„Wer rastet, der rostet“

Marathonläufer Ernst Tschöke vom KSV Baunatal wird nicht müde

Ein älterer Mann läuft auf dem Foto, Arme sind so in Bewegung.
+
Laufend unterwegs: Der 80-jährige Ernst Tschöke läuft Marathon. Er ist Ehrenmitglied des KSV Baunatals.

Ernst Tschöke ist gerade 80 Jahre alt geworden. Er wollte sich eigentlich selbst ein Geschenk machen: „Mit der Teilnahme am Berliner Marathon wäre mein Geburtstag definitiv schöner geworden“, sagt Tschöke.

Baunatal - Doch was hinderte ihn daran? Na klar, das Coronavirus. Weil der Marathon im vergangenen Jahr bereits ausfiel, machte sich der 80-Jährige für dieses Jahr keine Hoffnungen mehr. Auch weil er noch nicht geimpft ist. Er und seine Frau warten geduldig auf die erste Impfung.

Aber das wirft den Läufer keineswegs zurück – im Gegenteil: „Dann bin ich eben im nächsten Jahr dabei“, sagt Tschöke am Telefon. Ernst Tschöke ist das älteste Mitglied in der Marathonabteilung des KSV Baunatal. Und das mit Leib und Seele. Es macht ihm Spaß, die jüngeren Vereinsmitglieder mit seiner guten Laune anzustecken. „Sie wollen vom Ältesten immer einen Rat haben“, sagt Tschöke.

Ehrenmitgliedschaft beim KSV Baunatal

Er bekam zum 75. Geburtstag die Ehrenmitgliedschaft beim Verein verliehen.

Seine Karriere als Marathonläufer begann mit 41 Jahren. Durch Zufall. Er wollte sein Gewicht reduzieren und meldete sich dafür im Baunataler Parkstadion für das Deutsche Sportabzeichen an. Mit der Zeit häuften sich die Abzeichen in Gold. Ihm machte es nichts aus, den 3000 Meter-Lauf zwei oder sogar dreimal zu laufen. „So bin ich dann zur damaligen Marathon-Gruppe der LG Baunatal gekommen“, sagt der 80-Jährige.

So wurden die Distanzen immer größer und ein Halbmarathon im Training zur Normalität. Tschöke entwickelte eine regelrechte Leidenschaft für das Laufen – und teilt diese noch bis heute mit seinen Trainingspartnern. „Das ist das Wichtigste für mich. Ich genieße die Herzlichkeit im Verein“, sagt der frühere Koch. Richtiges Stichwort: Der 80-Jährige kennt sich bestens mit Ernährung aus. Das sei ein weiterer Indikator für sein Wohlbefinden und seine Fitness.

Ich genieße die Herzlichkeit im Verein.

Ernst Tschöke, 80 Jahre alter Marathonläufer beim KSV Baunatal

Er ist seit 2002 in Rente, aber vorher hat er als Küchenleiter in der Orthopädischen Landesklinik in Kassel gearbeitet. Dort war er unter anderem auf Diät-Speisen spezialisiert und hat deshalb viele Lehrgänge in diesem Bereich besucht. Und klar, neben Ernährung gehörten kaum Alkohol, nicht rauchen und viel Bewegung dazu.

Auf die Ernährung kommt es an

Alles Dinge, die Tschöke beachtet. „Meine Frau und ich gärtnern viel, essen viel aus dem eigenen Garten und gehen täglich spazieren.“

Zum täglichen Spaziergang kommt das Training noch hinzu: Er joggt „nur noch“ jeden zweiten Tag, sonst geht er eine schnellere Runde mit Stöcken. Zu viel machen sei auch nicht gut. „Aber: Wer rastet, der rostet“, sagt Tschöke und lacht.

Auch eine Operation an der Schulter im vergangenen Jahr und eine künstliche Hüfte sowie ein künstliches Knie halten ihn nicht davon ab, sich weiterhin auf einen zukünftigen Wettkampf vorzubereiten. „Ich kann das Laufen einfach nicht sein lassen. Es gibt ja weichen Untergrund.“ Damit spielt der 80-Jährige ganz locker auf sein künstliches Knie an, für das weicher Boden besser ist.

Seine Erfolge

Im März 1989 absolvierte Ernst Tschöke seinen ersten Marathonlauf mit 47 Jahren. In Kassel lief er die Distanz in 3:36 Stunden. Zwei Jahre später erzielte er in Hamburg seine Bestzeit: 3:12 Stunden. 2011 wurde er Altersklassensieger der M70 beim Kassel Marathon. Vor zwei Jahren wurde Tschöke hessischer Halbmarathonmeister der M75 in Bad Hersfeld. (Cora Zinn)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.