Inzidenz unter Jugendlichen nach wie vor hoch

Kassel: Bald soll in Schulen gegen Corona geimpft werden

Schulunterricht in einer Grundschule
+
Impfung in der großen Pause? Im Juni will die Stadt Kassel damit beginnen, mit mobilen Impfteams in Schulen zu impfen.

Die Inzidenz unter Kindern und Jugendlichen ist laut Gesundheitsamt immer noch sehr hoch. Als Reaktion darauf will die Stadt Kassel ab Anfang Juni damit beginnen, Schüler ab 16 Jahren zu impfen.

Kassel – Indessen warnen Kinderärzte vor einer vorschnellen Impfung jüngerer Kinder. Fragen und Antworten zu diesem und weiteren Corona-Themen:

Wie hoch ist die Inzidenz bei Kindern aktuell?
Vergangene Woche lag die Inzidenz der 0- bis 5-Jährigen in Kassel bei 109,5, bei den 6- bis 10-Jährigen bei 69,3, bei den 11- bis 14-Jährigen betrug sie 204,9 und bei den 15- bis 20-Jährigen lag die Inzidenz bei 214,3. Damit ist die Zahl der Infektionen bei Kindern und Jugendlichen weiter deutlich höher als bei der überwiegend geimpften Gruppe der 60- bis 79-Jährigen (76,1) und bei den über 80-Jährigen (38,0). Die Gesamt-Inzidenz für die Stadt Kassel lag vergangene Woche bei 136,7.
Woran liegt das?
Laut Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote sind die Virusmutanten ein Grund für die hohe Ansteckungsrate, weil sie sich schneller ausbreiten. Habe eine Person in der Familie das Virus, stecke sie meist den gesamten Haushalt an. Auch bilde sich jugendgemäßes Verhalten ab: „Es ist nachvollziehbar, dass sich die Jugendlichen jetzt auch endlich mal wieder treffen wollen“, sagt Gote.
Ist das Impfen der Jugendlichen eine Antwort auf die Entwicklung?
„Wir haben die Verantwortung, ihnen ein normales Leben zu ermöglichen“, sagt Gote. Auch habe das Impfen der Kinder und Jugendlichen einen positiven Effekt auf die Gesundheit der Familien, was diese wiederum entlaste.
Wann und wo soll es losgehen?
Ab Anfang Juni. „Alle Planungen stehen unter dem Vorbehalt, dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht“, so Ulrike Gote. Da bisher kein Impfstoff für unter 16-jährige zugelassen sei, könnten zunächst Schüler ab 16 Jahren mit Biontech geimpft werden. Das Zulassungsverfahren für die Impfung mit Biontech ab 12 Jahren laufe noch.
Daher wolle man bei Berufsschulen beginnen. Konkretere Planungen zur Reihenfolge gebe es bislang nicht. Geimpft werden soll durch mobile Impfteams, die in die Schulen kommen.
Gibt es denn genügend mobile Impfteams?
Diesbezüglich gebe es keinen Grund zur Sorge, sagt Ulrike Gote. Beleg dafür sei das gut funktionierende Impfen durch mobile Teams in Heimen.
Beeinflusst die Impfung den Ablauf der anderen Impfgruppen?
Hier könne man nur spekulieren, teilt Gote mit, und verweist auf den noch unklaren Umfang der vom Bundesgesundheitsministerium und dem Land Hessen angekündigten Impfstofflieferungen. „Es kann dazu kommen, dass durch die Impfung von Schülern im Sommer weniger Erstimpfungen stattfinden können“, sagte Gote im Gesundheitsausschuss. Zweitimpfungen wären davon nicht betroffen. „Ob dies so eintrifft, kann momentan niemand sagen.“
Wird es auch im Impfzentrum die Möglichkeit geben, dass sich Kinder und Jugendliche impfen lassen?
Laut Gote hat das die hessische Landesregierung angekündigt. Auch, dass sich deren Erziehungsberechtigte über das Impfportal zur Impfung anmelden können. Der genaue Zeitpunkt sei noch nicht bekannt. Zudem sollen auch die Kinder- und Jugendärzte miteinbezogen werden.
Wie äußern sich Kinderärzte dazu, dass bald auch Kinder und Jugendliche geimpft werden sollen?
Jugendliche ab 16 Jahren zu impfen, hält Kinderarzt Thomas Lenz, Obmann der nordhessischen Kinderärzte, für sinnvoll, weil sie nah am Erwachsenenalter dran sind. Kinder unter 16 Jahren zu impfen, sieht er kritisch.
Warum sollten jüngere Kinder nicht geimpft werden?
Hier rechtfertige die Erkrankungsschwere nicht die Impfung, sagt Lenz. Anders als bei Erwachsenen, wo man zugunsten des Schutzes vor einer schweren Covid-Erkrankung Nebenwirkungen in Kauf nimmt, sei die Impfung von Kindern ethisch nicht vertretbar, wenn sie allein dem Schutz der Erwachsenen diene. Wirksamkeit, Verträglichkeit und Nutzen der Impfstoffe für Kinder müssten sorgfältig geprüft werden, fordert auch der Bundesverband der Kinder und Jugendärzte. „Kinder sollten weiterhin mit guten Hygienekonzepten geschützt werden und der Fokus der Impfung sollte auf Eltern und Erziehern liegen“, empfiehlt Lenz.
Bei der Erstimpfung im Kasseler Impfzentrum habe ich eine Extra-Bescheinigung bekommen. Bekomme ich die Zweitimpfung nun im Impfpass eingetragen?
Ja. All diejenigen, deren Termin für die Zweitimpfung noch bevorsteht, werden den Nachweis für beide Impfungen laut Stadt im Impfpass bei ihrer Zweitimpfung direkt im Impfzentrum in der Großsporthalle im Auepark erhalten.
Wie haben sich die Zahlen entwickelt?
Leider nicht so gut wie am Vortag. Das Gesundheitsamt meldete sowohl für die Stadt als auch für den Kreis wieder deutlich mehr Fälle. In Kassel waren es gestern 56, im Kreis 34. Immerhin: Die Zahl derer, die derzeit infiziert sind, ist in der Stadt um 38 auf 617 Fälle gesunken, im Kreis reduzierte sich die Zahl um 46 auf nun 510 Fälle. 66 der Infizierten mussten gestern im Krankenhaus behandelt werden, 25 von ihnen intensivmedizinisch. Zudem gibt es in Kassel zwei weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus und damit nun 178 insgesamt. Im Kreis blieb die Zahl erneut unverändert bei 216.
Dürfen Schulen und Kitas nun tatsächlich auch in Kassel wieder öffnen?
Ja. In Kassel lag der die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Anzahl der Fälle in den letzten sieben Tagen pro 100 000 Einwohnern angibt, gestern unverändert bei 135,1 – dem derzeit höchsten Wert in Hessen. Damit steht fest, dass ab Freitag wieder alle Schüler in den Wechselunterricht zurückkehren. Verpflichtend sind dafür zwei Schnelltests pro Woche. Auch die Kitas öffnen wieder. Bisher gab es wie in den Schulen nur eine Notbetreuung. Allerdings: Es gilt weiter der Appell an die Eltern, ihre Kinder wenn möglich zuhause zu betreuen.
Wie sieht es bei der Inzidenz im Landkreis aus?
Im Landkreis ist die Inzidenz derweil erstmals unter 100 gesunken und lag gestern bei 87. Damit hat der Kreis den ersten von fünf Schritten hin zu weiteren Lockerungen gemacht. Denn wenn die Inzidenz in den kommenden vier Werktagen ebenfalls unter 100 liegt, darf beispielsweise die Außengastronomie öffnen. Der Kreis liegt mit seinem Wert beinahe beim Gesamt-Hessen-Wert (81,6). Die geringste Inzidenz haben die Kreise Wetterau (28,2) und Darmstadt-Dieburg (46,3), den zweithöchsten nach Kassel haben der Kreis Fulda (119,7) und der Kreis Waldeck-Frankenberg (119,6).(

(Anna Lischper und Marie Klement)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.