Motto der Skispringer in Willingen: Mittendrin statt weit entfernt

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Willingen. Premiere am Mühlenkopf: Erstmals ist bei einem Weltcup das Springerlager direkt im Auslauf zu finden.

Mittendrin statt oben an der Schanze außen vor: So lautet an diesem Wochenende erstmals das Motto für die Skispringer bei einem Weltcup. Die Container, in denen sie sich aufhalten, stehen in einem abgetrennten Bereich direkt neben Würstchen-Buden und den Zuschauerrängen. Nur ein Zaun trennt die Athleten von den Fans. Nebenan wachsen die Techniker in einem Pavillon mit großen Glasscheiben die Skier. Näher dran waren die Zuschauer noch nie.

Entsprechend groß ist die Begeisterung der Fans. „Das ist eine ganz andere Ausrichtung des Sports. Es ist viel publikumsnäher. Wir können die Technik verfolgen und besser verstehen“, sagt der Korbacher Reinhold Sude, der gemeinsam mit Enkel Noah Stuhlmann das Geschehen in der ersten Reihe am Sperrzaun beobachtet.

Weiterer Vorteil für die Fans: „Wir können viel schneller an Autogramme kommen“, erklärt Noah. Auch bei den Verantwortlichen kommt die Neuerung gut an. Initiator Walter Hofer, Renndirektor des Weltverbandes FIS, ist zufrieden. „Mir gefällt es gut. Es läuft nahezu optimal, ich bin zufrieden“, sagt er.

Doch durchweg positiv wird die Verlagerung des Springerlagers nicht von allen Beteiligten gesehen. Der Österreicher Andreas Kofler beispielsweise sagt: „Für die Athleten ist es nicht so fein. Die Vorbereitungszeit verlängert sich. Wenn ich die Bahn nicht rechtzeitig erwische und zu spät zum Start komme, habe ich ein Problem. Für die Zuschauer allerdings ist es natürlich schon eine klasse Sache.“ Dann lacht er und ergänzt: „Man kann sich an alles gewöhnen.“ Und Stephan Leyhe sagt: „Für die Zuschauer ist es toll, die sind jetzt richtig nah dran. Die Idee an sich finde ich auch ganz gut, die Container könnten aber ruhig etwas größer sein, darin ist nicht gerade viel Platz für uns.“

Tag 1 beim Skispringen in Willingen

Derweil haben die Techniker, die ihre Kabinen zu den Zuschauerrängen hin haben, die Glasfenster mit Postern und Fahnen abgeklebt. Der Grund: Sie wollen sich nicht beim Arbeiten über die Schulter schauen lassen. Gerhard Hofer vom Schweizer Team erklärt: „Ich selbst finde es klasse, dass die Wachser auch mal nah dran sind und aus einer anderen Perspektive zusehen können. Die Zelt-Idee finde ich auch ganz gut gelöst. Das größte Problem ist aber die Glasfront. Fachleute können sofort Rückschlüsse auf unseren Wachs, die Struktur unserer Skier ziehen und entsprechend darauf reagieren. Man lässt sich eben nicht gern in die Karten schauen.“

Ob der Premiere eine Fortsetzung folgt, steht bisher noch nicht fest.

Von Friederike Göbel und Michaela Streuff

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