Krankenhauspatienten sind in den meisten Fällen ungeimpft

Corona in Kassel: Geimpfte infizieren sich selten

Die Corona-Fallzahlen steigen in Kassel deutlich schneller als vor einem Jahr. Trotzdem werden nur wenige Coronapatienten in Klinken versorgt. Das liegt auch an der steigenden Zahl der Impfungen. Unser Bild entstand im Klinikum und zeigt Marina Jakob beim Vorbereiten einer Impfung.
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Die Corona-Fallzahlen steigen in Kassel deutlich schneller als vor einem Jahr. Trotzdem werden nur wenige Coronapatienten in Klinken versorgt. Das liegt auch an der steigenden Zahl der Impfungen. Unser Bild entstand im Klinikum und zeigt Marina Jakob beim Vorbereiten einer Impfung.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Kassel hat am Samstag die 100er-Marke überschritten, im Landkreis liegt sie weiter unter 50.

Kassel – Fragen und Antworten zur Diskussion um die Leitindikatoren und der Corona-Situation in den Krankenhäusern in Stadt und Kreis:

Wie haben sich die Zahlen in Stadt und Kreis entwickelt? 37 neue Fälle meldete das Gesundheitsamt am Samstag für Kassel, für den Landkreis waren es 10. Die Zahl der aktuell Infizierten stieg um 15 auf 324 in der Stadt und sank um 2 auf 217 im Kreis. Neue Todesfälle gab es erneut nicht. Die Zahlen für Sonntag werden am heutigen Montag veröffentlicht.

Und wie sieht es bei der Sieben-Tage-Inzidenz aus? Sie stieg in Kassel am Samstag auf 103,4 (Vortag: 91,5). Im Landkreis stieg der Wert auf 43,5 (Vortag: 41,4). Der Stadt drohen damit strengere Corona-Maßnahmen, die vor allem Ungeimpfte und Nicht-Genesene betreffen. Genauere Informationen soll es heute geben.

Wieso steht die Inzidenz so in der Kritik? Mit der Zunahme der Corona-Impfungen wächst die Kritik an der Inzidenz als ausschlaggebenden Wert für Einschränkungen und Lockerungen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) erwägt daher, einen zusätzlichen Leitindikator einzuführen: die Hospitalisierung – also die Behandlung in einem Krankenhaus. Wie dieser Wert aussehen wird, ist allerdings noch unklar. Würde man beispielsweise auf die Auslastung in einem Krankenhaus schauen, würde dies nicht unbedingt etwas über die Situation vor Ort aussagen, da im Kasseler Klinikum zum Beispiel Patienten aus ganz Nordhessen behandelt werden.

Wie schätzen Kasseler Experten diese Kritik an der Inzidenz ein? „Die Inzidenz ist zwar noch ein wichtiger Faktor, aber nicht der einzige Messwert“, sagt Klinikum-Pressesprecherin Nina McDonagh. Letztendlich sei die Situation viel komplexer: Etwa 60 Prozent der Bürger sind vollständig geimpft. Es ist aber eine viel höhere Impfquote nötig, um das Infektionsgeschehen auszubremsen. „Gleichzeitig sind es viele junge Menschen, die sich zwar infizieren, aber nur selten schwer erkranken“, so McDonagh. Daher könne etwa die Hospitalisierung als Leitindikator sinnvoll sein. „Sie ist aussagekräftig für die Belastung und mögliche Überlastung in den Krankenhäusern.“

Die Lage in den Krankenhäusern in Nordhessen sei zurzeit stabil, sagt McDonagh. Mit der zunehmenden Impfquote hätten sich die Krankenhauseinweisungen verringert. Im Klinikum Kassel hat sich die Zahl der Covid-19-Patienten auch mit den steigenden Infektionszahlen etwa kaum erhöht.

Wo gibt es Informationen über die Anzahl der Corona-Patienten in Kliniken? Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, kurz Divi, veröffentlicht täglich für die Stadt und für den Landkreis Kassel den Anteil der Covid-19-Patienten an der Gesamtzahl der Intensivbetten, wie viele Betten frei und wie viele Betten belegt sind, wie viele Betten es insgesamt gibt, die Covid-19-Fälle in intensivmedizinischer Behandlung und die Anzahl der invasiv beatmeten Patienten. Wegen unterschiedlicher Meldezeitpunkte können die Zahlen teilweise von denen des Gesundheitsamtes abweichen.

Wie sah die Situation in Stadt und Kreis am Samstag aus? 17 (plus 3) Infizierte lagen laut Gesundheitsamt im Krankenhaus, 4 wurden intensivmedizinisch betreut. Laut Divi betrug der Anteil der Covid-Patienten an der Gesamtzahl der Intensivbetten in Kassel 2,03 und im Landkreis 3,33 Prozent. Ein Patient musste in Kassel invasiv beatmet werden. Diese Zahlen veröffentlichen wir von nun an auch in unserer täglichen Corona-Grafik. Von den insgesamt 148 Intensivbetten waren in Kassel 133 belegt, im Landkreis 19 von 30 Betten. Dabei ist es wichtig zu wissen: Eine solche Auslastung der Intensivstationen ist nicht ungewöhnlich.

Warum variiert die Anzahl der gemeldeten Betten? Voraussetzung dafür, dass ein Krankenhaus ein Bett meldet, ist, dass es betriebsfähig ist. Der kritische Aspekt ist dabei das Personal. Corona-Patienten – vor allem an Beatmungsgeräten – sind sehr pflegeintensiv, sodass Pfleger überdurchschnittlich lange beschäftigt sind. Hinzu kommen die notwendigen und sehr umfangreichen Hygienemaßnahmen.

Wie haben sich die Impfzahlen in der Region entwickelt? 4125 weitere Impfungen sind im Kasseler Impfzentrum und bei den mobilen Teams in der vergangenen Woche hinzugekommen. Damit wurden nun insgesamt 169 516 Dosen verimpft. Im Landkreis sind es bisher 84 491 Erst- und 73 880 Zweitimpfungen. Hinzu kommen die Impfungen bei den niedergelassenen Ärzten: 67 000 hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen bisher für Kassel und 106 494 für den Landkreis gemeldet. Die Zahl der Impfungen bei Betriebsärzten werden nicht zusammengefasst veröffentlicht.

Wie viele Impfdurchbrüche gab es bisher? Bisher hat das Gesundheitsamt Region Kassel 161 Impfdurchbrüche dokumentiert – 78 in der Stadt und 83 im Landkreis. Von einem Impfdurchbruch spricht man, wenn sich ein vollständig Geimpfter mit dem Coronavirus infiziert. Dass es Impfdurchbrüche gibt, ist nicht ungewöhnlich, da kein Impfstoff hundertprozentig gegen eine Ansteckung mit der jeweiligen Erkrankung schützt, gegen die er sich richtet. In den Zulassungsstudien der Impfstoffe liegt daher ein Augenmerk darauf, ob ein Impfstoff verhindern kann, dass Geimpfte schwer erkranken oder sterben. Steigt die Impfquote in einem Land, steigt relativ gesehen auch die Zahl der Geimpften unter den Menschen, die sich trotzdem infizieren. Impfdurchbrüche stellen deshalb nicht die Effektivität und Wirksamkeit einer Impfung infrage.

Wie waren die Verläufe bei den vollständig Geimpften, die sich infiziert haben? In der Regel verläuft eine Infektion nach einer vollständigen Immunisierung laut Stadtsprecherin Simone Scharnke asymptomatisch oder mit leichten Symptomen. Einzelne Betroffene mussten allerdings wegen stärkerer Symptome stationär behandelt werden. Dies waren in der Mehrzahl der Fälle Menschen in höherem Lebensalter.

Sind in der Stadt Kassel und im Landkreis Menschen gestorben, die doppelt geimpft waren? Drei Betroffene sind, obwohl sie als vollständig geimpft galten, laut Gesundheitsamt gestorben. Bei ihnen handelte es sich um sogenannte Hochbetagte (87 Jahre und älter), die Begleiterkrankungen hatten. (Marie Klement)

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