Zweimal Weltklasse

Wolff und Heinevetter lassen DHB-Team träumen

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Das wohl beste Torwart-Duo der Handball-WM: Andreas Wolff (l.) und Silvio Heinevetter.

Rouen - Nach seiner Nicht-Berücksichtigung zum Auftakt lief der deutsche EM-Held Andreas Wolff gegen Chile zur Höchstform auf. Zusammen mit Silvio Heinevetter bildet Wolff das wahrscheinlich beste Torwart-Duo des Turniers.

Plötzlich war der alte Wolff wieder da. Wohin die Reise des deutschen Teams bei der WM noch geht? "Es geht bis ins Finale. Und dann auf irgendeinen Rathausbalkon feiern", sagte der Torhüter, vollgepumpt mit Adrenalin nach seinem bärenstarken Auftritt gegen Chile. Seine Augen funkelten. Andreas Wolff war zurück in seinem Element. Endlich.

Volle 60 Minuten hatte der ehrgeizige Keeper zum Turnier-Auftakt auf der Bank geschmort. Hatte zusehen müssen, wie ihm Torwart-Kollege Silvio Heinevetter mit einer Glanzvorstellung gegen Ungarn die Schau stahl - ehe sich Wolff am Sonntag mit spektakulären Paraden zurück ins Rampenlicht katapultierte. "In Verbindung mit Silvio Heinevetter bildet er sicherlich das beste Torhüter-Duo, das es bei der WM gibt", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning sichtlich zufrieden: "Und wenn man weiß, dass die Defensive entscheidend ist, um große Ziele zu erreichen, dann ist es zentral im Handball, zwei überragende Torhüter zu haben."

Wolff hielt. Und hielt. Und hielt

Wie sehr Wolff die Degradierung im wichtigen Spiel gegen Ungarn (27:23) gewurmt hatte, war am Sonntag nur schwer zu übersehen. Wolff hielt. Und hielt. Und hielt. Doch bei keiner seiner 16 Paraden (53 Prozent Fangquote!) verzog der sonst so emotionale Torhüter eine Miene. Anstatt sich öffentlich zu beschweren, ließ Wolff, im eigenen Selbstverständnis seit dem EM-Triumph vor Jahresfrist eigentlich klare Nummer eins, bei seiner persönlichen WM-Premiere Taten sprechen.

Bundestrainer Dagur Sigurdsson beobachtete das Balzverhalten seiner beiden Alphatiere im Tor mit Genugtuung. Zum Turnierstart hatte der Isländer, für viele überraschend, Heinevetter den Vorzug gegeben - und lag damit goldrichtig. Gegen Chile beorderte er Wolff zwischen die Pfosten. Das Ergebnis ist bekannt.

"Ich bin einfach froh, dass beide in guter Form sind", sagte Sigurdsson: "Damit haben wir gute Chancen. Mannschaften, die gute Torhüter haben, haben immer gute Chancen. Da darf man sich ein paar Fehler mehr im Angriff leisten."

Keine klare Nummer eins

Eine klare Nummer eins wie beispielsweise im Fußball gibt es unter Sigurdsson nicht - und die Strategie scheint aufzugehen. Zwar gelten Wolff, seit dem EM-Triumph das Gesicht des deutschen Handballs, und Heinevetter, der Liebling des Berliner Boulevard, nicht als dickste Kumpels im Team, die Erfolgs-Besessenheit schweißt sie aber zusammen.

"Sich zu reiben, ist ja nicht verkehrt", sagte Verbandsvize Hanning: "Sich dabei zu respektieren, das ist das, was wertvoll ist. Und das tun die beiden." Beide hätten den Ehrgeiz, 60 Minuten lang zu spielen: "Aber sie akzeptieren den jeweils anderen und unterstützen sich. Wenn du so eine Kombination hinkriegst, dann ist es gewinnbringend für den deutschen Handball."

„Wir sind beide speziell“

Heinevetter, der durch sein unorthodoxes Torwartspiel besticht und bei Paraden auch gern mal quer in der Luft liegt, beschreibt das Verhältnis zu Wolff als "anders" im Gegensatz zu vorherigen Kollegen. "Wir sind beide keine Typen, die man in ein Schema reindrücken kann. Wir sind beide speziell, keine Frage", sagt der 32-Jährige und betont: "Aber zwischen uns ist alles paletti." Der Konkurrenzgedanke sei "immer leistungsfördernd".

Das ist nicht nur bei Wolff zu beobachten. Seitdem Heinevetter bei der EM im vergangenen Jahr zuschauen musste, zeigt seine Formkurve steil nach oben. Im Klub bei den Füchsen Berlin beweist er konstant seine Klasse. Und auch in der Nationalmannschaft rechtfertigt er Sigurdssons Vertrauen, legte zusammen mit Wolff schon in Rio das Fundament für Olympiabronze.

Auch Lautsprecher Wolff geht mit der neuen Situation professionell um. Ob er nach seiner glanzvollen Rückkehr Ansprüche auf einen Startplatz in der Partie am Dienstag gegen Saudi-Arabien stellt? "Ich mache mir da keine Gedanken", sagte Wolff grinsend, "und genieße den freien Tag".

SID

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