Zwei Rekorde für die Ewigkeit

Wie die Baseballspieler Joe DiMaggio und Ted Williams im Kriegssommer 1941 die US-Nation abgelenkt haben

Die Baseballspieler Joe DiMaggio von den New York Yankees (links) und Ted Williams (Boston Red Sox) unterhalten sich auf dem Spielfeld.
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Zwei Legenden ihres Sports: Joe DiMaggio von den New York Yankees (links) und Ted Williams (Boston Red Sox) waren trotz der großen Rivalität ihrer Teams befreundet.

Sommer 1941 – der Zweite Weltkrieg hält die Welt in Atem. Nur Amerika will nicht hineingezogen werden. Zwei Baseballspieler lenken die Nation mit Rekorden für die Ewigkeit ab.

Am 15. Mai landete Schlagmann Joe DiMaggio einen Hit gegen die Chicago White Sox. Zu diesem Zeitpunkt nichts Besonderes für den 25-jährigen Star der New York Yankees. Doch es war der Anfang einer unglaublichen Serie.

Tag um Tag traf DiMaggio und verlängerte seine Hitting Streak, bis er die bis dato längsten Trefferserien von legendären Spielern übertraf. Den Rekord von 44 Spielen mit Hit in Folge stammte von Willie Keeler aus dem Jahr 1897, als Baseball noch ganz anders gespielt wurde.

Zwei Baseballrekorde für die Ewigkeit: DiMaggios Serie riss erst nach 56 Spielen

Amerika fieberte mit DiMaggio mit, der wegen seines kraftvollen Schwungs den Spitznamen Joltin’ Joe (ruckhafter Joe) erhielt. Er war ein Star, der die erfolgsverwöhnten Yankees seit 1936 zu vier Meisterschaften in Folge geführt hatte. Der Druck lastete auf dem introvertierten DiMaggio, der zu viel rauchte und Magengeschwüre hatte.

Doch nach außen ließ sich der stets perfektionistische Sohn sizilianischer Einwanderer aus San Francisco nichts anmerken. Der Held ließ das Land träumen. Die Serie riss nach 56 Spielen am 17. Juli in Cleveland. Der Rekord steht bis heute.

Statistik im Baseball

In der US-Profiliga MLB trägt jedes Team von April bis Oktober 162 Spiele aus. Dabei werden alle Spieler genau analysiert. Die wichtigste Statistik für Batter ist der Schlagdurchschnitt: Die dreistellige Quote gibt an, wie viele Hits ein Spieler pro Auftritt am Schlagmal (At-Bat) hat, wobei jeder Spieler etwa fünf Mal pro Spiel an der Reihe ist und Freiläufe (Walks) nicht mitgezählt werden. Ein Schnitt von .200 gilt als Minimum, .300 ist gut, und starke Hitter treffen im Schnitt etwa ein Mal pro drei At-Bats (.333).

Für einen .400er-Durchschnitt für eine Saison, wie ihn Ted Williams 1941 zuletzt erreicht hat, muss ein Spieler etwa zwei Treffer pro Spiel landen. Schlechte Tage ohne Hit kann er sich kaum leisten, denn dafür müsste er an anderen drei oder vier Hits verbuchen. Das schaffen selbst die Besten nicht oft.

Serien mit einem Treffer pro Spiel dauern selten länger als 20 Spiele, nur 55 Mal in der Geschichte währten sie 30 Spiele oder länger. Joe DiMaggio hält mit 56 Spielen 1941 den einsamen Rekord

Danach richtete sich die Aufmerksamkeit der Nation zunehmend auf den erst 22 Jahre alten Ted Williams. Der Spieler der Boston Red Sox begann die Saison Anfang April mit einem gebrochenen Fuß. Doch im Mai war er wieder auf der Höhe. Wie DiMaggio startete auch Williams am 15. Mai eine Hitting Streak, die aber nur 22 Spiele hielt.

Zwei Baseballrekorde für die Ewigkeit: Williams schlug so konsistent wie kaum einer vor ihm

Doch abgesehen von einzelnen Spielen ohne Hit traf der schlaksige Junge aus armen Verhältnissen in San Diego mit großer Gleichmäßigkeit. Sein Schlagdurchschnitt stieg langsam auf über .400. Seit den 1920er-Jahren, als sich das Baseballspiel mit der Einführung härterer Bälle und kleinerer Stadien grundlegend wandelte, hatte kein Spieler mehr eine ganze Saison so konsistent geschlagen.

Kampfpilot in zwei Kriegen: Ted Williams wurde 1943 für drei Jahre eingezogen und diente später erneut im Koreakrieg.

Doch im September sank Williams’ Durchschnitt langsam Richtung der magischen .400er-Marke (siehe Artikel unten: So funktioniert Baseball). Die Nation fieberte auch mit ihm mit, doch Williams wurde nicht geliebt wie DiMaggio. Während dieser stets auf sein makelloses Image achtete, pfiff Williams darauf, was andere dachten.

Arrogant konzentrierte er sich ganz aufs Schlagen und vernachlässigte die Verteidigung. Er beleidigte seine Teamkameraden, führte einen Kleinkrieg mit den Sportreportern und legte sich regelmäßig mit Fans an. „Ich war wütend auf die Welt, wütend auf alle. Deshalb ging ich mit größter Entschlossenheit ans Schlagmal“, sagte Williams später rückblickend.

Zwei Baseballrekorde für die Ewigkeit: William zeigt Glanzleistung am letzten Spieltag

Vor dem letzten Spieltag 1941 in Philadelphia stand sein Schlagdurchschnitt bei .39955, gerundet .400. Er hätte es aussitzen können, doch das sah Williams, dem seine Konzentration auf das Spiel den Ehrentitel Teddy Ballgame einbrachte, nicht ähnlich. Er wollte es allen zeigen. Und das tat er: Während des Doppelspieltags am 28. September traf er bei sechs von acht At-Bats und beendete die Saison mit einem Durchschnitt von .406.

Nie wieder hat ein Spieler das über einen ganzen Sommer geschafft. Seit Jahrzehnten liegen die besten im Saisonschnitt um .350, ganz selten bei .370. Weil die Werfer noch besser geworden sind und auch deutlich mehr Ersatzwerfer eingesetzt werden, dürfte Williams Marke wohl nie wieder erreicht werden – ebenso wenig wie der Rekord Joe DiMaggios.

Zwei Baseballrekorde für die Ewigkeit: DiMaggios Ehe mit Marily Monroe hielt nur neun Monate

In jedem anderen Jahr hätte Williams Schlagdurchschnitt sicher zu höchsten Ehren geführt, aber mit seinem Fabelrekord wurde der Nationalheld DiMaggio zum besten Spieler gewählt. Er gewann mit den Yankees auch die Meisterschaft – und vier weitere bis zu seinem nach Verletzungen frühen Karriereende 1951. Danach machte DiMaggio vor allem Schlagzeilen, weil er Marilyn Monroe heiratete. Die Ehe der beiden einsamen Stars hielt nur neun Monate. DiMaggio starb 1999 mit 84 Jahren an Lungenkrebs.

Zwei einsame Stars: Die Ehe von Joe DiMaggio und Marilyn Monroe 1954 hielt nur neun Monate.

Williams hat bis zu seinem Rücktritt 1960 mit den Boston Red Sox nie eine Meisterschaft gewonnen. Er gilt als einer der besten Schlagmänner der Baseballgeschichte und starb 2002 mit 83 Jahren..

Zwei Baseballrekorde für die Ewigkeit: Nach Pearl Harbor waren auch die USA im Krieg

Zwei Monate und einen Tag nach dem Ende der Meisterschaft 1941 griffen die Japaner Pearl Harbor an. Amerika war nach einem Sommer, in dem der Sport die Nation abgelenkt hatte, nun doch im Krieg. Baseball wurde auf Geheiß von Präsident Franklin Roosevelt weiter gespielt, die jungen Spieler mussten aber dienen – auch die Helden Joltin’ Joe und Teddy Ballgame.

So funktioniert Baseball: Das liebste Spiel der Amerikaner seit 1839

Baseball wird seit 1839 gespielt. Die Regeln sind in Deutschland wenig bekannt. Ein Überblick: Zwei Teams à neun Spieler treten gegeneinander an. Das Spiel ist geteilt in neun zeitlich nicht begrenzte Abschnitte (Innings), in denen zunächst die Gäste im Angriff sind und Punkte erzielen können. Das Heimteam ist in der Verteidigung und muss verhindern, dass die gegnerischen Läufer das quadratische Innenfeld umrunden und einen Lauf erzielen.

So funktioniert Baseball: Das Duell zwischen Werfer und Schlagmann

Im Zentrum steht das Duell zwischen Werfer (Pitcher) und Schlagmann (Batter). Der Pitcher schleudert den Baseball mit bis zu 180 Stundenkilometern von seinem Hügel Richtung Fänger. Er muss aus 18,45 Metern ein gedachtes Rechteck von 43 Zentimetern Breite treffen, das von den Knien bis zur Brust des Schlagmanns geht.

Trifft der Ball diese Strike-Zone, ohne geschlagen zu werden, oder der Batter schwingt seinen Holzschläger vorbei, ist es ein Strike. Bei drei Strikes ist der Batter aus. Verfehlt der Werfer die Zone viermal, darf der Schlagmann ungehindert auf die erste Base vorrücken (Walk) und kann von dort versuchen zu punkten. Dann ist der nächste Schlagmann an der Reihe.

So funktioniert Baseball: Das Laufspiel

Trifft der Batter den Ball und drischt ihn in das diamantförmige Spielfeld, müssen die Verteidiger versuchen, ihn aus zu machen. Sie fangen den Ball, bevor er den Boden berührt, oder werfen ihn zum Verteidiger der ersten Base, ehe der zum Läufer (Runner) gewandelte Schlagmann dort ankommt.

Erreicht der Batter die Sicherheit einer Base, wird ihm ein Treffer (Hit) gutgeschrieben, der aber nicht als Punkt zählt. Dafür müssen die Läufer nach und nach die Ecken des Innenfelds umrunden, um am Ausgangspunkt einen Run zu erzielen. Wird der Ball aus dem Stadion geschlagen (Homerun) punkten der Batter und die bis zu drei Läufer, die auf Base sind, direkt.

Ein Halbinning endet erst, wenn drei Batter oder Runner aus sind. Die Rollen von Angreifer und Verteidiger wechseln. Es gewinnt das Team mit den meisten Runs. (Marcus Janz)

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