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Corona-Symptome: Jeder fünfte Patient hat Magen-Darm-Probleme – aber keine Atemnot

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Von: Robin Lipke

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Corona-Infektionen können Beschwerden im Magen-Darm-Trakt hervorrufen. (Symbolbild)
Corona-Infektionen können Beschwerden im Magen-Darm-Trakt hervorrufen. (Symbolbild) © Elmar Gubisch/Imago

Corona wirkt sich auch negativ auf die Verdauungsorgane aus. Kassler Chefärzte erklären die Bedeutung des Darms – und warum er schwere Verläufe verhindern kann.

Kassel – Dass Corona vor allem die Lunge angreift, ist hinlänglich bekannt. Das Virus schlägt aber auch auf den Magen – oder besser gesagt: Eine Covid-Erkrankung kann sich negativ auf unsere Verdauungsorgane auswirken.

BezeichnungCorona
VirusSars-CoV-2
ErkrankungCovid-19

Jeder fünfte bis sechste Corona-Patient habe Magen-Darm-Symptome, aber keine Probleme mit den Atemwegen, erklären Prof. Dr. Susanne Beckebaum und Prof. Dr. Vito Cicinnati. Beide leiten als Chefärzte die Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie in den Helios-Kliniken Kassel.

Corona kann auf den Magen schlagen: Chefärzte geben Ratschläge

Weil der Verdauungstrakt im Zusammenhang mit Corona bislang fast gar nicht in den Blickpunkt gerückt ist, wollen die Mediziner auf mehrere Aspekte aufmerksam machen. Die da wären:

1. Symptome: Wirkt sich eine Corona-Infektion auf den Magen-Darm-Trakt aus, haben es die Betroffenen mit diesen Symptomen zu tun: Durchfall, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Oberbauchbeschwerden. Treten diese Anzeichen auf, empfiehlt es sich, umgehend zu Hause zu bleiben, wie Beckebaum sagt. Darüber hinaus sei festgestellt worden, dass etwa die Hälfte der Covid-Patienten das Virus mit dem Stuhl ausscheidet. Auch Tage und manchmal einige Wochen nach einem negativen Testergebnis könne der Erreger in Stuhlproben nachweisbar sein. Deshalb müsse Toilettenhygiene unbedingt eingehalten werden, um eine Übertragung zu vermeiden.

Susanne Beckebaum Helios-Kliniken
Susanne Beckebaum © Helios-Kliniken

Beckebaum und Cicinnati weisen darauf hin, dass in solchen Fällen ein Schnelltest erforderlich ist. Zumal in diesen Tagen Durchfall nicht automatisch ein Indiz für eine „normale“ Magen-Darm-Erkrankung sei.

Helios-Kliniken Prof. Dr. Vito Cicinnati
Prof. Dr. Vito Cicinnati © Helios-Kliniken

Corona bei Darm- und Magen-Vorerkrankungen: Erhöhtes Risiko für schweren Verlauf

2. Erkrankungen: Leiden Menschen bereits an einem empfindlichen Darm, und das sei weit verbreitet, sagt Cicinnati, könnten sich etwa Reizdarm-Symptome infolge einer Corona-Erkrankung verschlechtern. Gleiches gelte für Menschen mit einem Reizmagen. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn erhöhe sich zudem das Risiko für einen schweren Covid-Verlauf, wenn Betroffene intensivere, das Immunsystem unterdrückende Medikamente erhalten. Der Grad der Risikoerhöhung scheine dabei für einzelne Medikamente unterschiedlich zu sein.

3. Leber: Eine Corona-Infektion ist nicht nur in der akuten Phase der ersten vier Wochen im Verdauungssystem spürbar. Auch die Leber, das zentrale Organ des Stoffwechsels, könne in Mitleidenschaft gezogen werden, sagt Cicinnati: „In bis zu 70 Prozent der Corona-Kranken treten erhöhte Leberwerte auf.“ Seine Kollegin Beckebaum präzisiert, dass Corona sowohl Leber-, Gefäß- als auch Gallengangszellen schädigen könne. Bei Patienten mit Vorerkrankungen, zum Beispiel Krebs oder alkoholischer Fettleber, sei das Risiko für einen schweren Verlauf um ein Vielfaches höher.

4. Darm: Greift Corona den Darm an, können die Folgen mitunter verheerend sein, sagt Beckebaum. Denn dann werde die Darmflora gestört, das Mikrobiom, das etwa 100 Billionen Mikroorganismen beherbergt. Diese Mikroorganismen unterstützen das Immunsystem. Ein intaktes Mikrobiom sorgt für eine stabile Darmschleimhaut, und die bildet eine Barriere für Viren und Schadstoffe. Ist das Mikrobiom gestört, wird die Schleimhaut porös, und das Corona-Virus könne ungehindert eindringen, erklärt Cicinnati.

Corona: Gute Darmflora wichtig für ein funktionierendes Immunsystem

5. Darm-Lunge-Achse: Im Endeffekt nimmt der Darm auch Einfluss auf die Lunge. Über Blutbahn und Lymphsystem seien die Organe direkt verbunden, erklären die Mediziner. Wenn das Mikrobiom und damit die Darmschleimhaut geschädigt sind, könne das Virus über diese Achse vom Darm in die Lunge gelangen – und umgekehrt. Deshalb zählten zum Beispiel Diabetiker und Adipöse zu Risiko-Patienten. Bei diesen Menschen sei häufiger die Darmflora nicht intakt: „Das Virus hat freie Bahn.“

Nicht ohne Grund werde in akuten Fällen, aber auch mit Blick auf Long Covid, versucht, das Mikrobiom zu beeinflussen und so das Immunsystem zu stabilisieren, berichten die Chefärzte. Vereinfacht ausgedrückt: Ist die Flora intakt, funktioniert auch das Immunsystem. Beckebaum sagt: „70 Prozent aller Immunzellen befinden sich im Darm.“ (Robin Lipke)

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