Ausgang Nebensache

Willkommenspartie in St. Pauli: Club lädt  1000 Flüchtlinge zu Testspiel gegen Dortmund ein

Ablenkung vom Alltag: Flüchtlinge feiern vor der Partie am Millerntor. Foto: dpa

Kassel. Dass Fußballanhänger in Scharen – oft von der Fan-Kultkneipe Jolly Roger aus – die Budapester Straße entlang laufen, um zum Millerntor-Stadion auf dem Heiliggeistfeld zu kommen, ist ein bekanntes Bild bei Heimspielen des FC St. Pauli.

Doch unter den Gruppen, die sich zum freundschaftlichen Vergleich zwischen dem Zweitligisten und Bundesliga-Spitzenmannschaft Borussia Dortmund aufmachten, stießen einige heraus. Denn der gastgebende Kiezklub hatte die Partie unter das Motto „Refugees welcome“ gestellt – und hieß dazu mehr als 1000 Flüchtlinge aus Erstaufnahmeeinrichtungen in Hamburg willkommen.

Peer Fricke, langjähriger St.-Pauli-Fan und früher als Journalist bei der HNA in Kassel tätig, war dabei und von der Aktion seines Lieblingsvereins tief beeindruckt: „Eine rundum gelungene Sache.“

Die Höhepunkte eines Abends, bei dem das Ergebnis von 2:1 für die Borussen letztlich so bedeutend war wie die Frage, ob BVB-Trainer Thomas Tuchel das Fehlen von Nationalspieler Mats Hummels kompensieren konnte.

Vor dem Spiel

Die Begegnung wurde um 18.30 Uhr angepfiffen. Emotional wurde es bereits, als das Jolly Roger noch gar nicht geöffnet hatte. „St. Pauli, St. Pauli“, skandierten 100 Flüchtlinge bei ihrer Ankunft auf dem Platz vor der Südtribüne. „Einige FC-Fans überließen ihnen spontan ihr Trikot“, erzählt Fricke. Es wurden Freundschaften geknüpft. WÄHREND DES SPIELS

Der FC St. Pauli wäre nicht der FC St. Pauli, wenn er für die Flüchtlinge einen bestimmten Block bereitgestellt hätte. Sie wurden praktisch auf alle Ränge verteilt. „Im Millerntor-Stadion herrscht sowieso viel Multi-Kulti, da war kaum zu erkennen, wer wo seinen Platz hatte“, berichtet Fricke, Mitarbeiter der NDR-Online-Redaktion.

26 731 Zuschauer waren dabei. Wo sonst „St. Pauli“-Sprechchöre zu hören sind, riefen die Anhänger diesmal: „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here.“ Nach Einschätzung von FC-Trainer Ewald Lienen reicht es aber nicht, es laut und klar zu sagen: „Wir müssen das auch im Alltag umsetzen. Auch bei uns gibt es Spieler und Trainer, die sich sehr engagieren und zum Beispiel Trainingseinheiten mit Flüchtlingen machen. Es ist unsere Aufgabe, sie hier willkommen zu heißen.“

Nach dem Spiel

Beide Mannschaften drehten nach der Partie auf dem Platz gemeinsam eine Ehrenrunde. Dabei hielten sie ein Banner hoch: „Refugees welcome.“

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