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Corona-Impfung beim Tierarzt? Veterinäre aus der Region äußern Bedenken

Tierärzte sollen die Impfkampagne unterstützen: Der Wolfhager Tierarzt Stefan Augsburg, hier mit Justine Götte, hält das in der Praxis für keine gute Idee.
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Tierärzte sollen die Impfkampagne unterstützen: Der Wolfhager Tierarzt Stefan Augsburg, hier mit Justine Götte, hält das in der Praxis für keine gute Idee.

Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sollen auch Tierärzte die Impfkampagne unterstützten. Veterinäre aus der Region äußern allerdings Bedenken.

Wolfhagen/Volkmarsen – Die vierte Corona-Welle muss gebrochen werden. Deshalb sollen nach dem Willen von Bund und Ländern neben Apothekern und Zahnärzten auch Tierärzte beim Impfen mit einsteigen. Eine Idee, die bei Dr. Monika Reinhold, die auch tierische Patienten aus dem Wolfhager Land versorgt, einige Fragen aufwirft. „Wir sind ja grundsätzlich bereit, die Impfkampagne zu unterstützen. Spritzen gebe ich jeden Tag, das ist kein Problem. Aber was ist, wenn eine starke Impfreaktion eintritt“, so Reinhold. Wer hafte in diesem Fall? Ihr tierärztliches Equipment dürfe nicht für eine Versorgung in der Humanmedizin eingesetzt werden.

„Ich darf beispielsweise keine Verbände für Menschen nutzen oder einen Zugang legen.“ Wie sieht es mit der Hygiene bei einer Impfung in den Räumen einer Tierarztpraxis aus? All dies seien Fragen, die zunächst geklärt werden müssten. Vorstellen kann sie sich eher, dass ihr Team bei einer Impfaktion hilft. „Wir haben natürlich auch genug zu tun, noch dazu leiden wir unter dem Fachkräftemangel.“

Tierärztin: Monika Reinhold

Corona-Impfung beim Tierarzt: Keine Vergütung für Veterinäre?

Etwas erstaunt sei sie darüber gewesen, dass die Tierärztekammer in Sachsen ihre Mitglieder jetzt zum ehrenamtlichen Impfeinsatz aufgefordert habe. Warum sollten nur Humanmediziner das Impfen vergütet bekommen, die Tierärzte jedoch nicht, fragt sich Monika Reinhold.

„Wir sind gerne bereit, beim Impfen zu helfen, ob im Impfzentrum oder bei Aktionen“, betont auch der Wolfhager Fachtierarzt Stefan Augsburg, der wie seine Kollegin aus Volkmarsen Impfen in Tierarztpraxen schwierig findet. Der empfindliche Impfstoff könne nicht einfach im Kühlschrank gelagert werden. Und auch Augsburg sieht haftungsrechtliche Probleme auf die Tierärzte zukommen, wenn eine Notfallsituation eintritt. Er könne sich zudem nicht vorstellen, dass die Berufsgenossenschaft einspringe, wenn ein Tierarzt beim Menschen Behandlungsfehler begehe. (Bea Ricken)

Für viele steht bereits die Booster-Impfung im Kampf gegen Corona an. Alle Impfmöglichkeiten in Nordhessen finden Sie hier im Überblick.

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