Fünf Stationen bis zum Pieks

Kasseler Impfzentrum: Sie wurde als eine der Ersten geimpft

Stefanie Gautsche (links) überprüft die Papiere von Anneliese Brehm
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Alle Unterlagen da? Stefanie Gautsche (links) überprüft die Papiere von Anneliese Brehm. Im Hintergrund schaut Thomas Schmidt, der zur Leitung des Organisatorenteams gehört, ob alles reibungslos funktioniert.

Seit Dienstag hat das Kasseler Impfzentrum geöffnet. Wir waren dabei, als die ersten Senioren ihre Schutzimpfung bekommen haben.

Kassel – Anneliese Brehm hat es geschafft. Sie gehört zu den 2500 Senioren in Nordhessen, die einen der begehrten Impftermine ergattert haben. Zusammen mit Enkelin Vanessa Oschmann hat sie gerade die Aufnahme im Kasseler Impfzentrum hinter sich gebracht, das am Dienstag um 9 Uhr endlich öffnen konnte. Nun sitzen die beiden Frauen im Wartebereich hinter den Anmeldekabinen. Bis zur Coronaschutzimpfung der 83-Jährigen sind es nur noch wenige Minuten.

„Etwas aufgeregt bin ich schon“, sagt die Niestetalerin. Und ergänzt dann: „Aber nicht wegen der Impfung, sondern weil das alles hier so ungewohnt ist.“ Darum sei sie auch froh, dass ihre Enkelin dabei sei. „Die hat mir auch den Termin gemacht“, sagt Brehm.

Anders als viele andere Senioren und deren Angehörigen hatte Vanessa Oschmann vergangene Woche Glück und hat im Internet schnell einen Termin bekommen. „Viele sind ja nicht durchgekommen“, sagt sie. Nun sitzen die beiden Frauen in der angenehm warmen Großsporthalle und warten darauf, dass es losgeht.

Bis es so weit ist, dauert es am Dienstagmorgen etwas länger als in den folgenden Stunden und Tagen (hier erklären wir den Ablauf im Kasseler Impfzentrum). Der Grund: Zahlreiche Reporter begleiten die ersten vier Senioren bei ihren Impfungen. Kameras werden positioniert, Aufnahmegeräte und Blöcke gezückt. Brehm nimmt es gelassen. „Spannend, was hier abgeht“, sagt sie.

Vom Wartebereich geht es weiter zur Dokumentenüberprüfung. „Wir haben da alles reingepackt“, sagt Brehm zu Stefanie Gautsche und deutet auf eine Klarsichtfolie. Gautsche blättert, überprüft die Formulare, gibt dann grünes Licht. „Alles ausgefüllt, super.“ Für Brehm kann es weitergehen.

Letzte Fragen werden geklärt: Anneliese Brehm spricht vor der Impfung mit Arzt Maximilian Vincent Thiele. Erst danach darf geimpft werden.

Nur wenige Meter weiter bekommt sie eine Nummer zugeteilt – die Drei. Nur zwei Senioren sind also vor ihr, dann ist sie dran. In der Hand hält Brehm ihre Wartenummer, die sie gleich einem Helfer übergeben wird, damit der weiß, in welche Kabine er Brehm führen muss. A2 wird es sein. Der Buchstabe verrät die Impfstraße – zehn gibt es, zunächst sind zwei in Betrieb –, die Nummer der Impfkabine. Noch aber heißt es warten, bis die Ziffer drei auf einem Monitor erscheint.

Bis dahin dauert es nicht lange. Der Helfer begleitet Brehm und ihre Enkelin in die Kabine. Und wieder heißt es warten. Heute bleibt dabei der Vorhang zur Impfkabine offen – der Presse zuliebe. Bei geschlossenem Vorhang regelt ein Ampelsystem an der Kabinenwand den Ablauf. Zunächst wird die Ampel auf Rot gesetzt: Kabine besetzt. Kommt der Arzt, setzt er die Ampel auf Gelb.

Ein Ampelsystem an der Wand der Impfkabinen zeigt an, was im Inneren gerade passiert.

Bei Anneliese Brehm ist das Maximilian Vincent Thiele. Er fragt nach dem ärztlichen Aufklärungsbogen. Alles gelesen? Ja. Noch Fragen? Nein. Alles klar. Vincent setzt die Ampel auf Grün.

Das ist das Zeichen für die Medizinischen Assistentinnen, dass nun geimpft werden kann. Zunächst fehlt aber der Hauptdarsteller – die Spritze mit dem Impfstoff –, dann ein Desinfektionsspray. Als beides organisiert ist, kann es losgehen. Und dann ist es nach wenigen Sekunden auch schon geschafft. Um 9.28 Uhr ist Brehm geimpft. „Das war’s schon?“, fragt die Niestetalerin. Das war’s schon. „Hat man ja gar nicht gemerkt“, sagt die 83-Jährige.

Während die Medizinische Assistentin die Kabine für den nächsten Impfling vorbereitet, ist Brehm schon auf dem Weg in den Beobachtungsbereich. Kurz wird noch kontrolliert, ob sich alle Unterschriften auf den Bögen finden, dann heißt es Platz nehmen. „Den Tag werde ich mir im Kalender anstreichen“, sagt Brehm.

Sie ist froh, sich für die Impfung entschieden zu haben. „Anfangs war ich mir nicht sicher, aber als alles immer schlimmer geworden ist, wollte ich es doch“, sagt sie. Immerhin sei das Risiko viel geringer, dass etwas passiere, als es der Fall sei, wenn man schwer an Corona erkranke.

Zum Schluss holt sich die Rentnerin noch ihre Bescheinigung ab. Alles wird eingescannt – etwas wie an der Supermarktkasse. „Bis zum nächsten Mal“, sagt der Mitarbeiter am Schalter. In Brehms Fall ist das am 10. Februar. Dann bekommt sie ihre zweite Impfung. „Damit bald endlich alles wieder besser wird“, sagt sie. (Marie Klement)

Am Dienstag wurden im Kasseler Impfzentrum die ersten 160 Menschen geimpft

Im Kasseler Impfzentrum, wo bis zur Öffnung aller hessischen Impfzentren am 9. Februar Impfberechtigte aus ganz Nordhessen geimpft werden, bekamen am Dienstag die ersten 90 Senioren und 70 Mitarbeiter aus dem Rettungs- und Sanitätsdienst ihre erste Impfdosis. In drei Wochen folgt die zweite.

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