ÖPNV

Verkehrsbetriebe in Kassel: Kontrolle der 3G-Pflicht wird kaum möglich sein

Straßenbahn am Kasseler Königsplatz
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Nicht nur die Einhaltung der Maskenpflicht, sondern auch die der 3G-Regeln sollen Verkehrsbetriebe künftig nach den Plänen der Ampel-Parteien kontrollieren. Unser Foto zeigt eine Straßenbahn am Kasseler Königsplatz

Bus- und Bahnfahren nur für Geimpfte, Genesene und Getestete: Wie aber die 3G-Regel im ÖPNV kontrolliert werden soll, das fragen sich auch Verkehrsbetriebe in der Region Kassel.

Kassel – In Bussen und Bahnen sollen nur Geimpfte, Genesene und Getestete mit entsprechendem Nachweis fahren dürfen. Die 3G-Pflicht im öffentlichen Nahverkehr wollen die mit der Regierungsbildung im Bund beschäftigten Ampel-Parteien (SPD, Grüne und FDP) durchsetzen, um die Corona-Ausbreitung einzudämmen.

Wie schon die Maskenpflicht soll auch 3G für den ÖPNV sowie den Schüler- und Taxiverkehr gelten. Die Einhaltung soll kontrolliert, Verstöße sollen mit Bußgeld sanktioniert werden. Wir fragten Verkehrs- und Taxibetriebe der Region Kassel, was sie von dem Vorschlag halten.

3G-Regelung für Bus und Bahn: Das sagt der NVV

„Bus und Bahn sind keine Corona-Treiber. Es gibt keine erhöhte Gefahr, sich dort anzustecken. Daher ist es ein schlechter Vorschlag, Busse und Bahnen in die 3G-Regelung aufzunehmen. Der ÖPNV wird wieder einmal als Problemfall dargestellt, obwohl das nicht der Fall ist.“ Das sagt Steffen Müller, Geschäftsführer des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV), und verweist auf eine Studie der Branche. Der NVV werde weiter seinen Beitrag im ÖPNV in Nordhessen dafür leisten, die Pandemie einzudämmen. „Jedoch wird es kaum möglich sein, eine permanente Kontrolle beim Einstieg in die Fahrzeuge zu gewährleisten, ohne dass es zu Verspätungen oder Verzögerungen kommt“, meint der NVV-Geschäftsführer.

Man wolle die Vorgaben auch nicht auf den Bediensteten der Verkehrsunternehmen abladen, so Müller. Eine stichprobenartige Kontrolle durch externe Dienstleister – wie bei der Kontrolle der Maskenpflicht – sei ein möglicher Weg. „Unser Ziel ist es, den ÖPNV ohne Einschränkungen in der Pandemie anbieten zu können, gerade weil viele Menschen in systemrelevanten Berufen auf Bus und Bahn angewiesen sind.“

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3G-Regelung für Bus und Bahn: Das sagt die KVG

Ganz ähnlich wird das bei der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) gesehen. „Wir verstehen das Bestreben, mit einer 3G-Regel auch im öffentlichen Nahverkehr den weiter ansteigenden Inzidenzen entgegenwirken zu wollen und prüfen aktuell eine Umsetzbarkeit“, erklärt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Grundsätzlich teile man jedoch die Stellungnahmen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und des Fahrgastverbandes Pro Bahn, die sich bereits gegen 3G im ÖPNV ausgesprochen haben. Zudem verweise die KVG unter anderem auf eine Studie der Berliner Charité, wonach durch die ÖPNV-Nutzung kein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe.

„Wir setzen vor allem weiterhin auf die Vernunft der Fahrgäste: das Tragen einer medizinischen oder FFP2-Maske, das Einhalten der AHA-Regeln oder gegebenenfalls die Nutzung eines anderen, weniger besetzten Fahrzeugs“, sagt die KVG-Sprecherin. „Uns liegt sehr daran, den systemrelevanten ÖPNV pünktlich und verlässlich zu gewährleisten.“

3G-Regelung für Bus und Bahn: Das sagt der Verkehrsverband

Kritisch sieht der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Pläne für 3G im ÖPNV. Im öffentlichen Nahverkehr bestehe eine Beförderungspflicht, die nur unter ganz bestimmten Kriterien ausgesetzt werden dürfe, erklärte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. Der VDV vertritt die Unternehmen der Nahverkehrsbranche, einschließlich DB Regio.

3G-Regelung für Bus und Bahn: Das sagt die Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn hat hingegen ihre Unterstützung für die geplante Einführung der 3G-Regel im öffentlichen Nah- und Fernverkehr angekündigt. Man werde alles unternehmen, um in der sich zunehmend zuspitzenden Corona-Lage bei der Eindämmung der Pandemie konstruktiv mitzuwirken, erklärte bereits am Montag ein Unternehmenssprecher.

3G-Regelung für Bus und Bahn: Das sagen Taxi-Unternehmen

Heimische Taxi-Unternehmen rechnen mit Problemen, sollte die 3G-Pflicht tatsächlich kommen. „Das wird sich in der Praxis schwierig darstellen“, meint Markus Semmelroth, Geschäftsführer der Taxi-Service-Zentrale 88111. Von rund 150 konzessionierten Taxis in Kassel sind 96 der Auftragsvermittung der Zentrale angeschlossen. Dreiviertel der Fahrzeuge seien mit einem Trennschutz zwischen Vorder- und Rücksitzen ausgestattet. Das Tragen einer Maske sei für Fahrgast und Fahrer schon lange vorgeschrieben. Wenn jetzt für die Taxi-Fahrer noch die Pflicht hinzukomme, die Fahrgäste nach geimpft, genesen und getestet zu kontrollieren, könne das zu Diskussionen führen, so Semmelroth.

Immerhin gebe es eine Beförderungspflicht. Was also tun, wenn der Fahrgast keinen Nachweis vorlegen könne? „Sollen wir ihn einfach stehen lassen?“ Semmelroth wünscht sich mehr Unterstützung der Politik und eine klare Vorgabe, was man in einem solchen Fall machen soll. (Andreas Hermann)

Angesichts der dramatischen Corona-Fallzahlen warnt Kanzlerin Angela Merkel aktuell vor einer „Katastrophe“ in Deutschland - am morgigen Donnerstag (18.11.2921) kommen Bund und Länder zu einem Corona-Gipfel zusammen, bei dem neue Regeln entschieden werden sollen.

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