Northeimer im Stadion

Sie waren live im Dortmunder Stadion: "Auf einmal ist alles so nah"

Voller Vorfreude: Hier wussten Maximilian Schulz (links) und Tobias Offergeld noch nichts von dem Anschlag. Foto:  privat/nh

Kassel. Als die Bomben am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund detonierten, da saßen Maximilian Schulz und Tobias Offergeld im Sponsorenbereich des Signal-Iduna-Parks.

Die beiden Freunde waren jeweils mehrere hundert Kilometer angereist, hatten sich lange nicht gesehen. „Tobias arbeitet bei Adidas, ist dort im Champions-League-Team", erzählt der 26 Jahre alte Schulz, der aus dem südniedersächsischen Northeim stammt und jetzt in Hamburg lebt. So trafen sich die beiden eigentlich, um sich gemeinsam das Spiel anzusehen. 

„Wir waren um halb acht da. Es war alles normal. Die Menschen sind zum Stadion geströmt. Es gab keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen“, berichtet Schulz. In dem Bereich, in dem die beiden saßen, haben sie zunächst nichts von allem mitbekommen. „In dem Sponsorenbereich lief Musik. Ich wollte mir dann auf einer Sportseite im Internet die Aufstellung von Dortmund anschauen. Da stand dann als erste Meldung, dass das Spiel auf der Kippe steht“, sagt Schulz.

Danach gab es die Durchsage von Stadionsprecher Norbert Dickel: Ein ernsthafter Vorfall sei passiert. Das Stadion sei aber sicher. Der erste Gedanke von Schulz war in diesem Moment: „Krass, dass sowas passiert. Dass auf einmal alles so nah ist.“

Für die beiden Freunde stellte sich vor allem eine Frage: „Wie kann jemand so nah an die Mannschaft kommen?“ Das sei bislang anders gewesen, sagt Schulz. „Sonst sind immer ungeschützte Mengen Ziel für Anschläge gewesen. Jetzt hat es auf einmal beschützte Fußball-Profis getroffen.“

Und noch eine andere Sache beschäftigte die beiden 26-Jährigen: „Es ist immer wieder der Fußball, der zum Ziel wird. Und wieder sind es zwei Mannschaften aus Deutschland und Frankreich - den beiden größten europäischen Nationen“, sagt Schulz. Trotz allem habe in ihrem Bereich und auch im Stadion eine eher ruhige Atmosphäre geherrscht.

„Untereinander haben wir nicht viele Worte verloren. Einige dort waren aus anderen Ländern angereist, aus Polen zum Beispiel. Die haben dann geschaut, ob sie am nächsten Tag einen Flug bekommen oder ihren Rückflug noch einmal verschieben können“, erzählt der 26-Jährige.

Die beiden Freunde blieben zunächst im Stadion, wollten erst einmal abwarten. Zudem hatten beide eine weite Anfahrt. „Sicherheitsbedenken im Stadion hatten wir nicht“, sagt Schulz. Diese seien erst später im Auto gekommen, als er wieder auf der Straße war. „Da habe ich gedacht: Kann jetzt noch etwas passieren?“, sagt Schulz.

Aber auch sonst seien die Fans beim Verlassen des Stadions sehr besonnen gewesen. „Man hat sich nicht bedroht gefühlt. Die Erschütterung ist irgendwie nicht mehr so groß wie beim ersten Anschlag in Paris. Auch wenn es natürlich unfassbar ist, wenn man das erste Mal selbst irgendwie betroffen ist.“

Gegen zehn Uhr machten sich die beiden wieder auf den Heimweg - Schulz 350 Kilometer nach Hamburg, Offergeld 450 Kilometer nach Nürnberg. Zuhause waren sie erst zwischen zwei und drei Uhr nachts. Beide müssen heute wieder arbeiten. Und beide werden beim Nachholspiel heute nicht dabei sein. „Wir wären gern geblieben, aber wir haben beide heute wichtige Termine“, sagt Schulz. So bleibt eine Reise nach Dortmund, die einen ganz faden Beigeschmack hat.

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