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Schwere Vorwürfe gegen Gesundheitsamt Kassel: Kinder absichtlich länger in Quarantäne?

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Von: Matthias Lohr

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Israel: Kinder ab drei Jahren müssen sich jetzt auf Corona testen lassen.
Schwere Vorwürfe gegen Gesundheitsamt: Kinder absichtlich länger in Quarantäne? © Oded Balilty/AP/dpa

Ein Ex-Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen das Gesundheitsamt Kassel. Das Amt habe absichtlich Informationen zurückgehalten.

Kassel – Hat das Gesundheitsamt Kassel bewusst Informationen zurückgehalten, damit Kinder, die an Corona erkrankt sind, länger in Quarantäne bleiben als nötig? Diesen Vorwurf hat ein Ex-Mitarbeiter des Gesundheitsamtes erhoben, der für die Kontaktnachverfolgung zuständig war. Demnach seien er und seine Kollegen in einem internen Newsletter angewiesen worden, Eltern, deren Kinder positiv getestet wurden, nicht aktiv darauf hinzuweisen, dass man sich per negativem PCR-Nachweis aus der Quarantäne freitesten kann: „Man wollte, dass sie länger in Quarantäne bleiben.“

Wir haben die Stadt Kassel bereits vorige Woche mit dem Vorwurf konfrontiert. Nun hat das Gesundheitsamt geantwortet. Ein Sprecher versichert, dass man „stets richtig und immer auf der Basis der korrekten Rechtslage“ informiert habe. Allerdings habe es eine Flut von Anfragen zu Verkürzungsmöglichkeiten gegeben. Der Sprecher erklärt: „Aus infektiologischer Sicht und aufgrund der bisherigen Erfahrungen erschien eine solche Verkürzung nicht sinnvoll und hilfreich. Zu oft haben wir am Ende einer Quarantäne oder sogar danach noch Infektionserkrankungen bei Kontaktpersonen beobachten können.“

Corona in Kassel: Muss das Gesundheitsamt auf die Möglichkeit zur Freitestung hinweisen?

Für den ehemaligen Mitarbeiter klingt dies wie eine Bestätigung seines Vorwurfs: „Auch uns wurde gesagt, dass eine Verkürzung der Quarantäne nicht hilfreich ist, die Pandemie einzudämmen.“ Allerdings wurde eben diese Möglichkeit bewusst eingeführt. Nicht nur der ehemalige Mitarbeiter fragt sich: Hat ein Amt nicht die Pflicht, die betroffenen Menschen darauf hinzuweisen?

Der Stadtsprecher verweist auf die Fülle an Themen, die in den Telefonaten erörtert werden müssen. Die Informationen könnten nie vollständig sein. Da „wir in den Telefonaten nicht zu allen Themen vollständig informieren können, müssen wir Prioritäten setzen“.

Corona in Kassel: Weniger Mitarbeiter für Kontaktnachverfolgung zuständig

Zuletzt hatte die Zahl der Mitarbeiter in der Kontaktverfolgung für politische Diskussionen gesorgt: Die Linke kritisiert, dass ab Januar trotz gestiegener Inzidenzen nur noch 25 sogenannte Vollzeitäquivalente für diesen Aufgabenbereich zur Verfügung stehen – ursprünglich hatte es 100 gegeben.

Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) begründet dies mit der vom Land geänderten Strategie der Kontaktnachverfolgung. Man konzentriere sich jetzt auf Alten- und Pflegeheime sowie andere betroffene Einrichtungen mit vulnerablen Personen. Der Stadtsprecher teilt mit: „Die schnellen, ständigen Veränderungen erfordern auch von uns weiterhin viel Kraft, Geduld und Durchhaltevermögen.“ Nach den Weihnachtsfeiertagen steigen die Corona-Zahlen in Stadt und Kreis Kassel derzeit wieder schneller an. (Matthias Lohr)

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