TV-Kritik: Wie Sky die Handball-WM präsentiert

Experte vor Ort: Henning Fritz. Fotos: dpa

Kassel. Handball ist doch ein bisschen wie Fußball - zumindest in der Stunde vor Beginn eines wichtigen Länderspiels. Es ist die Zeit der Spekulationen und Tipps, der Einschätzungen und Phrasen, der Experten und Wahrsager.

Da ist es egal, ob später ein Ball getreten oder geworfen wird.

Beim Bezahlsender Sky näherte sich die Vorberichterstattung auf das Achtelfinale der Handball-WM zwischen Deutschland und Ägypten schon sehr der Welt an, die das Fernsehen einst für den Fußball erfunden hat: Eine Stunde vor Anwurf läuft eine Uhr rückwärts als Countdown und Spannungserzeuger. Väter von Nationalspielern und Ex-Internationale werden zugeschaltet oder im Handball-Taxi chauffiert. Die Analysten wie Michael Roth, Trainer des Bundesligisten MT Melsungen, gehen die Aufstellung durch.

Experte im Fernsehstudio: Michael Roth.

Man mag das alles ein bisschen übertrieben finden, und dennoch ist Sky gerade dabei, eine große Chance zu nutzen: In Zeiten, in denen ARD und ZDF von der WM nur Fitzel in Nachrichtensendungen anbieten dürfen, zeigt der Bezahlsender, wie Handball nicht nur als Sport, sondern als Unterhaltungsware funktioniert. Er nimmt sich die Zeit, die sich die Öffentlich-Rechtlichen in dem Maße nur bei großen Fußball-Turnieren gönnen.

Sky reizt seinen Vorteil aus, manchmal überreizt der Sender. Aber das passiert dem, der Neues wagt. Auf die Expertenrunde vor dem Ägyptenspiel war auf alle Fälle Verlass, was vor allem an Michael Roth lag. Der MT-Trainer gab ein Gastspiel im Fernsehstudio, redete fundiert und eloquent wie immer - Liebeserklärung inklusive: „Nordhessen ist eine wunderschöne Gegend, deshalb werde ich dort hoffentlich noch lange bleiben.“

Es würde aber nicht wundern, wenn Roth demnächst öfter mal zwischendurch nach München führe - als Sky-Experte. Nach Katar schafft es Roth dagegen wohl nicht mehr. Vor Ort kommentiert Henning Fritz, Torwart des Weltmeisterteams von 2007, die Spiele an der Seite von Karsten Petrzika. Positiv ausgedrückt, gleicht Fritz die Überdosis Emotion von Petrzika aus. Insgesamt ist aber auch dieses Duo solide, manchmal gar witzig. Als während einer Auszeit die Ägypter zu sehen und zu hören sind, sagt Petrzika: „Unser Ägyptisch ist nur so mittelmäßig.“

Die Berichterstattung ist besser als mittelmäßig - mal abgesehen davon, dass sie sich nicht mit dem Land Katar und den Leuten von dort befasst. Ansonsten bleibt zu wünschen, dass alle etwas von der Übertragung haben - und nicht nur Kunden des Bezahlsenders.

Von Florian Hagemann

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