Auch die Truppe impft mit

In den Impfzentren in Kassel und Calden helfen Soldaten der Bundeswehr

30 Soldaten arbeiten derzeit in den Impfzentren in Kassel und Calden, darunter auch Oberfeldwebel Mirjam Kersting, die die Impfwilligen gegen das Coronavirus impft.
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30 Soldaten arbeiten derzeit in den Impfzentren in Kassel und Calden, darunter auch Oberfeldwebel Mirjam Kersting, die die Impfwilligen gegen das Coronavirus impft.

Soldaten, die innerhalb Deutschlands aushelfen, kennt man eigentlich nur von Ereignissen wie der Hochwasser-Katastrophe 2013. Seit einigen Wochen sind sie aber auch im Kasseler Impfzentrum ein gewohntes Bild.

Kassel – „Wir sind in dem Fall Dienstleister unter ziviler Leitung“, sagt Major Jörg Fischer-Haldorn. Das sei über ein Amtshilfeverfahren möglich, bei dem überprüft werde, ob der Einsatz der Bundeswehr-Soldaten wirklich notwendig sei – oder ob er auch von anderen, zivilen Trägern übernommen werden könne. Denn die Aufgaben von Militär und Polizei sind in Deutschland strikt getrennt. Die Bundeswehr soll das Land nach außen verteidigen, die Polizei ist im Inland zuständig.

In Pandemiezeiten gibt es aber Ausnahmen. Bis zu 25 000 Soldaten können so deutschlandweit eingesetzt werden, derzeit sind es knapp 12 000. Im Kasseler Impfzentrum helfen momentan zehn Soldaten, in Calden sind es 20. „In der Spitze waren es mehr, die in Kassel und Landkreis im Einsatz waren“, sagt Fischer-Haldorn.

Eingesetzt sind die Soldaten und Soldatinnen in allen Bereichen in den Zentren – sei es in der Administration, der Logistik oder bei Impfungen. Sie helfen also beim Check-in und beim Check-out, überprüfen Unterlagen, führen Aufklärungsgespräche und setzen die von vielen herbeigesehnte Spritze. „Uns ist es wichtig, überall helfen zu können, wo Not am Mann ist“, sagt Oberstabsfeldwebel Gunther Ninnemann, der eigentlich zum Heeresmusikkorps gehört und sich nun um die Kontingentführung kümmert.

So ist die Arbeit in den Impfzentren auch nicht der erste Einsatz der Soldaten in der Coronakrise. Auch in den Alten- und Pflegeheimen waren Soldaten in Stadt und Kreis im Einsatz, zeitweise waren es 98. Sie kümmerten sich um die Tests von Besuchern und Personal. „In einem Altenheim im Kreis haben wir nach einem Coronaausbruch auch das Personal unterstützt, weil es bei diesem so viele Ausfälle gab“, sagt Fischer-Haldorn. Zwar habe man nicht in der Pflege geholfen, den Mitarbeitern aber genau dafür den Rücken freigehalten.

Hat in der Materialausgabe alles im Blick: Stabsfeldwebel Jens Landau hilft in der Logistik.

In den Altenheimen wie auch im Impfzentrum war die Resonanz positiv – auch beim Anblick der Uniformen. Keine Selbstverständlichkeit. Immerhin zählen noch immer viele Impfwillige zur Kriegsgeneration oder haben einen anderen kulturellen Hintergrund. „Wir haben da aber keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht, im Gegenteil“, sagt Fischer-Haldorn. Die Altenheimbewohner, die teilweise monatelang kaum Kontakte hatten, seien froh gewesen über die Gespräche und den Austausch mit den Soldaten. „Wir waren ein externes Highlight“, sagt der Major.

So ist der Einsatz eine Win-Win-Situation. Denn auch die Soldaten freuen sich über die Arbeit in den Impfzentren.

Viele von ihnen gehören zum Heeresmusikkorps Kassel, andere stammen aus Fritzlar, Schwarzenborn und Stadtallendorf. „Es ist also Hilfe aus der Region für die Region“, sagt Ninnemann. Alle Kameraden würden freiwillig und gerne helfen – auch, weil es durch Corona kaum noch Konzerte gebe.

Das wird sich hoffentlich in den kommenden Monaten dank der Impfungen ändern. Denn auch wenn die Soldaten gerne in den Impfzentren in Kassel und Calden aushelfen, freuen sie sich, wenn es wieder mehr Termine für das Heeresmusikkorps gibt. Auch, weil dessen Auftritte grundsätzlich Benefitzkonzerte sind. „Da ist also vielen Empfängern einiges weggebrochen, das sie in der Pandemie eigentlich dringend gebraucht hätten“, sagt Ninnemann. (Marie Klement)

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