Forschung der Uni Kassel

Kasseler Studie zu Corona-Maßnahmen: Was wirkt, was nicht

Schild weist auf Maskenpflicht hin
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Die Maskenpflicht hat einen großen Effekt auf die Eindämmung der Infektionszahlen.

Welche Maßnahmen bringen etwas im Kampf gegen Corona? Mit dieser Frage haben sich Forscher der Uni Kassel beschäftigt. Jetzt wurden die Ergebnisse veröffentlicht.

Kassel – In der Diskussion um die Wirksamkeit verschiedener Corona-Maßnahmen warten Wissenschaftler der Universität Kassel mit aktuellen Forschungungsergebnissen auf. Demnach hatte die Schließung von Restaurants und Geschäften im vergangenen Frühjahr nur einen geringen Effekt auf die Eindämmung der Infektionszahlen. Maskenpflicht und die Kontaktbeschränkungen hingegen waren sehr wirkungsvoll.

Für die Studie, die kurz vor der wissenschaftlichen Veröffentlichtung steht, hat ein Team um Prof. Dr. Reinhold Kosfeld bundesweite statistische Daten aus der Phase der ersten Infektionswelle verglichen. „Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht waren die Säulen des Erfolges, um die Pandemie einzudämmen“, sagt Kosfeld. „Die Wirkung der Schließung von Schulen und Kitas war signifikant, aber deutlich geringer.“

Prof. Dr. Reinhold Kosfeld

Demnach reduzierten die Kontaktbeschränkungen den Anstieg der Infektionen um rund 14 Prozentpunkte. Die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen, Geschäften und an öffentlichen Orten reduzierte den Anstieg um weitere 13,5 Prozentpunkte. Einen noch nennenswerten Anteil hatte die Schließung von Schulen und Kindertagesstätten mit etwa 5,5 Prozentpunkten. Die Restaurantschließungen waren mit etwa 2 Prozentpunkten nachweisbar. Einen kaum feststellbaren Effekt hatten die Schließung von Parks, Zoos, Museen und Wellness-Einrichtungen – und auch von Geschäften. Ein Grund könne sein, so Kosfeld, dass in den geschlossenen Läden üblicherweise deutlich mehr Platz zur Verfügung steht als in den weiterhin geöffneten systemrelevanten Geschäften wie den Supermärkten.

Auch die Chronologie der Coronaregeln spielt der Studie zufolge eine Rolle: Relativ spät ergriffene zusätzliche Auflagen haben demnach oft einen geringeren Effekt als die ersten Maßnahmen.

Kosfeld betont, dass man statistische Effekte berechnet habe, aber keine Aussage zu politischen Gründen für bestimmte Maßnahmen treffe. Zudem weist er darauf hin, dass durch die Virusmutationen mit höherer Ansteckungsrate sowie Impfungen und Schnelltests die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf die aktuelle Pandemiesituation übertragbar seien. (Katja Rudolph)

Kasseler Corona-Studie wertet Daten aus 401 Kreisen und Städten aus

Für die statistische Studie haben sich die Forscher den viel kritisierten föderalen „Flickenteppich“ zunutze gemacht. Sie werteten Daten aus 401 deutschen Städten und Landkreisen aus. Da in den Bundesländern die Corona-Maßnahmen teilweise zeitversetzt eingeführt wurden, konnten sie die Effekte vergleichen. Dabei berechneten sie ein, dass sich die Regionen in unterschiedlichen Phasen der Pandemie befanden. Untersuchungszeitraum war Mitte März bis Ende April 2020. 

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