Happy Birthday

Der Mann, der nie fort wollte: Rallye-Legende Röhrl wird 70

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Walter Röhrl.

St. Englmar - Walter Röhrl ist ein Heimatmensch. Dann stieg der gebürtige Regensburger ins Auto und wurde zur Rallye-Ikone. „Reisen, Hotels, das mag ich nicht“, sagt Röhrl. Nun feiert er seinen 70. Geburtstag.

Über seinen Kater kann sich Walter Röhrl nur wundern. Seit zwei Monaten haben die Rallye-Legende und seine Frau Monika den Maxl, Autofahren mag die Katze aber nicht. „Er hat einen Stress, zittert am ganzen Körper, hat nasse Pfoten“, zählte Röhrl die Symptome auf. Jetzt haben sie sogar ein Spray gekauft, das den Kater beruhigen soll. „Er müsste eigentlich wissen, dass er mit dem besten Autofahrer fährt“, sagte Röhrl der Deutschen Presse-Agentur lachend.

Tempo ist für Röhrl, der am Dienstag seinen 70. Geburtstag feiert, immer noch das beherrschende Thema. „Ich bin ja bewegungssüchtig“, sagte der gebürtige Regensburger, der im Luftkurort St. Englmar im Bayerischen Wald lebt. Skifahren, Radfahren und natürlich Autofahren bestimmen sein Leben. Fast 180 Tage war „Der Lange“, wie der fast zwei Meter große Schlaks gemeinhin auch genannt wird, im vergangenen Jahr als Repräsentant für Porsche immer noch weltweit unterwegs.

Viermal - mit unterschiedlichen Marken - gewann Röhrl die Rallye Monte Carlo, zweimal die Rallye-WM. „Ich dachte nie daran, Formel 1 zu fahren, weil ich wusste: Wenn du ein schlechtes Auto hast, bist du eine Null. Wenn du hingegen Rallye fährst und ein schlechtes Auto hast, kann ich immer noch schneller sein als die anderen“, sagte Röhrl, der seinen Geburtstag beim Skifahren in Südtirol verbringt.

Röhrl: „Ich fahre um jeden Kanaldeckel und denke mir: Mein armes Auto.“

Röhrl ist eine Instanz für höchstes Fahrgefühl. „Ich sitze heute im Auto, fahre um jeden Kanaldeckel und denke mir: Mein armes Auto. Total bescheuert, gell?“, sagte Röhrl. „Das habe ich aber nie ablegen können, es war sicher auch Teil meines Erfolgs, weil ich auf mein Auto aufgepasst habe.“ Nicht umsonst nannte ihn Formel-1-Legende Niki Lauda „Genie auf Rädern“. Und auch der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel ist ein Verehrer von Röhrls Sensibilität. „Es gibt wenige, die bei der Fahrzeugbeherrschung so viel Verständnis und Gefühl besitzen wie er“, sagte der Heppenheimer einmal.

Das Faszinierende an Röhrl ist dieses Spannungsverhältnis zwischen normalem Menschen und unvergleichlichem Talent. „Ich war immer ein Mensch, der nicht fort wollte. Ich bin immer bodenständig gewesen, Reisen, Hotels, das mag ich alles nicht. Und genau das Gegenteil war mein Leben“, erzählte Röhrl. Am liebsten hätte er unter Ausschluss der Öffentlichkeit manövriert. „Ich wollte ja nur für mich wissen, ob ich gut bin, das muss kein Mensch sonst wissen.“

Verheimlichen konnte Röhrl seinen Erfolg nie. Im Treppenabgang in seinem Haus sieht man ihn auf Fotos mit Grace Kelly, Eddy Merckx oder Franz Beckenbauer. Schier unfassbar für jemanden, der als Kind unter seinen roten Haaren litt. „Jeden, der mich verspottet hat wegen der roten Haare, habe ich verfolgt, und wenn er zwei Meter groß war, habe ich ihn angesprungen“, erzählte Röhrl, der nach der Trennung der Mutter vom Vater als Elfjähriger bei ihr blieb. „Ich bin mir als Aussätziger vorgekommen, diese Dinge prägen.“

Die Leidenschaft fürs Autofahren hat Röhrl von seinem Bruder Michael. „Er war ein bisschen Vater-Ersatz, mein großer Bruder war mein Vorbild“, sagte Röhrl, dessen Bruder mit 28 Jahren mit seinem Wagen auf einer Landstraße mit einem Lastwagen kollidierte und starb. „Merk dir eins“, erinnerte sich Röhrl an einen Spruch seines Bruders, „kaufe dir erst ein Auto, wenn du dir ein gescheites leisten kannst - und das ist ein Porsche.“ Einen roten Porsche 356, wie ihn sein Bruder einst fuhr, legte sich Walter Röhrl später selbst zu.

Zwölf Autos besitzt dieser Asket insgesamt, eine ganz besondere Tour will er unbedingt noch in Angriff nehmen. „Ich möchte mit meinen Oldtimern ein bisschen fortfahren, Reisen machen, zur Zeit schwebt mir Schottland vor. Das scheitert aber daran, dass ich vollkommen unselbstständig bin“, sagte er lachend. „Ich selbst bin aber nicht in der Lage, ein Hotel zu buchen, nicht in der Lage, mir ein Flugticket zu kaufen, daran scheitert's, darum kann ich nicht fortfahren.“

dpa

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