Welthandballer Fritz über Olympia-Aus und deutsche Aussichten

Aller Einsatz half nichts: Die Spanier (hier Kreisläufer Julen Aguinagalde beim Wurf) haben die Teilnahme an den Sommerspielen verpasst. Foto: dpa

Kassel. Stell dir vor, es geht um Olympia-Gold, und die spanischen Handballer sind im Turnier nicht dabei. Was eigentlich unvorstellbar schien, wird in diesem Sommer in Rio de Janeiro Wirklichkeit.

Die Iberer, im Januar erst im EM-Finale in Polen der deutschen Nationalmannschaft unterlegen und seit vielen Jahren eine der Top-Nationen in diesem Sport, verpassten am Wochenende bei der Qualifikation in Malmö die Chance, eines der beiden Tickets zu lösen.

Den Spaniern fehlte ein einziges Tor zum Weiterkommen. Da sie genauso wie Schweden und Slowenien 4:2 Punkte vorweisen konnten, musste eine Extra-Tabelle mit diesen drei Teams Aufschluss geben. Und da hatten die Skandinavier zwar auch eine Tordifferenz von -1, hatten aber einen Treffer mehr erzielt als das Team um Weltklasse-Kreisläufer Julen Aguinalgalde.

Wir haben dazu mit Henning Fritz (41) gesprochen. Der Welthandballer von 2004, inzwischen Handball-Experte beim Bezahlsender Sky, gewann mit der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) vor zwölf Jahren den EM-Titel und Silber bei den Olympischen Spielen in Athen.

Henning Fritz über...

... das Scheitern der Spanier: „Das ist wirklich schade und für den spanischen Verband, der ja auch auf Fördergeld angewiesen ist, ein echter Rückschlag.“

... die Ursachen für das Aus: „Die Spanier haben nicht innerhalb von zwei Monaten das Handballspielen verlernt. Das Ärgerliche ist der Modus, der aus meiner Sicht überdacht werden muss. Ich bin immer für eine sportliche Lösung und will keine Entscheidungen am Grünen Tisch. Aber es darf nicht sein, dass mit Spanien, Slowenien und Schweden drei Teams in einer Gruppe spielen, die es alle verdient hätten, nach Rio zu kommen. Zumal die Slowenen und die Schweden mittlerweile gut als Team funktionieren. Im Nachhinein kann Deutschland froh sein, dass es schon qualifiziert war.“

...die Auswirkungen für Rio: „Das olympische Turnier büßt ohne den Teilnehmer Spanien an sportlichem Wert ein. Neben Frankreich und den üblichen Verdächtigen gehört Deutschland dort zum Favoritenkreis.“

...die Entwicklung der deutschen Mannschaft: „Es war nicht nur erstaunlich, wie sich das Team bei der EM präsentiert hat, sondern auch danach. Bundestrainer Dagur Sigurdsson schafft es immer wieder, auch neuen Leuten so viel Selbstvertrauen zu geben, dass sie sich voll einbringen. Da sind so viele junge Spieler dabei, dass das Team über ein Jahrzehnt auf einem hohen Niveau spielen kann.“

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