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Omikron: „Sind im Dauerkrisenmodus“ - So bereiten sich Versorger und Polizei in Kassel vor

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Von: Andreas Hermann, Ulrike Pflüger-Scherb

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Krisenstab tagt täglich: Bei der KVG gibt es einen Maßnahmenplan, der verschiedene Fahrplanzustände vorsieht, beispielsweise ob es sich um Schultage handelt oder Geschäfte geöffnet sind.
Krisenstab tagt täglich: Bei der KVG gibt es einen Maßnahmenplan, der verschiedene Fahrplanzustände vorsieht, beispielsweise ob es sich um Schultage handelt oder Geschäfte geöffnet sind. © Andreas Fischer

Was passiert, wenn Omikron bei Energieversorgern, Verkehrsbetrieben, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten zu vielen Ausfällen führt? So bereitet man sich auf den Ernstfall vor.

Kassel – Die Omikron-Variante könnte auch in Deutschland die Zahl der Corona-Infektionen sprunghaft steigen lassen, fürchten Politik und Wissenschaft. Wer soll dann die Arbeit machen, wenn zu viele Beschäftigte der sogenannten kritischen Infrastruktur – also etwa der Energieversorger, der Verkehrsbetriebe, von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten – infiziert, erkrankt oder in Quarantäne sind?

Das Land Hessen hat angekündigt, seine Notfallpläne zu überarbeiten. Eventuell würden infizierte Mitarbeitende ohne Symptome gebraucht, um Betriebe aufrechtzuerhalten, meinte Ministerpräsident Volker Bouffier. Wir haben uns in Unternehmen in der Region Kassel umgehört, welche Maßnahmen sie ergreifen, um den Betrieb sicherstellen zu können:

Sorge vor Omikron-Welle in Kassel: So bereiten sich die Abfallentsorer vor

„Grundsätzlich sind wir sensibilisiert und passen unsere Maßnahmen der aktuellen Situation an“, berichtet Birgit Knebel, Sprecherin der Kasseler Stadtreiniger. Man habe in der Belegschaft einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Geimpften, zudem würden alle Beschäftigten mehrmals in der Woche getestet, die Ungeimpften und nicht Genesenen täglich.

Um die Begegnungen im Betrieb zu entzerren, starten die Arbeitsteams zeitversetzt. Bei der Abfalleinsammlung bestehe die Möglichkeit, zusätzlich Pkw für einen Teil des Teams zur Bereitstellung der Abfalltonnen einzusetzen.

Bei einem erhöhten Krankenstand gebe es verschiedene Szenarien, um die Abfallentsorgung aufrecht zu erhalten. Vor allem die Abfall-Abfuhr in kritischen Bereichen (etwa Gesundheitswesen) habe oberste Priorität. So könnten Beschäftigte beispielsweise von den Recyclinghöfen oder aus der betriebseigenen Werkstatt abgezogen werden oder Kollegen aus der Straßenreinigung die Abfalleinsammlung unterstützen.

Sorge vor Omikron-Welle in Kassel: Das ist der Notfallplan der Energieversorger

„Wir sind seit Beginn der Pandemie im Dauerkrisenmodus“, betont Ingo Pijanka, Sprecher der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV). Zu dem Unternehmen gehört auch der Energieversorger Städtische Werke (Strom, Wärme etc.). „Bewährte Notfall- und Pandemiepläne kommen weiter zum Einsatz“, sagt Pijanka.

Aktuell seien 90 Prozent der Belegschaft doppelt geimpft. Das Personal, das gleichen Aufgaben nachkomme, werde getrennt, vor allem Schlüsselpersonal wie in den Leitstellen. Mitarbeiter rückten in separaten Fahrzeugen auf Baustellen aus, suchten nicht gemeinsam Aufenthaltsräume auf. Wo es möglich sei, setze man auf Homeoffice.

Sorge vor Omikron-Welle in Kassel: So bereiten sich der ÖPNV vor

Bei der ebenfalls zur KVV gehörenden Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) sitzen die Fahrer der Trams und RegioTrams bereits seit Beginn der Pandemie in abgeschlossenen Kabinen, in den Bussen sind Schutzscheiben installiert. Wie Pijanka weiter berichtet, befindet sich die KVG seit Einführung der 3G-Regel wieder im „Krisenmodus“, der Krisenstab tage täglich online.

„Wir entwickeln aktuell einen Maßnahmenplan, der auch verschiedene Fahrplanzustände vorsieht“, sagt Pijanka. Hierfür seien die tatsächlichen gesellschaftlich-politischen Rahmenbedingungen zum jeweiligen Zeitpunkt relevant, also Schule ja/nein, Gastronomie ja/nein, Geschäfte offen/geschlossen.

Hier finden Sie die aktuellen Corona-Fallzahlen für die Region Kassel.

Sorge vor Omikron-Welle in Kassel: So bereiten sich die Polizei vor

Die Polizei habe mit Beginn der Corona-Pandemie eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Kollegen zu schützen und die Einsatzbereitschaft jederzeit sicherzustellen, so Polizeisprecher Mathias Mänz. Damit die Polizei kein größerer Personalausfall treffe, sei ein landesweit einheitliches Schichtdienstmodell eingeführt worden.

Gegenwärtig werde innerhalb der Polizei von einer Impfquote von deutlich über 80 Prozent ausgegangen. Mögliche temporäre Personalausfälle, die durch Verdachtsfälle einer Infektion oder Infektionsfälle verursacht werden könnten, würden im Bedarfsfall durch Personalverschiebung innerhalb der Polizeipräsidien oder durch Zuweisung von Kräften der Hessischen Bereitschaftspolizei kompensiert.

Sorge vor Omikron-Welle in Kassel: So bereiten sich die Feuerwehr vor

Seit Beginn der Pandemie seien bei der Feuerwehr Kassel umfangreiche Vorbereitungen getroffen worden, um die Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, teilt Stadtsprecher Victor Deutsch mit. Neben den allgemeingültigen Hygienemaßnahmen seien für die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr zusätzliche Schutzmaßnahmen umgesetzt worden.

Weiterhin wurden in Notfall- und Pandemieplänen Vorbereitungen getroffen, um Infektionen zu vermeiden und schnell auf Personalausfälle reagieren zu können. (Andreas Hermann und Ulrike Pflüger-Scherb)

Virologe Christian Drosten blickt hoffnungsvoll ins kommende Jahr und sieht ein mögliches Ende der Corona-Pandemie in 2022 und auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht ein „Licht am Ende des Tunnels“.

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