Nächster Traum Olympia

Erster Türke bei der Vierschanzentournee: Ipcioglu schreibt Sportgeschichte

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Bei der diesjährigen Tournee wirft sich erstmals ein türkischer Springer von der Schanze.

Skispringer Fatih Arda Ipcioglu nimmt als erster Türke an der Vierschanzentournee teil. Trotz Beinbrüchen und Warnungen der Eltern.

Oberstdorf - Fatih Arda Ipcioglu genoss seine 15 Minuten Ruhm in vollen Zügen. 14.400 Zuschauer feierten den ersten türkischen Skispringer in der Geschichte der Vierschanzentournee, sogar Autogramme musste der 20-Jährige schreiben. "Als Kind habe ich die Tournee immer im Fernsehen geschaut. Jetzt bin ich hier und genieße diese Stimmung. Unglaublich", sagte Ipcioglu nach der Qualifikation in Oberstdorf. 

Ipcioglu belegte mit einem Sprung auf 94,0 m zwar nur den 64. Platz unter den 66 Teilnehmern, ein Gewinner war er trotzdem. Vor allem, weil er viel zu gut ist, um als Abklatsch des einstigen Schanzen-Clowns Eddie the Eagle durchzugehen. "Ich habe 2008 mit dem Skispringen begonnen, mit elf Jahren. Im Februar werde ich der erste türkische Skispringer bei Olympia sein. So kann es weitergehen", sagte Ipcioglu. 

Ipcioglu stammt aus Erzurum in Ostanatolien. Der Ort ist das Wintersportzentrum der Türkei, 2011 fand dort die Winter-Universiade statt. Der Weg auf die Schanze lag also nah, auch wenn die Eltern zunächst protestierten. "Sie haben gesagt: Geh da nicht hin, das kannst du nicht machen", erzählte er in Oberstdorf: "Als ich mir vor vier oder fünf Jahren die Beine gebrochen habe, hat meine Mutter gesagt: Hör auf. Aber ich habe weiter gemacht." 

Mit Erfolg. Im Dezember 2016 holte Ipcioglu als erster Türke Punkte im Continental Cup, in jener zweiten Liga des Skispringens belegte er später auf seiner Heimschanze in Erzurum sogar zweimal den zwölften Platz. Zur Belohnung fuhr er im Februar zur WM nach Lahti, wo er die Ränge 43 und 44 belegte. "Ich bin stolz auf mich, mein Land und das, was ich erreicht habe", sagt er heute. 

Noch gibt es in der Türkei nur wenige Verrückte, die den Sport namens "kayakla atlama" ernsthaft betreiben. "Zur Zeit sind wir sechs Springer, die international dabei sind. Aber es gibt 20 oder 30 Kinder, die immer besser werden", sagt Ipcioglu, der sich als eine Art Pionier sieht. "In der Türkei ist Skispringen eine Randsportart, klar. Aber wir bauen etwas für die Zukunft auf", sagt er. Die Tournee wird Ipcioglu nach dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen verlassen, von dort reist er direkt zum Continental Cup nach Titisee-Neustadt. Doch die Grundlage für weitere Erfolge türkischer Skispringer sind gelegt, davon ist Fatih Arda Ipcioglu fest überzeugt: "In 20 Jahren werden bei der Tournee viel mehr türkische Skispringer sein als heute. Und ich schaue mir das dann bequem vor dem Fernseher an."

SID

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