Gentleman in Funktionskleidung

Renndirektor Walter Hofer tritt im März zurück – in Willingen immer dabei

Renndirektor Walter Hofer tritt im März zurück – in Willingen immer dabei
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Ein letztes Mal als Renndirektor an der Mühlenkopfschanze in Willingen: Walter Hofer.

Renndirektor Walter Hofer gibt im März seinen Job als Renndirektor des Internationalen Skiverbands Fis ab.

Willingen – Walter Hofer hat sein linkes Bein lässig auf einem Stuhl abgelegt. Er führt zwei kurze Telefonate. Gerade ist die letzte Mannschaftsführersitzung vor dem Start des Skisprung-Weltcups in Willingen zu Ende gegangen. Als Offizieller ist Hofer das letzte Mal im Upland. Nach der Skiflug-WM in Planica im März gibt er seinen Job als Renndirektor des Internationalen Skiverbands Fis ab. Freiwillig. 

Er ist durchaus stolz, dass er seinen Abschied selbst bestimmt hat. „Das ist ein Privileg“, sagt er. Wer Walter Hofer einmal erlebt hat, der wundert sich nicht, dass der heute 64-Jährige das Skispringen 28 Jahre lang im Griff hatte. Hofer wirkt tiefenentspannt, freundlich, unaufgeregt. In Willingen musste er mit entscheiden, dass die Qualifikation wetterbedingt erst um drei Stunden nach vorn verlegt – und am Ende dann doch komplett abgesagt wird. 

Nervös machen ihn solche Kapriolen nicht. Nicht mehr. Zu viel hat er in fast drei Jahrzehnten auf den Türmen an den Schanzen erlebt. Als Arbeit hat er das eigentlich nicht empfunden. „Das war es nie für mich. Eher ein Hobby“, sagt er. Dass er Spaß hat, ist ihm anzumerken. Vielleicht ist er auch deswegen jung geblieben. Frisch rasiert läuft er durch das Hotel Sauerlandstern, eine randlose Brille auf der Nase, den Körper in einer blauen Jacke mit orangenem Rand, einer schwarzen Hose und weißen Sneakern verpackt. Funktionskleidung. 

Hier und da grüßt er die Leute, bleibt stehen, unterhält sich. Jeder hier kennt ihn. Auch das hat ihm die Zeit geschenkt. Hofer hatte keinen Vorgänger als Renndirektor. Ganz einfach, weil es diese Position noch nicht gab. Ein Nachfolger steht dagegen schon fest. Der Italiener Sandro Pertile übernimmt, wenn Hofer in den freiwilligen Ruhestand geht. Und der soll endgültig sein. „Ich werde keine andere Position einnehmen. Beim Skispringen werde ich maximal im Zuschauerbereich zu finden sein“, sagt er. 

Dabei hat dieser Sport dem in Kärnten geborenen Österreicher so viel zu verdanken. Es war vor allem Hofers Verdienst, dass das Skispringen heute in dieser modernen und zuschauerfreundlichen Form daherkommt. Damals – 1992 – habe es in Oberstdorf 125 Starter gegeben. Irgendwann sei abgebrochen, der Anlauf verändert worden, und dann ging alles wieder von vorn los, erzählte er vor Kurzem in einem Interview, 

Zusammengefasst sieht Hofer die Entwicklung des Skispringens unter seiner Führung so: „Uns ist es gelungen, beim Material für Chancengleichheit und Fairness zu sorgen. Das Springen ist sicherer geworden. Und für die Athleten ist es heute ein Produkt, von dem sie leben können.“ Er sei dabei nur die Spitze von einem Ding, das dafür gesorgt hat. Die Spitze seines Teams. Den Willinger Weltcup kennt Hofer von der ersten Stunde an. Für ihn ist er ein „Kultevent mit Sonderstatus“. „Willingen ist geprägt vom Lokalkolorit, das ist nicht mit anderen Standorten vergleichbar. Er erinnere sich an zwei prominente Athleten, die zum Ende ihrer Karriere bereits in der Quali gescheitert seien – und dann das Nachtleben genossen, statt abzureisen. „Das ist hier so. Man bleibt stehen, sitzen, wird aufgenommen“, sagt er. 

Vielleicht bleibt Hofer demnächst nicht stehen oder sitzen, sondern einfach einmal länger liegen. Er möchte sich in Zukunft mehr seinen eigenen sportlichen Hobbys widmen. Auch wenn er bislang noch nicht viel an seinen Abschied gedacht habe. „Wenn ich nicht darauf aufmerksam gemacht werde, dann denke ich nicht daran. Dafür bin ich einfach viel zu beschäftigt“, sagt er. Und doch nimmt er sich Zeit für die Menschen, die an ihm interessiert sind. Ein Gentleman eben. Nicht im Anzug, einer in Funktionskleidung.

Von Maximilian Bülau

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