Saisonstart im Handball, Basketball und Eishockey

Virologen einig: Vier Bedingungen müssen erfüllt sein, damit Fans in die Hallen dürfen

Juni 2020: Beim Basketball-Finalturnier in München spielte auch der FC Bayern gegen Ulm ohne Zuschauer auf den Tribünen.
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Wie lange bleiben die Sporthallen noch leer? Beim Basketball-Finalturnier in München spielte auch der FC Bayern gegen Ulm ohne Zuschauer auf den Tribünen.

In Hallen hat’s das Virus leicht. Damit dennoch schon im Herbst wieder die Fans ihre Sportler anfeuern können, müssen auch in Kassel vier Bedingungen erfüllt sein - sagen zwei bekannte Virologen. Aber: Besonders Eishallen sind kritische Arenen.

  • Wegen Corona mussten die letzten Sportereignisse ohne Zuschauer stattfinden
  • Auch die Vereine in der Region Kassel und Göttingen waren davon betroffen
  • Virologen erklären, wann ein Spiel mit Zuschauern wieder möglich ist

Die Handballer auch der MT Melsungen starten sonst am dritten August-Wochenende in die Bundesliga, nun am 1. Oktober, die Göttinger BG-Basketballer Ende September. Die zweite Eishockey-Liga um die Kassel Huskies will am 11. September loslegen, Kann das klappen? „Man kann Veranstaltungen zulassen, es wird immer schwerer, je mehr Leute es sind“, sagt Virologe Dr. Jonas Schmidt-Chanasit von der Uni Hamburg. Fragen und Antworten zu Lage und Perspektiven für Hallensportler.

Corona im Sport: Wie ist die aktuelle Lage?

Nur in den Fußball-Topligen spielen Einnahmen aus dem Kartenverkauf eine untergeordnete Rolle. Ansonsten geht wirtschaftlich ohne Zuschauer nichts. Die Basketballer haben ihr Finalturnier in München gut hinbekommen und finanzielle Probleme so gemindert. Für die neue Saison aber gilt: „Wir können ohne Zuschauer nicht spielen. Und was die staatlichen Hilfen kompensieren, das ist abzuwarten“, sagt BBL-Geschäftsführer Stefan Holz - und weiß sich dabei einig mit seinen Kollegen Gernot Tripcke von der Deutschen Eishockey-Liga und Frank Bohmann von der Handball-Bundesliga.

Corona im Sport: Was sind die besonderen Probleme bei der Ausrichtung von Sportveranstaltungen?

Dr. Jonas Schmidt-Chanasit

Mit Blick auf das Infektionsrisiko sind mehrere Faktoren entscheidend, erklärt Dr. Schmidt-Chanasit: Die Menge der Zuschauer, die Zeitdauer, die sie zusammen verbringen, und ihr Verhalten. „Es können 300 Leute auf der Tribüne sitzen, eine Maske tragen und zwei Stunden kein Wort sagen - dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung sehr gering. Auf der anderen Seite sitzen eine Stunde lang Leute vielleicht sogar mit Abstand, aber ohne Maske und brüllen eine Stunde - dann hilft dann der Abstand von 1,50 Metern auch nur noch sehr begrenzt. Weil Tröpfchen weiter fliegen können.“ Das unterscheide Fußballspiele von Großveranstaltungen, bei denen es weniger emotional zugehe.

„Meistens sind auch die Toilettenbereiche ein Knackpunkt, weil es wenige sind und weil es da oft sehr eng wird“, sagt Schmidt-Chanasit. „Es ist einfach schwer zu regulieren, wenn zum Beispiel in den Pausen viele Fans gleichzeitig auf Toilette müssen.“ Auch für An- und Abreise müsse es schlüssige Sicherheitskonzepte geben.

Corona im Sport: Wo sind die Risiken besonders hoch?

„Prinzipiell gibt es in geschlossenen Räumen bessere Bedingungen für eine Virusübertragung, weil Aerosole eine Rolle spielen“, erklärt Schmidt-Chanasit. „Die spielen draußen keine so große Rolle, weil dort eine schnellere Verdünnung erfolgt. Draußen spielen eher die Tröpfchen eine Rolle.“

Corona bei MT Melsungen in Kassel: Ist also das Infektionsrisiko in einer gefüllten Handball-Halle zwingend größer als im Fußballstadion?

Pauschal könne man das laut Schmidt-Chanasit nicht sagen. „Es ist so, dass auch draußen schon Superspreader-Events stattgefunden haben, Stichwort Champions-League-Spiel in Bergamo“, erklärt er. „Tendenziell ist es aber immer so, dass in geschlossenen, schlecht durchlüfteten Räumen, die sehr voll sind, die besten Bedingungen für Übertragungen herrschen.“

Corona im Sport: Und wie ist das beim Eishockey?

„Noch brisanter wegen der Kälte“, sagt Prof. Dr. Friedemann Weber von der Uni Gießen. „In Eishallen ist das Klima so ähnlich wie in Großschlachtereien - kühl und feucht“, erläutert der Virologe. Da es wenig Luftbewegung gebe, bleiben die Aerosole länger an einem Ort. „Wenn Menschen laut reden, geben sie zehnmal mehr Viruspartikel von sich als normal. Und wenn Fans nach Toren jubeln oder singen, wenn sie ihre Mannschaft lauthals anfeuern, dann sind es noch mehr.“

Prof. Dr. Friedemann Weber

Gibt es Lösungen?

Am besten wäre es, wenn die Luft viel gewechselt wird und insbesondere gefiltert, sagt Weber. Wenn sie nach oben abgesaugt wird, wenn ein Unterdruck erzeugt werden könnte. Und natürlich seien Masken unabdingbar und ein spürbarer Schutz: „Je höher ihre Qualität ist, desto besser ihr Nutzen. Und natürlich helfen da FFP2-Masken weitaus besser als ein Fanschal.“

Corona im Sport: Welche Perspektiven sind aus Sicht der Virologen realistisch?

Je mehr Zuschauer beim Sport anwesend sind, desto schwieriger wird es, Hygiene- und Abstandskonzepte durchzusetzen, betont Schmidt-Chanasit. „Wenn wir in ein großes Fußballstadion 300 Fans reinlassen, das geht natürlich, die kann man auseinander setzen, da kann man auch noch halbwegs einschreiten.“ Bei 10 000 Fans hingegen seien dann „auch immer mehr Leute dabei, die sich eben nicht an die Regeln halten“, erklärt er. „Da sehe ich keinen realistischen Weg.“

Sein Kollege Weber indes kann sich in den Hallen durchaus Spiele mit Zuschauern auch im Herbst vorstellen. Wenn mindestens vier Bedingungen erfüllt werden: „Die aktuelle Pandemielage muss es zulassen, alle Besucher tragen ordentliche Masken, die Luft wird permanent ausgetauscht bzw. die Halle belüftet, und die Menschen halten wirklich Abstand.“

Corona im Sport: Was bedeutet all das für die Rückkehr von MT und Huskies in Kassel in den Spielbetrieb?

„Wir sind in ständigem Austausch mit beiden Klubs. Letztlich müssen wir gemeinsam die Konzepte der Verbände sehen und bewerten, ob und wie sie umzusetzen sind. Entscheidend aber sind wir als Kommune nicht allein, sondern in Abstimmung mit anderen Behörden“, erklärte Claas Michaelis als Sprecher der Stadt Kassel.  mit dpa

Zuletzt bekamen die Sportclubs in der Region Kassel die Auswirkungen des Coronavirus deutlich zu spüren. Die letzte Saison wurde beendet, Spiele bgesagt. Wir blicken auf die MT Melsungen, die Kassel Huskies und den KSV Hessen.

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