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Gemündener Aerosolexperte Scheuch: Inhalieren mit Kochsalzlösung schützt vor Viren

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Von: Martina Biedenbach

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Kopf über einer Schüssel mit heißer Kochsalzlösung: Das Hausmittel gegen Erkältung hilft laut einer Studie auch als Vorbeugung gegen Infektionen.
Kopf über einer Schüssel mit heißer Kochsalzlösung: Das Hausmittel gegen Erkältung hilft laut einer Studie auch als Vorbeugung gegen Infektionen, wie etwa Corona © Martin Christ/ Fotolia

Eine internationale Forschergruppe, darunter auch der Gemündener Aerosolexperte Dr. Gerhard Scheuch, hat in einer Studie herausgefunden, dass das Befeuchten der Atemwege durch regelmäßige Naschenduschen und Inhalationen mit Kochsalzlösung hilft, Infektionen, wie zum Beispiel Corona zu vermeiden.

Gemünden – Regelmäßige Nasenspülungen und – noch besser – Inhalationen mit einfacher Kochsalzlösung helfen, Infektionen mit Corona-Viren zu verhindern. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie, an der der Gemündener Aerosolexperte Dr. Gerhard Scheuch zusammen mit einer Marburger Arbeitsgruppe beteiligt war und die nun veröffentlicht wurde. Allerdings ist die praktische Umsetzung nicht sehr alltagstauglich.

„Wir haben festgestellt, dass Feuchtigkeit in den oberen Atemwegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2 drastisch reduziert. Höhere Feuchtigkeit bedeutet weniger Ansteckung. Durch die Inhalation von einfacher Kochsalzlösung kann man die Feuchtigkeit der Atemwege erhöhen und damit Infektionen verhindern“, schildert der Wissenschaftler das Ergebnis unserer Zeitung.

Wie berichtet, hatte Scheuch, der ehemalige Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, schon zu Beginn der Coronapandemie darauf hingewiesen, dass die Verbreitung der Coronaviren über die Atemluft erfolgt. Auf seinen Rat hin hatte das Robert-Koch-Institut neben den AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, im Alltag Maske tragen) auch das Lüften als weitere Schutzmaßnahme empfohlen.

Aerosolexperte: Dr. Gerhard Scheuch erläutert, wie man Schulen sicherer machen kann – in seinem neuesten Video und im Interview. Screenshot: martina Biedenbach
Dr. Gerhard Scheuch: Der Aerosolexperte aus Gemünden informiert regelmäßig in Youtube-Videos über neue Erkenntnis. Im neuesten Video geht es um „Leben mit Covid“. © Screenshot: Martina Biedenbach

Ausgangspunkt der jetzt veröffentlichten Studie waren nach Angaben des Gemündener Wissenschaftlers Beobachtungen in den USA: In den Küstenregionen, also in Bereichen mit salzhaltiger Luft, haben sich wesentlich weniger Menschen mit Corona infiziert als im Landesinnern.

Das erinnerte den an der aktuellen Studie beteiligten US-amerikanischen Biomedizin-Ingenieur David Edwards an Erkenntnisse, die er 2004 zusammen mit Scheuch gewonnen hatte. Edwards hatte herausgefunden, dass Viren mit dem Ausatmen in die Außenluft abgegeben werden. Die kleinen Aerosolteilchen halten sich dann lange in der Raumluft.

Zusammen mit dem Inhalationsfachmann Scheuch hatte er nach einer Substanz gesucht, mit der man durch Inhalieren das Ausatmen der Viren unterbrechen könnte. „Schon damals hatte sich die Kochsalzlösung als wirksam erwiesen“, berichtet der Gemündener Aerosolexperte.

Messungen bei Sportlern: Bei trockenen Atemwegen mehr Viren in Atemluft

Nun ließ Edwards Sportler trainieren, bis deren Atemwege ganz trocken wurden und stellte fest, dass sie dann mehr Aerosolteilchen ausatmen, als bei feuchten Atemwegen. „Das entspricht der Beobachtung, dass sich Grippeviren vor allem im Winter verbreiten, wenn die Menschen sich in trockenen Innenräumen aufhalten“, erläutert der Gemündener Aerosolexperte.

In einem unterscheiden sich die Meinungen von Edwards und Scheuch: Der Amerikaner gehe davon aus, dass die Befeuchtung der oberen Atemwege durch Nasenspülungen mit Kochsalzlösung weitgehend Schutz vor Viren biete. Scheuch hingegen hält die Inhalation der Kochsalzlösung und damit die Befeuchtung der ganzen Lunge für viel wirksamer und notwendig.

Der Gemündener hat dazu auch zusammen mit Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt der Lungenklinik des Bethanien-Krankenhauses in Moers, Untersuchungen gemacht. Der Arzt lässt Coronapatienten in der Klinik mit Kochsalzlösung inhalieren. Anhand des von Scheuch mitentwickelten Gerätes (Resp-Aer-Meter), das die Anzahl der ausgeatmeten Partikelteilchen misst, wurde in der Klinik nachgewiesen, „dass dadurch tatsächlich weniger Viren in die Luft geraten“, schildert der Aerosolexperte.

Scheuch zieht folgendes Fazit: „Trockene Atemwege sind für Viren anfälliger und bei trockenen Atemwegen werden mehr Viren ausgeatmet. Doch als Schutz vor Infektionen sind Inhalationen mit Kochsalzlösungen kein Allheilmittel, denn sie sind leider wenig praktikabel. Die Wirkung hält nicht lange. Man müsste dann alle drei bis sechs Stunden inhalieren.“

Gerhard Scheuch zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten mit Kochsalzlösungen

Inwiefern können wir uns durch Inhalieren von Kochsalzlösung vor Corona schützen? Wie muss die Kochsalzlösung beschaffen und was braucht man zum Inhalieren? Antworten auf diese Fragen gibt der Gemündener Aerosolwissenschaftler Dr. Gerhard Scheuch.

Wie effektiv ist das Inhalieren von Kochsalzlösung als Schutz vor Corona?

Das Inhalieren kann laut Scheuch die Verbreitung von Corona- und anderen Viren verhindern, aber dieser Schutz ist leider nicht sehr praktikabel. „Die Wirkung hält nur zwischen drei bis sechs Stunden an“, sagt der Wissenschaftler. Dieses häufige Inhalieren könne zwar ein Kranker, der zuhause ist, machen. Im Alltag als Vorbeugung sei dies aber zu aufwendig.

Wie muss die Inhalationslösung beschaffen sein?

Einfaches Kochsalz reicht aus. Man braucht eine einprozentige Kochsalzlösung. Dazu gibt man einen Teelöffel in einen Liter heißes Wasser. So entsteht eine isotonische Kochsalzlösung. Wenn man mehr Salz hinzugibt, reizt das die Lunge, denn dann wird zum Ausgleich Wasser aus den Zellen gezogen. Auch wenn man reines Wasser inhaliert, tut es weh. Dann wird Salz als Ausgleich aus den Zellen gezogen. Man kann die Kochsalzlösung selbst machen. Leichter ist die Dosierung mit fertigen Päckchen aus der Apotheke oder dem Drogeriemarkt.

Mit was sollte man inhalieren?

Man kann den heißen Wasserdampf über einem Kochtopf oder einer Schüssel einatmen oder Inhalationsgeräte und Vernebeler benutzen. Ganz einfache Geräte reichen aus. Es muss kein teures Hightechgerät sein, sagt der Experte.

Was erreicht man mit Nasenspülungen?

Sie helfen in gewissem Umfang laut Scheuch bei der Eindämmung der Ansteckungsgefahr, etwa bei den Omikron-Viren, die sich hauptsächlich in den oberen Atemwegen vermehren. Besseren Schutz bieten seiner Meinung nach Inhalationen, weil damit die Lunge erreicht wird. Nasenspülungen sollten ebenfalls mit der isotonischen Kochsalzlösung erfolgen. Es gibt dafür Nasenduschen oder Spülkännchen.

Generell sind Nasenspülungen und Inhalationen mit Kochsalzlösungen auch gut bei anderen Infektionskrankheiten?

Ja, das Inhalieren von Kochsalzlösung ist schließlich ein uraltes Hausmittel. Für Flugreisen empfiehlt es sich, als Ausgleich zur trockenen Kabinenluft mit Kochsalz-Nasensprays die Atemwege zu befeuchten, sagt der Aerosolexperte. (Martina Biedenbach)

Weitere Infos

Der Aerosolexperte Dr. Gerhard Scheuch informiert regelmäßig in Youtube-Videos über Schutzmaßnahmen und neue Erkenntnis in Zusammenhang mit Corona. Im neuesten Video geht es um „Leben mit Covid“. zu.hna.de/scheuchpodcast

Die Zusammenfassung der Studie finden Sie unter zu.hna.de/nasenspuelung

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