Spiel gegen Kanada am Freitag 

Deutsches Eishockey-Team ist im Halbfinale: So reagieren die Huskies 

Die entscheidende Szene: Patrick Reimer (rechts) überwindet den schwedischen Keeper Viktor Fasth zum 4:3. Foto: afp

Kassel. Völlig losgelöst – nicht anders lässt sich das in Worte fassen, was sich am Mittwoch auf der deutschen Spielerbank abspielt: Die Verlängerung gegen Weltmeister Schweden ist gerade 90 Sekunden alt, als der Puck bei Patrick Reimer landet.

Mit der ganzen Routine als DEL-Rekordtorschütze schiebt der Stürmer die Scheibe am schwedischen Keeper Viktor Fasth vorbei über die Linie. 

Tor, oder kein Tor, das ist nur kurz die Frage. Als der Schiedsrichter nach kurzem Video-Studium die Worte „Good Goal“ spricht, da bricht der Jubel-Orkan in Schwarz-Rot-Gold los. Warum? Das lässt sich ganz einfach erklären: Nach dem 4:3 (2:0, 0:0, 1:3 / 1:0) in der Overtime gegen Schweden spielt eine deutsche Eishockey-Nationalmannschaft um die erste Olympia-Medaille seit dem Sensations-Bronze von 1976. Jenes Edelmetall, von dem Fachwelt und Fans bis heute schwärmen.

Das Spiel

Hatte alles, was ein K.o.-Spiel bei einem großen Turnier so braucht. Einen Außenseiter nämlich, der nach einem schnellen Doppelpack durch Christian Ehrhoff und Marcel Noebels innerhalb von nur 30 Sekunden schon nach einer Viertelstunde vorn liegt. Und einen Favoriten, der sich lange die Zähne ausbeißt an clever verteidigenden, disziplinierten Deutschen, die mit Danny aus den Birken einen souveränen Schlussmann haben, der bis zum ersten Gegentreffer 24 Schüsse entschärft. Je länger das Spiel voranschreitet, desto staunender werden die Kommentare. Nach dem zweiten Drittel merkt Experte Sven Felski im ZDF-Livestream an: „Die Schweden sind ja kein Team der Namenlosen. Ich glaube, es werden jetzt keine Wetten mehr gegen Deutschland angenommen.“ Der Glaube an die Sensation, er wird ein bisschen größer. Das Schlussdrittel dann entwickelt sich zu einem Krimi: Der Weltmeister verkürzt, Dominik Kahun stellt auf 3:1, doch der Weltmeister trifft – 2:3, 3:3. Verlängerung. Schon das ist ein Erfolg fürs deutsche Team. Doch dann kommt Reimer.

Die Reaktionen

„Es ist unglaublich. Wir können es selbst nicht fassen. Wir haben einen tollen Kampfgeist bewiesen. Nur so können wir die Großen schlagen“, bringt Kahun das Erfolgsgeheimnis auf den Punkt. Auch die Kassel Huskies verfolgen das Spiel mit wachsender Begeisterung. „Es hätte besser nicht laufen können. Fantastisch. Das ist beste Werbung fürs Eishockey in Deutschland“, schwärmt Trainer Rico Rossi.

„Die Deutschen haben defensiv sehr gut gestanden. Bei den Toren von Kahun und Reimer haben sie ihre individuelle Klasse bewiesen. Im Powerplay waren sie gefährlich, und die Torhüterleistung war stark. Nach dem Ausgleich in den letzten drei, vier Minuten haben sie gewackelt, aber sind nicht eingebrochen.“ Co-Trainer Hugo Boisvert betont: „Eine super Geschichte für Deutschland. Da war viel Leidenschaft drin.“

Der Ausblick

Am Freitag (13.10 Uhr/ARD und Eurosport) wartet auf die deutschen Kufencracks im Halbfinale nun Olympiasieger Kanada. Rossi ist Kanadier, Boisvert hat einen deutschen und einen kanadischen Pass. Beide freuen sich deshalb besonders auf Freitag. „Ich kann gar nicht verlieren“, sagt Rossi und ergänzt: „Ich traue den Deutschen eine Überraschung zu.“

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