch woher kam die Idee zu wechseln? „Der Gedanke war schon immer da. Mit dem Wechsel habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt. Ich bringe das Springen nach Griechenland. Wenn meine Leistung nicht stimmen sollte, macht das aber keinen Sinn. In letzter Zeit hatte ich jedoch ein gutes Gefühl, und jetzt will ich einfach wissen, wo ich stehe“, sagt der 23-Jährige.

Willingen ist zwar sein erster Weltcupeinsatz, die Schanze kennt er jedoch: Vor zwei Jahren war der Sportmanagement-Student als Vorspringer im Upland und schaffte es auf 128 Meter – so weit, wie vergangenes Wochenende beim Conti-Cup in Titisee, wo er sich den einen Punkt erkämpfte, der Pflicht ist, um im Weltcup starten zu dürfen. Kurios: Dem Griechen zerbrach nach Durchgang eins der Ski – beim zweiten Start musste er passen, denn es war kein Ersatz im Gepäck. Für Willingen ist er besser vorbereitet: „Da wird mir das nicht passieren, daraus habe ich gelernt.“ Mit neuem Material bereitet er sich derzeit in Oberstdorf auf den Weltcup vor. Und sein Ziel? „Ich versuche, anständige Sprünge zu machen. Wenn die gelingen, könnt’s mit der Quali klappen.“ Begleitet wird Polychronidis von einem Kumpel. „Der macht das auf Freundschaftsbasis, weil in Griechenland die finanzielle Lage nicht so gut ist.“

„Jetzt schaue ich erstmal, dass ich die Saison gut rum bekomme.

Bei der WM in Val di Fiemme ist er auch dabei. Olympia 2014 hingegen ist noch ein Traum. „Jetzt schaue ich erstmal, dass ich die Saison gut rum bekomme.“ Der deutsche Stephan Hocke sprang vergangenens Jahr in Willingen übrigens zweimal auf 128 Meter – dafür gab’s Rang 27. „Das wäre ein gelungener Einstand.“ Und damit wäre er auf dem besten Weg nicht wie einst der Brite Michael Edwards, bekannt als „Eddie the Eagle“, zu enden, der als schlechtester Skispringer aller Zeiten in die Geschichte eingegangen ist.

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