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Basketball-Bundestrainer Gordon Herbert im Interview: „Wir wollen eine Medaille gewinnen“

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Von: Björn Friedrichs

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Mann klarer Ansagen: Basketball-Nationaltrainer Gordon Herbert spricht mit seinem Kapitän Dennis Schröder (Zweiter von rechts). Auch Christian Sengfelder (links) und Johannes Voigtmann hören zu.
Mann klarer Ansagen: Basketball-Nationaltrainer Gordon Herbert spricht mit seinem Kapitän Dennis Schröder (Zweiter von rechts). Auch Christian Sengfelder (links) und Johannes Voigtmann hören zu. © IMAGO/Eibner

Die Basketball-EM startet morgen und ist für das deutsche Team ein Turnier vor der Haustür. Die Vorrunde steigt in Köln, die Finalrunde in Berlin. Ein Gespräch mit Bundestrainer Gordon Herbert.

Die Heim-EM steht an – und die deutsche Basketball-Nationalmannschaft ist pünktlich in Form. Gegen Titelverteidiger Slowenien wurde das letzte Spiel vor dem Auftakt mit 90:71 gewonnen, morgen wartet mit Frankreich (20.30 Uhr, MagentaSport) gleich ein dicker Brocken auf das Team. Wir erreichen Bundestrainer Gordon Herbert am Dienstag kurz nach der Ankunft in Köln. Mit der Mannschaft sitzt er im Bus auf dem Weg zum Hotel, es warten Pressekonferenz und Medientermine. Was rechnet er sich aus, wen sieht er vorn mit dabei? Und wie kam ein Kanadier mit finnischem Zweitpass überhaupt zum Basketball?

Sie sind Kanadier, haben außerdem einen finnischen Pass. In beiden Ländern ist Eishockey die beliebteste Sportart. Wie sind Sie denn beim Basketball gelandet?

(lacht) Ich bin mit Eishockey aufgewachsen, es war mein Lieblingssport. Dann bin ich als kleiner Junge aber extrem gewachsen und so zum Basketball gekommen. Ich schaue als Fan der Vancouver Canucks aber weiterhin auch viel Eishockey.

Sie haben in Kanada und den USA studiert. Wie sind Sie dann 1982 nach Finnland gekommen?

Ich habe meinen Bachelorabschluss in den USA gemacht und bin dann nach Finnland gegangen, um dort meinen Master abzuschließen – und Basketball zu spielen.

Sie haben in Finnland und Belgien gespielt, waren außerdem als Trainer neben Deutschland noch in einigen anderen Ländern tätig. Warum lief es schon auf Vereinsebene für sie in Deutschland am besten?

Ich war und bin immer gerne in Deutschland. Die Organisationen sind exzellent, die Leute arbeiten alle auf einem professionellen Niveau. Es ist gut, hier zu arbeiten.

Die Europameisterschaft ist nach dem Titelgewinn 1993 und dem Vorrunden-Aus 2015 wieder zu Gast in Deutschland. Was sind Ihre Ziele?

Das Ziel ist klar: Wir wollen eine Medaille gewinnen, auf das Podium kommen.

Aber Sie haben ja erst mal eine harte Gruppe mit den Spitzenteams Frankreich, Slowenien und Litauen zu überstehen.

Es ist wirklich eine extrem starke Gruppe, die stärkste der EM. Das wird eine tolle Herausforderung für uns.

Ihr Team besteht aus Spielern, die in der deutschen BBL, in der NBA und auch verteilt in Europa spielen. Auf wen können sich die Fans am meisten freuen?

Ich denke, wir haben viele Spieler, mit denen sich die Fans identifizieren können. Dennis Schröder hat viel NBA-Erfahrung, Franz Wagner hat dort als Talent einen großen Aufschwung erlebt. Johannes Voigtmann hat großen Erfolg in Europa. Ich denke, wir haben eine wirklich gute Gruppe an Spielern.

Wird NBA-Profi Daniel Theis trotz seiner Knieprobleme mitspielen können?

Das werden wir erst in den nächsten beiden Tagen herausfinden.

Ihre letzten Vorbereitungsspiele gehörten zugleich zur WM-Qualifikation. So etwas scheint in anderen Sportarten undenkbar. War das von Vor- oder Nachteil?

Ich denke, das war gut für uns, schon mal solche Druckmomente zu haben. Wir haben dort mit Slowenien gegen den Titelverteidiger und ein wirklich starkes Team gespielt, zuvor ja auch schon gegen das starke Serbien.

Slowenien haben Sie besiegt. Gehört Deutschland jetzt zu den Favoriten bei der EM? Oder eher zu den Geheimfavoriten?

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. (lacht)

Slowenien, Griechenland, Spanien, Frankreich, Serbien und, und, und – wer ist in Ihren Augen der größte Favorit auf den EM-Titel?

Ich glaube, es gibt neun oder zehn sehr starke Teams bei dem Turnier, es ist exzellent besetzt. Man kann da nicht den einen Top-Favoriten herauspicken. Für den Titelgewinn muss man gut drauf sein, ein bisschen Glück und keine Ausfälle haben.

Und warum kann Ihre Mannschaft eine Medaille holen?

Wir haben eine gute Chemie, spielen und kämpfen zusammen. Wenn wir das zeigen, können unsere Fans mit ihrem Enthusiasmus zu einem sechsten Feldspieler werden.

Es sind viele NBA-Stars wie Luka Doncic, Giannis Antetokounmpo und Nikola Jokic dabei. Wird es die beste EM aller Zeiten?

Ja, es sind wirklich großartige Spieler mit viel Star-Power dabei. Das Turnier ist eine tolle Möglichkeit für den Basketball in Deutschland und auch für die Fans, diese Spieler mal live vor Ort zu sehen.

Zum Ende noch mal zurück zum Thema Eishockey: Da hat sich die Nationalmannschaft in jüngerer Vergangenheit durch tolle Turniere in den Fokus gespielt. Ist das so etwas wie ein Vorbild für Ihr Team?

Die Eishockeyspieler haben das sehr gut gemacht, das war schon überraschend. Sie haben in den vergangenen Jahren gezeigt, was möglich ist, wenn man als Mannschaft auftritt und füreinander alles gibt. Ich verfolge den Sport ja auch intensiv. Dieses Jahr war, glaube ich tatsächlich, das erste, in dem ich mehr Basketballspiele als Hockey gesehen habe. (lacht)

Zur Person

Gordon Herbert (63) wurde in Penticton/Kanada geboren. Nach dem Bachelor in den USA ging er für das Masterstudium und die Basketball-Karriere nach Finnland. Mit einer kurzen Unterbrechung spielte er dort von 1982 bis 1994, war als kanadischer Nationalspieler unter anderem bei den Olympischen Spielen 1984 dabei.

Als Trainer war er in Finnland, Österreich, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Kanada, Georgien und Russland tätig. Seit 2021 ist er deutscher Nationaltrainer. Herbert ist seit 1985 mit einer Finnin verheiratet und hat zwei Söhne.

Von Björn Friedrichs

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