Das sagen Spieler, Trainer und Eishockey-Größen aus der Region zum Final-Einzug

Reaktionen auf den Triumph der Eishockey-Nationalmannschaft: „Wie das 7:1 gegen Brasilien“

Manuel Klinge

Kassel. Sie sind sprachlos, überrascht und ziemlich begeistert: Das sagen Spieler, Trainer und frühere Eishockey-Größen aus der Region zum sensationellen Finaleinzug der deutschen Nationalmannschaft:

Manuel Klinge

Manuel Klinge (30), 24-maliger Nationalspieler der Kassel Huskies, Olympiateilnehmer 2010 in Vancouver und Torschütze des bis dato letzten Tores bei Winterspielen gegen Kanada: Ich bin begeistert. Das war ein großes Aufbäumen gegen übermächtige Kanadier. Die Jungs haben ein riesiges Kämpferherz bewiesen und waren mit Leib und Seele dabei. Sie haben mich mitgerissen – und das kommt nicht oft vor. Bei Eurosport hat der Kommentator den Vergleich zur Fußball-WM und dem 7:1 gegen Brasilien gezogen. Genau so kam mir das auch vor. Ich muss gestehen, vor dem Spiel gegen Kanada habe ich unserer Mannschaft nicht so viel zugetraut. Aber jetzt geht’s um Gold. Das wird bei unseren Jungs vielleicht noch ein bisschen mehr Energie freisetzen als bei den Russen, die ja schon mehr gewonnen haben.

Wir erleben Eishockey-Geschichte mit. Bessere Werbung fürs deutsche Eishockey gibt es nicht. 

Markus Keller

Markus Keller (28), Torhüter der Kassel Huskies: Ich habe tatsächlich nur die letzten zwei Minuten gesehen, weil ich meinen obligatorischen Mittagsschlaf gehalten habe. Ohne den geht’s an Spieltagen nicht. Dann habe ich aufs Handy geschaut und sehe, es steht 4:3. Der Wahnsinn, ich habe es gar nicht glauben können.

Ich habe morgens noch gesagt: Wenn wir Kanada schlagen können, dann bei diesem Turnier. Egal, was jetzt passiert, der Finaleinzug ist ein Riesenerfolg. Jetzt ist alles möglich. Und wir Deutschen freuen uns die ganze Saison schon darauf, unseren Kanadiern im Team mal ein paar Sprüche mitzugeben.

Rico Rossi

Rico Rossi (52), kanadischer Trainer der Huskies, seit mehr als 20 Jahren in Deutschland: Das ist wundervoll. Ich habe eine viel größere Verbindung zur deutschen Mannschaft, sieben Spieler habe ich in den vergangenen Jahren selbst trainiert. Dann gab’s das Momentum, das zur deutschen Mannschaft gewandert ist. Irgendwann im Spiel fängst du an zu merken, dass es läuft und dann wächst der Glaube, dass etwas Großes möglich ist. Das ist einer der größten Erfolge in der Geschichte der Olympischen Winterspiele und steht auf einer Stufe mit dem Miracle on Ice von 1980.

Hugo Boisvert

Hugo Boisvert (42), Co-Trainer der Huskies mit deutschem und kanadischem Pass: „Das ist ein riesiger Erfolg fürs deutsche Eishockey. Ich muss aber gestehen, mir haben die ersten beiden Drittel gereicht. Danach habe ich nur noch aufs Ergebnis geschaut.“

Shane Tarves

Shane Tarves (63), erfolgreichster Torjäger der Huskies-Geschichte, Kanadier: Alle Achtung vor dieser deutschen Mannschaft. Allerdings bin ich auch ein wenig schockiert, wie schlecht die Kanadier teilweise waren. Ich bin absolut überrascht, wie die Deutschen im ersten und zweiten Drittel gespielt haben. Sie haben schöne Tore geschossen, bis zum Ende gekämpft und letztlich verdient gewonnen. Wer hätte gedacht, dass sie erst die Schweiz, dann die Schweden und dann auch noch die Kanadier schlagen? Am Sonntag kann jetzt alles passieren.

Jürgen Rumrich

Jürgen Rumrich (49), Manager des DEL-Teams Schwenningen, Ex-Husky und Kasseler Trainer, 182-maliger Nationalspieler, dreimal bei Winterspielen: Überragend. Eine Super-Mannschaftsleistung. Mit dem Bundestrainer Marco Sturm, mit Christian Ehrhoff und ein paar anderen habe ich selbst noch zusammengespielt und kann mir gut vorstellen, wie sich die Jungs jetzt fühlen. Es ist ganz, ganz wichtig für das deutsche Eishockey, dass wir das mal geschafft haben. Ich habe schon nach dem Sieg gegen Schweden gesagt, dass wir Kanada schlagen können. Denn gegen Skandinavier tun wir uns immer schwerer. Sonntag stelle ich mir natürlich den Wecker. Finale. Klar, die Russen sind großer Favorit. Aber mit unserer Einstellung und der Art, wie die Mannschaft auftritt, haben wir eine Chance. Dann brechen alle Dämme – wenn sie das nicht schon sind.

Charly Fliegauf

Charly Fliegauf (57), Sportdirektor des DEL-Teams Grizzly Adams Wolfsburg: „Das ist der Tag im deutschen Eishockey! Da muss man den Pepita-Hut von Xaver Unsinn ziehen. Das gab’s noch nie. Man muss auch die Entwicklung sehen, das war nur gefühlte 20 Stunden nach dem Sieg gegen Schweden. Die Pause war sehr gering, dafür haben die Deutschen sehr effizient und mit den nötigen Selbstvertrauen gespielt.

Es freut mich vor allem für unsere Wolfsburger Jungs Björn Krupp und Gerrit Fauser. Das werden sie ihr Leben lang nicht vergessen. Sie haben Geschichte geschrieben.

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