Kontrolle der Corona-Regeln schwer umzusetzen

„Der Aufwand bei uns ist groß“

Der Obermeister der Friseurinnung Carsten Ciemer in seinem Salon
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Tests von Ungeimpften überprüfen: Das sollten amtliche Kontrolleure jetzt verstärkt, meint der Obermeister der Friseurinnung Carsten Ciemer.

Die Corona-Lage sorgt ab Sonntag für stärkere Einschnitte im Alltag – vor allem für Ungeimpfte. Insbesondere die Frage der Kontrolle rückt jetzt in den Mittelpunkt.

Schwalm. Am Tag nachdem Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Verschärfung der Corona-Regelungen – unter anderem soll es für Ungeimpfte Kontaktbeschränkungen geben – verkündet hat, warteten die Kommunen aber auch Innungen und Verbände auf die konkreten Vorgaben zur Umsetzung. Immer klarer wird, dass der Kontrolle eine entscheidende Rolle zukommt.

Bürgermeister Andreas Schultheis (Schrecksbach) ist der Vorsitzende der Kreisgruppe des Hessischen Städte- und Gemeindebunds, er sieht insbesondere im ländlichen Raum hier durchaus Probleme: „Ich stelle mir das praktisch sehr schwierig vor.“

Schultheis gab im Gespräch mit der HNA zu bedenken, dass die Ordnungsämter in den meisten Kommunen im Landkreis bei Weitem personell nicht so aufgestellt sind wie in Großstädten.

Innung begrüßt Kontrollen in den Betrieben

Zudem würden durch die Kontrollen andere Aufgaben liegenbleiben, und: „Wenn bei mir im Ort eine Gruppe Menschen steht, soll ich die dann kontrollieren?“ Vielmehr sieht Andreas Schultheis die Gefahr des Denunziantentums und fragt nachdenklich, ob das in der durchaus gesellschaftlich angespannten Situation förderlich sei.

Grundsätzlich ist der Sprecher der 27 Bürgermeister der Ansicht, dass Impfungen der Weg sind, um die Coronakrise zu bewältigen. Und da gibt es eine nicht gerade unbedeutende Lücke im Landkreis. Die Zahl der vollständig Geimpften gab der Kreis gestern mit 119 211 an – bei gut 180 000 Einwohnern. Das Thema Kontrolle von Coronaregeln durch Ordungsamtsmitarbeiter beschäftigt inzwischen immer mehr Branchen. Friseurinnungsobermeister Carsten Ciemer etwa begrüßt es, wenn in Betrieben die Einhaltung geprüft und damit letztlich im Einzelfall bestätigt wird. Es gebe leider schwarze Schafe außerhalb der Innungsverbände, die oft nicht ausreichend über die aktuellen Verordnungen informiert seien.

Ciemer liegen Berichte von Friseurbetrieben in Treysa und Fritzlar vor, wo jüngst Kontrollen durch Ordnungspolizei stattfanden. Diese hätten einerseits ergeben, dass in den Innungsbetrieben alles sicher und vorschriftsmäßig war, „der Aufwand bei uns ist groß“. Es sei hilfreich, wenn gerade die der Testnachweis von Ungeimpften auch amtlich überprüft werde.

Gastronomie bereitet sich auf schwierige Zeiten vor

Andererseits hätten sich Inhaber kontrollierter Salons gewünscht, dass die Prüfer sich ihrerseits als geimpft ausweisen und zudem auf dem letzten Stand der Vorschriften sind, zum Beispiel der FFP-2-Maskenpflicht für Kunden und Personal.

Ciemer ist froh über die Gewissheit seit Mittwoch, dass es in den Friseurbetrieben bei 3G mit Maskenpflicht bleibe. Arbeiten ohne diesen Schutz wäre unzumutbar für alle. Weiterhin sei die Gesamtsituation mit der Überfülle an verwirrenden Updates sehr kräftezehrend.

In der Gastronomie sei von Kontrollen noch nicht häufig zu hören, so Theresia Liebermann, Dehoga-Kreissprecherin, auf HNA-Anfrage. Bei der Eigenüberprüfung in den Häusern seien viele Gäste sehr bereitwillig, es gebe jedoch auch immer wieder Ungeimpfte, die sich zu drücken versuchten. Im Dehoga-Verband bestehe ein sehr reger Austausch über Abläufe, Neuerungen und Erfahrungen. Düsterer sehe es wohl in Lokalen aus, die nicht angeschlossen sind. Allgemein seien die Probleme für die Gastronomie erneut sehr groß, so gebe es aktuell eine Welle von Feier-Absagen, sei es aus Sorge, sei es, weil Ungeimpfte zur Gruppe gehören. (Matthias Haaß und Anne Quehl)

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