WBV 82 Kassel vor Neustart

Wie geht’s weiter mit dem  Wasserball?

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Wasserratten: Das Aufgebot des WBV 82 Kassel mit (von links) Martin Spangenberg, Kevin Kirmes, Kevin Mischok, Petra Schuurmans, Robbert Schuurmans, Karsten Mauke, Timur Schagirow, Trainer Karol Patas, Matthias Kahlert, Marco Kirmes und Marcus Thielemann. 

Seit zwei Jahren ist der Spielbetrieb eingestellt. Und seither kämpft die Wasserballvereinigung 82 Kassel (WBV) um ihr Bestehen. Ans Aufgeben denkt der Klub trotz der prekären Situation noch lange nicht. Wir haben beim Training vorbeigeschaut. 

Das große Problem: Es gibt in der Region immer weniger Menschen, die sich für die Sportart begeistern und aktiv daran teilnehmen. „Nordhessen und Wasserball – diese beiden Begriffe sind sich fremd“, sagt Karol Patas. Es ist es eine ziemlich traurige Bestandsaufnahme, die der mittlerweile auch für die Jugendarbeit zuständige Trainer macht. Aber sie ist zutreffend. Im Gespräch wird schnell deutlich, dass Wasserball für ihn eine Herzensangelegenheit ist.

Patas blickt zurück auf alte Zeiten, als diese sehr körperbetonte und anstrengende Sportart noch populär war. Er berichtet über seine eigenen Anfänge. Und er erzählt von Freundschaften, die bis heute Bestand haben – und zwar wegen des Wasserballs.

Vor zwei Jahren kam im Verein der Bruch. Viele Spieler, die an der Universität Kassel studiert hatten, hörten auf. Entweder zogen sie fort oder der zeitliche Aufwand war zu groß. „Unter diesen Umständen war kein Spielbetrieb mehr möglich“ erklärt Patas. Trotzdem gab es noch ausreichend Spieler, um eine Herrenmannschaft zu stellen. Allerdings sind das vorwiegend diejenigen, die schon seit der Gründung des Vereins im Jahr 1982 dabei sind. Kurzum: Bedingt durch das gehobene Alter der übrig gebliebenen Spieler ging auch das sportliche Niveau etwas verloren.

„Sich jedes Mal eine Packung abzuholen, macht auf Dauer auch keinen Spaß“, sagt Karsten Mauke, zweiter Vorsitzender des Vereins. Er spricht von der WBV als „letzte Bastion“, was den nordhessischen Wasserball angeht. Und gerade deswegen ist der Verein bemüht, nicht nur Interessierte hinzuzugewinnen, sondern auch die Jugendarbeit voranzutreiben.

Zwölf Kinder betreut Patas aktuell. Montags beschränken sich die Trainingseinheiten im Kasseler Auebad auf reine Schwimmübungen. Mittwochs wird dann auch mit dem Ball trainiert. Dabei erregen die Wasserballer nicht selten das Interesse vieler anderer Badegäste, die zuschauen und bisweilen auch nachfragen. Dennoch entschließt sich kaum jemand, selbst zum Training zu kommen. Dabei ist sich Patas sicher: „Wer das einmal ausprobiert hat, der bleibt auch dabei.“

Drei Faktoren spielen beim Wasserball eine wichtige Rolle: Kondition, Schwimmen und Ballgefühl. Um diese Faktoren in Einklang zu bringen, bedarf es allerdings viel Übung und noch mehr Zeit. Dabei gilt ein alter Grundsatz: Ein guter Schwimmer ist nicht gleich ein guter Wasserballer.

Langfristig will der Verein zurück in den Ligabetrieb. Dann allerdings in Niedersachsen, wo die WBV in der Vergangenheit bereits aktiv war. „Das ist unser großes Ziel“, sagt Vorsitzender und Gründungsmitglied Matthias Kahlert und fügt hinzu: „Es geht ums Überleben.“ Wie beim Wasserball überhaupt, der das Problem vieler im Fernsehen selten vertretener Randsportarten teilt.

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